Defne's pov:
Mein erster Impuls ist, die letzte Nachricht von ihm zu ignorieren und die Dinge so laufen zu lassen, wie geplant. Doch dann erinnere ich mich an die unausgesprochene Spannung zwischen uns, die wie ein unsichtbares Band alles durchdringt, was wir tun. Ich hatte Flavio absichtlich nicht abgesagt, er würde seinen Weg nicht kriegen. Ich ging extra früher als sonst raus dass ich ihn nicht erwischen würde.
Doch als ich vor die Tür trete, steht er schon da. Sein Auto war direkt vor meinem Apartment geparkt. Kenan lehnt an der Beifahrertür, eine Sonnenbrille auf der Nase, die Hände in den Taschen seiner Trainingsjacke. Als er mich sieht, hebt er eine Braue, als wolle er fragen, ob ich wirklich gedacht habe, er würde sich abwimmeln lassen.
„Du bist zu früh", sage ich, während ich langsam auf ihn zugehe.
„Ich bin immer pünktlich", erwidert er knapp, öffnet die Beifahrertür und macht eine auffordernde Geste. „Einsteigen."
Ich halte kurz inne, schiebe einen kühlen Blick in seine Richtung und überlege, ob ich mich wirklich auf dieses Spiel einlassen soll. Wortlos steige ich ein, und er schließt die Tür hinter mir, bevor er selbst auf der Fahrerseite Platz nimmt.
Der Wagen setzt sich in Bewegung, und für eine Weile herrscht Stille. Nur das leise Brummen des Motors und das rhythmische Geräusch des Scheibenwischers, der den Morgentau von der Scheibe wischt, füllen den Raum zwischen uns. Doch die Spannung ist greifbar, ein unsichtbares Gewicht, das sich auf meine Schultern legt.
Er wirft mir einen kurzen Seitenblick zu, ein Lächeln, das mehr spöttisch als freundlich ist, spielt um seine Lippen. „Und? Ich hoffe für nächste Woche ist alles fertig?" Seine Stimme ist ruhig, doch der Unterton ist provokant.
Ich presse die Lippen zusammen, richte meinen Blick fest auf die Straße vor uns. „Ich habe einen Plan, Kenan. Einen Plan, der funktioniert, wenn du dich daran hältst."
„Oh, ich halte mich an den Plan", sagt er, und diesmal klingt seine Stimme weicher, fast beiläufig.
Wir müssen diese Woche konzentriert bleiben", sage ich schließlich, um das Schweigen zu füllen. „Die Pressekonferenzen sind wichtig, und du hast ein Meeting mit dem Sponsoren-Team am Mittwoch."
„Ich weiß." Seine Antwort kommt scharf, fast genervt, aber er lässt es dabei bewenden. Kein „Danke", kein „Verstanden". Nur diese kühle Distanz, die mir das Gefühl gibt, ihn mehr zu stören, als ihm zu helfen.
Ich presse die Lippen zusammen, versuche, meine Fassung zu bewahren. „Gut", sage ich knapp und wende mich wieder dem Fenster zu. Es hat keinen Sinn, weiter zu reden, wenn er so abweisend ist.
Kenan's pov:
Ich halte den Blick fest auf die Straße gerichtet, meine Finger umklammern das Lenkrad fester, als es nötig wäre. Sie sitzt neben mir, still, professionell, wie immer. Doch heute fällt es mir schwer, sie nicht anzusehen. Es fühlt sich an, als wäre sie Lichtjahre entfernt, obwohl sie nur eine Armlänge neben mir sitzt.
Verdammt, ich hätte sie nicht abholen sollen. Das war ein Fehler. Aber der Gedanke, dass sie mit einem anderen unterwegs ist, dass irgendjemand sonst in ihrer Nähe ist, hat mich wütend gemacht. Ein Wutanfall, den ich nicht einmal richtig erklären kann. Das alles ist nur passiert weil wir uns Samstag Abend so verboten nah gekommen sind.
Also habe ich ihr Fahrer-Arrangement über den Haufen geworfen und beschlossen, die Kontrolle zurückzugewinnen. Nur, dass ich jetzt merke, dass ich die Kontrolle über mich selbst längst verloren habe.
„Hast du sonst noch was Wichtiges für mich heute?" frage ich schließlich, nur um die unangenehme Stille zu brechen.
„Ich habe dir die Details bereits geschickt." Ihre Stimme ist neutral, fast zu neutral, als wolle sie mich bewusst auf Abstand halten. „Es steht alles in deinem Kalender."
Ich nicke, sage nichts mehr. Vielleicht ist das besser so. Vielleicht sollten wir beide einfach die Rollen spielen, die uns zugeteilt wurden – sie als meine Managerin, ich als ihr Schützling. Es ist einfacher, professionell zu bleiben, als sich den Gefühlen zu stellen, die wie ein Sturm in mir toben.
Aber da ist etwas in ihrem Ton, in ihrer Haltung, das mich nicht loslässt. Ich frage mich, ob sie das, was am Freitag passiert ist, wirklich so leicht beiseite schieben kann. Ob sie tatsächlich einfach so weitermachen kann, ohne darüber nachzudenken. Ich kann es nicht. Jede Erinnerung an diesen Moment brennt sich in meinen Kopf, doch ich sage nichts. Nicht jetzt. Vielleicht nie.
Ich bringe sie schließlich ins Büro, parke vor dem Eingang und schalte den Motor aus. Für einen Moment herrscht Stille, bevor sie ihre Tasche schnappt und sich zum Aussteigen wendet. „Danke fürs Fahren", sagt sie leise, ohne mich anzusehen.
„Kein Problem", erwidere ich kühl. Aber in meinem Inneren tobt ein Krieg. Ich will sie zurückhalten, will etwas sagen, das diese Mauer zwischen uns einreißt. Doch ich tue es nicht. Stattdessen sehe ich ihr nach, wie sie die Tür zum Bürogebäude öffnet, und lasse die Stille wieder über mir zusammenbrechen.
Ich hab es wieder nicht geschafft zu reden und langsam wurde alles zu viel.
Ohne dass mich weitere Gedanken ersticken konnten lief ich zur Umkleide um mich umzuziehen.
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Melde mich aus der Halbzeit vom Spiel gerade...
habe eine kleine Überraschung noch für euch als Ehre von Kenan's Tor... ;)))
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Ungeplantes Spiel
RomanceNach einer schwierigen Vergangenheit in Deutschland wagt Defne einen Neuanfang in Turin, wo sie kurzfristig als Managerin für den aufbrausenden, türkischen Fußballstar Kenan Yildiz einspringt. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein: Während...
