Kapitel 32

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Defne's pov:

Der Tag vor dem großen Spiel fühlte sich seltsam elektrisierend an. Überall in der Hotellobby summte es vor Nervosität – Spieler, Betreuer, Journalisten und sogar das Personal wirkten angespannter als sonst. Das war verständlich. Morgen würde die EM für uns losgehen. Ein Auftakt, auf den so viel ruhte.

Kenan war heute kaum zu sehen gewesen. Morgens ein kurzes Gespräch über seinen Zeitplan, mittags ein strenger Blick von einem der Trainer, der mich fast laut auflachen ließ. „Bloß nicht ablenken", hatte der Blick gesagt. Als hätte ich das vorgehabt... zumindest nicht in dem Moment.

Trotzdem. Es fiel schwer, mich aus der Nähe zu halten. Die letzten Wochen hatten uns auf eine Weise zusammengeführt, die ich nie erwartet hatte. Zwischen uns war ein Feuer entfacht, das ständig loderte, und an manchen Tagen drohte es sogar zu viel zu werden. Heute war so ein Tag. Je mehr ich mich zurückzuhalten versuchte, desto stärker wurde der Wunsch, bei ihm zu sein.

-

Am späten Abend saß ich in meinem Zimmer auf dem Bett, ein Buch aufgeschlagen vor mir, doch die Worte tanzten nur unscharf über die Seiten. Mein Blick wanderte immer wieder zum Handy auf dem Nachttisch. Keine Nachricht. Kein Zeichen von ihm.

Konzentrier dich, Defne, ermahnte ich mich. Doch es war zwecklos. Stattdessen stellte ich mir vor, wie Kenan jetzt wohl in seinem Zimmer saß – angespannt, den Kopf voller Erwartungen. Und so selbstbewusst er in der Öffentlichkeit immer wirkte, wusste ich, dass er solche Momente nicht leicht nahm. Der Druck, der auf ihm lastete, war enorm.

Vielleicht könnte ich ihm helfen. Ihm die Anspannung nehmen. Das war zumindest das, was ich mir einredete, als ich schließlich aufstand und vor meinem Kleiderschrank stand. Ich zog mir ein weiches, schlichtes Shirt über, das mir lässig über eine Seite der Schulter rutschte, und schlüpfte in eine lockere Shorts. Bequem, aber doch... etwas gewollt.

Der Gang zu seiner Zimmertür fühlte sich an wie eine ewig lange Reise. Jeder Schritt hallte in der stillen Hotelflurs. Mein Herz schlug ein wenig schneller, als ich vor seiner Tür stand. Es war spät, viel zu spät, und jeder andere in diesem Hotel schlief wahrscheinlich tief und fest. Alle bis auf mich – und ihn. 

Die Nacht vor dem ersten Spiel der Europameisterschaft. Eigentlich war das Timing miserabel, doch die Spannung zwischen uns war in den letzten Tagen ins Unermessliche gestiegen. Kenan war auf dem Platz fokussiert, eisern, unantastbar, aber sobald er von der Öffentlichkeit abgeschirmt war, gehörten seine Blicke mir – und nur mir. 

Ich hob die Hand und klopfte leise an. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich Schritte hörte. Die Tür öffnete sich, und da stand er. 

Kenan Yildiz. Barfuß, eine Jogginghose tief auf seinen Hüften sitzend, das weiße Shirt klebte wie zufällig an seiner Brust, die Haare leicht zerzaust. Er sah müde aus, aber seine Augen glühten im Halbdunkel des Flurs. 

„Defne?" Seine Stimme war heiser, überrascht, aber nicht unwillkommen. 

„Kannst du nicht schlafen?" fragte ich leise und schob mich ein Stück in sein Zimmer, ohne auf eine Einladung zu warten. Mein Blick wanderte zu ihm hoch, während er die Tür hinter mir schloss. 

„Nicht wirklich." Er rieb sich mit der Hand über die Nackenmuskulatur und ließ sich langsam auf die Kante des Bettes sinken. „Morgen ist wichtig." 

„Ich weiß." Ich trat zu ihm und blieb vor ihm stehen. Seine Knie streiften meine Beine, und ich spürte, wie die Luft zwischen uns dicker wurde. Diese unausgesprochene Anziehung, die uns beide verrückt machte. 

„Du machst dich verrückt, Kenan. Du wirst morgen alles geben – und das reicht." 

Er hob den Kopf und sah mich an. Sein Blick war schwer, voller Zweifel und innerer Unruhe. Ich wollte ihn so nicht sehen. Nicht in dieser Nacht. 

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