Kapitel 46

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Defne's pov:

„Du schuldest mir nichts", sagte er rau. „Aber ich will dich verstehen."

Ich presste die Lippen zusammen, zwang mich, ihm standzuhalten.
Dann begannen die Worte zu fließen, zögernd, aber ehrlich.

Ich hatte keine Chance, mich zu verstecken.
Kenans Blick ruhte so schwer auf mir, dass es sich anfühlte, als würde er jede Fassade von mir abstreifen.
Es war kein Vorwurf darin. Nur dieses ruhige, unnachgiebige Warten.

Ich schloss die Augen, atmete tief durch – und ließ zu, dass die Worte kamen.

„Es ist schon lange her..." begann ich heiser. Meine Finger krallten sich in den Stoff meiner Hose. „Mein Vater hat uns verlassen, als ich noch ein Kind war. Er hat... einfach die Tür zugemacht und sich nie mehr umgedreht."

Kenan schwieg. Doch ich spürte, wie er einen halben Schritt näherkam. Sein Körper war so nah, dass seine Wärme mich einhüllte.
Ich zwang mich weiterzusprechen.

„Meine Mutter... sie ist daran zerbrochen. Ich hab sie jeden Tag ein bisschen mehr verschwinden sehen. Immer trauriger. Immer schwächer. Ich... ich hab mir damals geschworen, niemals so zu werden. Niemals."
Meine Stimme bebte leicht.

Ein Flüstern. Eine Berührung. Seine Hand, die sich um meine schloss, sanft aber fest.
„Defne..."

Ich schluckte schwer.

„Also hab ich angefangen, zu kämpfen. Immer zu funktionieren. Immer perfekt zu sein. Keine Schwäche zu zeigen. Und das hat auch funktioniert. Bis..."
Ich atmete zittrig aus.

„Bis Mert kam."

Kenan verhärtete sich. Ich spürte, wie sich seine Muskeln unter der Haut anspannten.

„Was hat er dir angetan?" Seine Stimme war ruhig. Zu ruhig.

Ich schüttelte den Kopf. Die Erinnerung tat weh, aber ich zwang mich, sie auszusprechen.
„Er war am Anfang perfekt. Charmant. Verständnisvoll. Ich dachte... ich dachte, er wäre anders."
Ein bitteres Lächeln zuckte über meine Lippen.

„Aber dann... er fing an, mich zu drängen. Mich zu Dingen zu drängen, zu denen ich nicht bereit war."
Meine Kehle schnürte sich zu. Ich starrte auf unsere Hände, wie sie ineinanderlagen.

„Wir haben nie mehr getan als... küssen. Aber er wollte mehr. Und wenn ich nicht wollte, hat er mich schuldig fühlen lassen. Als wäre ich falsch. Als wäre ich nicht genug."
Meine Stimme brach.

Kenan fluchte leise und zog mich mit einer schnellen, bestimmten Bewegung in seine Arme.

Ich vergrub mein Gesicht an seiner Brust, atmete seinen beruhigenden Duft ein – eine Mischung aus Waschmittel und Kenan pur – und ließ es zu, dass die Tränen kamen, die ich so lange zurückgehalten hatte.

Seine Hände glitten beruhigend über meinen Rücken.
Er hielt mich fest, fester, als würde er mich wieder zusammensetzen.

„Du bist mehr als genug, Defne", murmelte er in meine Haare. „Immer gewesen."

Ich klammerte mich an ihn, so fest, dass meine Fingerknöchel schmerzten.

Ich sah Tränen unscharf am Rand meiner Sicht aufblitzen.
Kenan hob sofort eine Hand, wischte sie mit dem Daumen sanft weg, bevor sie fallen konnten.

„Und...", meine Stimme versagte kurz, „es war nicht nur er."

Seine Augen verengten sich.

„Wer noch?" fragte er mit rauer Stimme, gefährlich ruhig.

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