Kapitel 53

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Kenan's pov:

Das Stadion vibrierte, lange bevor wir überhaupt auf den Platz liefen.
Mailand. Rote Fahnen, schwarze Schals, das dumpfe Donnern der Fangesänge. Ich stand im Tunnel, zog an den Stutzen, so fest, dass mir fast die Luft stockte. Mein Herz hämmerte. Nicht wegen des Spiels. Sondern wegen ihr.

Als wir raustraten, blitzte mein Blick automatisch nach links – dorthin, wo die Bänke der Mailänder lagen. Und da stand sie.

Defne.

Ein schmaler schwarzer Mantel, der im Wind leicht flatterte, darunter ein cremefarbenes Rollkragentop, eng, elegant, fast unnahbar. Ihr Haar fiel offen über die Schultern, vom Flutlicht wie Glas geschnitten. Sie hielt ein Tablet, sprach leise mit jemandem vom Staff, als sei sie Teil dieses Vereins, als gehöre sie hierher.

Mir schnürte es die Kehle zu.
Jeder Muskel in meinem Körper spannte sich. Monate hatte ich sie nicht so nah gesehen – und jetzt stand sie keine zwanzig Meter entfernt, als wäre alles zwischen uns ein Traum gewesen. Ich konnte den Blick nicht abreißen.
Verfluchte Obsession.

Sie spürte es. Ich sah es daran, wie sie kurz den Kopf hob, mein Blick ihren traf – ein Moment, sekundenlang, zu lang. Keine Begrüßung. Kein Nicken. Nur Stille, in der die Zeit erstarrte.

Beim Aufwärmen tat ich so, als wäre ich bei den Dehnübungen, doch jedes Mal, wenn ich mich aufrichtete, suchten meine Augen sie.
Sie stand jetzt näher an der Bank, sprach mit einem Milan-Betreuer. Und doch, jedes Mal, wenn ich hinsah, begegneten sich unsere Blicke wieder.
Keiner lächelte. Keiner sprach. Nur dieser Strom, roh und unerträglich.

Rafa Leão kam rübergelaufen, warf ihr ein breites Lächeln zu, tippte kurz mit zwei Fingern an ihren Ellbogen, als wäre es selbstverständlich. Mein Blut gefror. Ich biss die Zähne so fest aufeinander, dass meine Kiefermuskeln schmerzten.

Das Spiel hatte noch nicht begonnen, aber ich war längst auf Anschlag.

Als der Anpfiff ertönte, war mein Kopf voller Donner. Ich rannte, passte, presste – viel zu hart. Jeder Ballverlust ein Stich. Jeder Zweikampf gegen Leão ein Krieg.

Er grinste. Diese Arroganz.
Jedes Mal, wenn er an mir vorbeiging, spürte ich, wie meine Haut unter Spannung stand.
Er wusste. Er ahnte es. Dieses subtile Zucken seiner Mundwinkel, als wollte er mir zeigen, dass er längst in ihrem Orbit war.

Meine Gedanken wurden dunkler, aggressiver. Lauf schneller. Geh härter rein. Zeig ihm, dass er hier nichts zu suchen hat.
Und doch spürte ich, dass ich zu verbissen war. Meine Pässe wurden unsauber, mein Timing ein Bruchteil zu spät.

Die 62. Minute.
Ein Pressschlag. Wir beide gehen hin, ich zuerst am Ball, aber Leão kommt mit Tempo. Sein Schienbein trifft meinen Knöchel hart, zu hart. Ein stechender Schmerz schießt durch mein Bein, der Rasen dreht sich, ich schreie.

Die Sanitäter stürzen heran. Ich sitze im Gras, wütend, schmerzgebeugt. Die Fans pfeifen. Leão hebt entschuldigend die Hände – viel zu theatralisch, zu glatt.
Ich weiß, dass es Absicht war.
Er wusste, wo es wehtut.

Ich kann nicht weitermachen. Ich humpel vom Platz, das Stadion verschwimmt. Das Spiel läuft weiter, ohne mich.

Nach dem Abpfiff sitze ich minutenlang in der Kabine, der Fuß bandagiert, der Kopf heiß. Um mich herum Lärm, Stimmen, Duschen. Ich höre nichts davon. Nur den Druck in meiner Brust, dieses brodelnde Gift.

Ich muss raus. Ich kann nicht hier sitzen, während dort draußen – sie. Und er.

Ich hinkte über den Korridor, den Verband um meinen Knöchel, jeder Schritt pochte. Doch der Schmerz im Bein war nichts gegen das, was in mir tobte.

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