Kapitel 46

148 7 10
                                        

Wir verließen gerade wieder den Stall und machten uns auf den Weg zum Haupthaus. Wir hatten einige Stunden damit verbracht, da Mel sich nicht hatte von den Fohlen losreißen können.

Zu ihrer Verteidigung sei gesagt, dass es mir am Anfang genauso ergangen war, doch mit der Zeit hatte ich gelernt die Schmerzen zu ignorieren und diese süßen kleinen Wesen zu verlassen.

Erst nahm ich die Stimmen nur unterbewusst wahr, doch dann hielt ich inne und lauschte angestrengt. Das war doch die Stimme von Deamon, oder nicht?

Vorsichtig schlich ich auf die Hausecke des Stalls zu und spähte um die Ecke. Mel sah mich irritiert an, spielte aber mit und schob sich an mir vorbei um ebenfalls einen Blick auf das Geschehen zu bekommen.

Etwas entfernt stand Deamon und unterhielt sich mit einer jungen Frau, die ich bei genauerem Hinsehen als unsere Nachbarin Jenna identifizieren konnte.

Was machte die denn hier? Es war bereits Abend und eigentlich viel zu spät um beidem ganzen Schnee noch über den Bergpass nach Hause auf ihre Ranch zu fahren.

Ich beobachtete wie Jenna wild gestikulierend auf Deamon einredete. Über was sprachen die beiden bitte? Nur mit viel Mühe konnte ich ein paar der Gesprächsfetzen verstehen, die der leichte Wind zu uns herüber trug.

Mel hinter mir zog fröstelnd die Schultern an, doch ich war zu gespannt auf das Gespräch um darauf zu achten wie kalt es war.

"Keiner darf etwas erfahren!" Hörte ich Jennas von Sorge geprägter Stimme.

"Versprochen. Ich kümmer mich um sie wenn Fragen aufkommen sollten. Aber sie wird nichts merken." Deamon sprach in beruhigendem Ton auf sie ein und strich ihr sanft über den Arm.

Hatte er das gerade wirklich gesagt? Was planten die beiden da?

"Was willst du ihr sagen wenn sie fragt?" Hörte ich sie noch, bevor der Wind die Worte der beiden in eine andere Richtung trug und Deamons Antwort mit sich nahm.

Ich sah nur noch wie sich die beiden umarmten und dann durch den Schnee davon stapften. Deamons Arm lag dabei um ihre Schultern, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

"Was war das denn grade?" Vernahm ich Mels Flüstern neben mir, weshalb ich mich schwer atmend zu ihr herum drehte.

"Keine Ahnung."

Ein dumpfer Schmerz hatte sich in meiner Brust ausgebreitet und ich wischte mir hektisch über die Augen.

Bildete ich mir das nur ein oder konnte es sein, dass er mich betrog?

Mein Herz raste und ich fühlte mich als jemand meinen Kopf genommen und einen Pürierstab hinein gehalten.

"Komm, wir gehen rein." Mel legte mir einen Arm um die Schultern und schob mich in Richtung Haupthaus.

Ich nickte und folgte ihr, doch meine Gedanken kreisten fortwährend um das Gespräch.

᪥᪥᪥

Nach dem Essen verkrümelten wir uns auf mein Zimmer. Ic hatte so wenig gegessen, dass sogar Nick verwundert geschaut hatte. doch mir war heute so ziemlich jeder Appetit vergangen und auch Mel kochte vor Wut.

"Was für ein Arschloch." Machte sie ihrem Ärger Luft, kaum dass die Tür hinter uns ins Schloss gefallen war.

Ich nickte matt und ließ mich aufs Bett plumpsen.

Hatte ich das alles nicht schon einmal erlebt? Aber mit Tyler war es anders gewesen. Der hatte nur mit einer anderen geschlafen weil ich nicht wollte und bei Deamon und mir war dieses Thema noch nie aufgekommen.

Warum eigentlich nicht?

Wollte er in Wirklichkeit gar nichts von mir? War ich nur die zweite Option und er hatte schon viel länger was mit Jenna? Aber wenn er nichts von mir wollte...

War ich vielleicht nur ineteressant für ihn gewesen weil ich Nicks Tochter war?

Stöhnend vergrub ich das Gesicht in den Händen. Meine Gedanken waren viel zu wirr um auch nur eine logische Schlussfolgerung daraus ziehen zu können.

Hatte ich mich womöglich nur verhört und sie hatten über etwas ganz anderes gesprochen? Steigerte ich mich da in etwas rein?

Nein, es war sehr eindeutig gewesen. Die beiden hatten ein Geheimnis vor mir und um was es sich dabei handelte konntte man sich denken.

"Hattet ihr nicht sogar noch eine Verabredung heute?" Mel hatte sich neben mir aus Bett gesetzt und tröstend die Arme um mich gelegt, doch jetzt setzte sie sich auf und sah mich fragend an.

Ich seufzte und griff nach meinem Handy, um ihr die Nachricht unter die Nase zu halten, die ich noch während des Abendessens bekommen hatte.

"Hey Dreamy, ich muss leider für heute absagen, Liv geht es nicht so gut, tut mir Leid."

"Dieses Arschloch. Jetzt zieht er auch noch seine Schwester da mit rein."

Ich nickte seufzend und widerstand dem Drang mein Handy an die andere Seite des Zimmers zu feuern. Das kleine Ding konnte ja schließlich auch nichts dafür, dass mein Freund so ein großes Arschloch war.

Stattdessen legte ich es auf dem kleinen Nachtschränkchen ab und wendete mich ab, mit Blick in Richtung Fenster.

Es hatte schon wieder angefangen zu schneien. Wie kleine besoffene Elfen eierten die Flocken durch die Luft, bis sie schließlich sanft bei den anderen auf dem Boden landeten Und sich zu einer großen Masse verdichteten.

Ein freudloses Lachen kam über meine Lippen. Die Freue am Winter war mir im Moment vergangen. Warum schwärmten diese ganzen Romanautorinnen nur immer so vin Cowboy's? Waren die in den Büchern nicht immer treuer als der Ex?

Zu schade, dass mein Leben kein Buch war, sonst hätte ich angesichts dieser beschissenen Realität einfach dieses Kapitel meines Lebens übersprungen und hätte an einem anderen Punkt weiter gelesen.

Vermutlich hätte ich nicht einmal weit blättern müssen, so alt war unsere Beziehung schließlich noch nicht.

Meine Gedanken drifteten weiter ab, zu unserem ersten Kuss in der Sattelkammer und eine aufgeregte Gänsehaut breitete sich erneut auf meinen Armen aus. Doch genauso schmerzhaft war die Erinnerung auch.

Ich erschreckte mich zu Tode als Mel sich plötzlich neben mir bewegte, so sehr war ich in meine Gedanken abgedriftet.

Ihre besorgten braunen Augen musterten mich eingehend, bevor sich mich sanft anstupste. "Ich geh mal schauen was ihr so für Kartenspiele habt. Serien kann man in diesem Kaff ja wohl völlig vergessen."

Ein gezwungenes Grinsen fand auf meine Lippen und ich nickte. "Gute Idee. Irgendwo im Wohnzimmer ist bestimmt was. Und erschreck dich nicht vor Nick."

Meine beste Freundin kicherte. "Ich finde so schlimm war er gar nicht. Vielleicht ein bisschen einsilbig, aber ansonsten eigentlich ganz nett."

"Das stimmt. Es ist schon besser geworden. Am Anfang sah das noch ganz anders aus."

Du hast das Ende der veröffentlichten Teile erreicht.

⏰ Letzte Aktualisierung: Jan 12, 2025 ⏰

Füge diese Geschichte zu deiner Bibliothek hinzu, um über neue Kapitel informiert zu werden!

Country LoveGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt