Defne's pov:
Der Morgen begann ungewohnt still. Keine scherzhaften Sprüche von Can beim Frühstück, kein hektisches Rascheln von Taktikzetteln – nur gespannte Gesichter und das unterschwellige Prickeln, das in der Luft lag wie elektrischer Nebel. Heute ging es um alles.
Kenan saß zwei Plätze neben mir, die Ellbogen auf den Tisch gestützt, den Blick auf seine Teetasse gerichtet. Er sah ruhig aus. Fast stoisch. Doch ich kannte ihn zu gut. Seine Finger klopften leicht im Takt seines Herzschlags auf die Tischplatte. Das tat er immer, wenn er innerlich vibrierte.
Ich stupste ihn an. Er drehte leicht den Kopf zu mir, die Lippen zu einem winzigen Lächeln verzogen.
„Weißt du, was du heute bist?", flüsterte ich, nur für ihn hörbar.
„Was denn?"
„Unaufhaltsam", sagte ich. „Und wenn du da draußen auf dem Rasen stehst, dann will ich, dass du genau daran denkst. Du bist Kenan. Du bist nicht nur vorbereitet – du bist geboren für solche Tage."
Er sah mich an. Für einen Moment war da nichts außer dieser Blick. Er legte seine Hand auf meinen Oberschenkel, unter dem Tisch, fast unbemerkt. Der Druck war warm. Beruhigend.
„Wenn ich heute treffe", sagte er leise, „bist du schuld. Du und dieser Satz."
Ich lachte. „Dann hoffe ich, du triffst mindestens zweimal."
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Die Fahrt mit dem Mannschaftsbus war begleitet vom gleichmäßigen Summen der Gespräche, den Beats aus den Kopfhörern der Spieler, dem Rauschen der eigenen Gedanken. Ich saß in einer Ecke, Tablet auf dem Schoß, und beobachtete Kenan aus der Reflexion des Fensters.
Er hatte die Augen geschlossen, die Stirn an das kühle Glas gelehnt. Neben ihm lag ein zerknitterter Zettel – seine eigene Notiz. Ich wusste, was draufstand: die Visualisierung. Laufwege, Taktiken, Standards.
Er spürte meinen Blick und öffnete die Augen einen Spalt. Als sich unsere Augen trafen, blinzelte er, ein stummes „Ich hab dich gesehen" in seinem Blick, dann schloss er sie wieder.
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Das Stadion kochte. Türkische Flaggen wehten wie Feuer über den Tribünen. Ein Meer aus Rot, durchbrochen vom Weiß der Sterne. Ich stand mit dem Staff an der Seitenlinie, Herz in der Kehle.
Anpfiff.
Die Türkei startete aggressiv. Kenan – wie entfesselt. Er setzte schon in den ersten zehn Minuten ein Ausrufezeichen: energisches Pressing, ein wuchtiger Kopfball, der knapp am Pfosten vorbeirauschte.
Dann kam es: 52. Minute, ein Pass von İsmail Yüksek, perfekt getimed. Hakan Çalhanoğlu nahm den Ball an und zimmerte ihn aus 16 Metern ins lange Eck.
1:0.
Ich riss die Arme hoch. Mein Körper vibrierte. Und da – Kenan rannte zur Seitenlinie, formte die Hände zu einem Herz und deutete damit direkt auf mich.
Später, in der 66. Minute, glich Tschechien aus. Tomáš Souček traf zum 1:1. Die Spannung war greifbar.
Nachspielzeit. Ein Konter, eingeleitet von Orkun Kökçü. Cenk Tosun nahm den Ball auf und traf in der 90.+4 Minute zum 2:1.
Abpfiff.
Jubel. Tränen. Umarmungen.
Kenan fiel auf die Knie, den Kopf in den Nacken gelegt. Dann stand er auf, rannte zu den Fans – aber sein Blick blieb an mir hängen. Ich hob die Hand. Er zwinkerte.
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Die Kabine war laut, aber elektrisiert. Wasserflaschen flogen, laute Musik dröhnte, Stimmen überlagerten sich. Ich stand an der Tür, als Kenan zu mir kam – Schweiß auf der Stirn, das Trikot halb ausgezogen, sein Blick noch ganz Adrenalin.
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Ungeplantes Spiel
Storie d'AmoreNach einer schwierigen Vergangenheit in Deutschland wagt Defne einen Neuanfang in Turin, wo sie kurzfristig als Managerin für den aufbrausenden, türkischen Fußballstar Kenan Yildiz einspringt. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein: Während...
