Kenan's pov:
Sie schläft noch, mit dem Rücken an meiner Brust. Ihr Atem geht ruhig. Langsam hebt und senkt sich ihr Körper. Meine Hand liegt auf ihrer warmen Haut. Direkt über ihrem Bauch.
Ich bewege mich nicht.
Nicht mal ein bisschen.
Jetzt ist es nur sie.
Nur wir.
Nur dieser Moment, der sich anfühlt, als könnte er ewig sein.
Ihr Haar liegt offen auf dem Kissen. Die Haare durch die ich es liebte meine Finger zu fahren. Ein paar Strähnen über meiner Schulter.
Sie riecht nach meinem Shampoo.
Nach sich, vielleicht sogar bisschen nach meinem Zuhause.
Ich schließe die Augen, nicht um zu schlafen.
Nur, um sie noch mehr zu fühlen.
Sie hat Dinge in mir geweckt,
von denen ich dachte, ich hätte sie längst vergraben. Die Art, wie sie sich bewegt. Wie sie spricht. Wie sie lacht, wenn sie denkt, keiner hört es. Wie sie schweigt, wenn sie fühlt.
Ich weiß nicht, wann ich angefangen habe, sie zu brauchen.
Oder wann ich beschlossen habe, dass es gefährlich ist, genau das zu tun.
Aber hier liege ich.
In einem Hotelzimmer in meinem Heimatland.
Mit dem wichtigsten Spiel meines Lebens vor mir.
Und alles, woran ich denken kann, ist diese Frau in meinen Armen.
Wie weich ihre Haut ist.
Wie schmal ihre Schulter.
Wie selbstverständlich ihr Herz in meiner Nähe schlägt, als hätte es nie etwas anderes gekannt.
Ich frage mich, ob sie das weiß.
Wie sehr sie mein Leben verändert hat,
ohne es zu wollen.
Vielleicht ist es genau das, was mich verrückt macht.
Dass sie nichts davon erzwingt.
Nichts verlangt.
Und trotzdem alles besitzt.
⸻
Ich stehe vor der Tür zu Defnes Büro und beobachte sie einen Moment. Sie sitzt da, konzentriert und doch so zerbrechlich wirkend inmitten der Blätter, dem Laptop und den Telefonen. Ihre Stirn ist leicht gerunzelt, ein Zeichen dafür, dass sie sich verausgabt – nicht nur für die Arbeit, sondern auch für all die Lasten, die sie trägt.
Ich will nicht stören, aber ich will auch nicht, dass sie sich vergisst. Ich habe ihr Lieblingsgetränk dabei, einen Matcha, den ich unterwegs geholt habe. Ihr liebstes Getränk, wovon sie allzu oft schwärmt.
Leise drücke ich die Türklinke runter und lasse das Klicken hinter mir, weil ich weiß, dass sie mich sieht, bevor ich überhaupt eintrete. Sie hebt den Kopf und ihre Augen leuchten, dieses vertraute Funkeln, das mich sofort vergessen lässt, wo ich bin und was gerade wichtig ist.
„Ich hab gehört, du vergisst zu trinken, wenn du arbeitest", sage ich mit einem leichten Grinsen, während ich den Becher auf ihren Tisch stelle.
Sie lächelt zurück, diese Mischung aus Amüsement und Selbstbehauptung, die mich immer wieder fasziniert.
„Und du vergisst, dass ich hier die Chefin bin", antwortet sie, ohne mich aus den Augen zu lassen.
Ich gehe langsam auf sie zu, lasse meine Hände auf dem Tisch ruhen, links und rechts von ihr, und meine Stimme wird leiser, fast rau, wenn ich sage: „Komisch, immer wenn ich dich anschaue, denke ich an alles andere als Arbeit."
Der Blick, der zwischen uns steht, ist dicht und geladen, und ich spüre, wie sich die Luft verändert, als ich merke, dass sie den Raum beobachtet – die Glastür, halb offen, den Flur dahinter. Ich greife instinktiv nach dem Türgriff und schließe ab, das leise Klicken lässt eine neue Vertrautheit in den Raum treten, ein unausgesprochenes Versprechen, das nur wir beide verstehen.
Sie sagt leise, fast als wäre sie überrascht von meinem Mut: „Was machst du? Wenn das jemand sieht." Aber ich kann nicht anders, als ihr zu antworten: „Dann hör auf, so rumzulaufen ."
Ich neige mich zu ihr, und meine Lippen finden ihre Stirn, dann ihre Schläfe, ihren Kiefer, als wollte ich jeden einzelnen Punkt ihres Gesichts in mich aufnehmen. Ihre Augen schließen sich, und ich weiß, dass sie sich fallen lässt – auf mich, auf diesen Moment, auf das, was zwischen uns entsteht.
Ich spüre die Wärme ihrer Haut gegen meine Hände, die sie an der Taille festhalten, wie ich sie sanft aus dem Bürostuhl ziehe und näher zu mir ziehe. Mein Atem streift ihren Hals, und ich flüstere: „Du hast keine Ahnung, wie sehr ich dich will, wenn du so tust, als wärst du unnahbar."
Ihre Antwort, kaum hörbar, lässt mein Herz schneller schlagen: „Ich tu gar nichts." „Genau das", sage ich und lasse meine Lippen wieder auf ihre finden – tief, fordernd, und doch zärtlich.
Unsere Körper sprechen ihre eigene Sprache, und meine Hände verweilen in ihrem Nacken, während sie meine Lippen hält, als wolle sie mich nicht mehr loslassen. Ich höre das leichte Keuchen, spüre die Anspannung, die sich langsam löst, und ein Lachen, das zwischen uns entsteht – leise, vertraut, als wüssten wir beide, dass wir etwas Verbotenes teilen, das sich dennoch richtig anfühlt.
Als sie keuchend sagt: „Wenn jemand die Tür aufbricht, erklärst du das bitte alleine", kann ich nicht anders, als mit einem Grinsen zu antworten: „Dann sage ich einfach: Ich hatte Durst. Nach dir."
⸻
Am Nachmittag dann die Pressekonferenz.
Ich sitze vorne, mit dem Trainer.
In der ersten Reihe neben dem PR-Leiter, das iPad in der Hand ist sie, ihr Blick auf den Ablaufplan gerichtet.
Doch irgendwie ist irgend etwas anders seitdem letzten Mal, als ich ihr heute Morgen in die Augen sah und ihre weichen Lippen küsste.
Zum ersten Mal. Huschte ihr Blick an mir vorbei,
gleitet wie versehentlich über mich hinweg,
als würde sie vermeiden, mich zu treffen.
Ich blinzele.
Spüre, wie mein Brustkorb kurz enger wird.
Könnte Zufall sein.
Könnte Ablenkung sein.
Aber mein Körper weiß es besser.
Er merkt sofort, wenn sie ihn nicht mehr sieht.
Noch einmal sehe ich hin –
und sie schaut an mir vorbei,
als wäre ich nur irgendein Spieler.
Ein kurzer, kühler Wind geht durch den Raum,
obwohl draußen Sommersonne herrscht.
⸻
Nach dem offiziellen Teil folge ich einem Mitarbeiter durch den Hinterbereich.
Ich habe kein Ziel – nur das leise, unruhige Gefühl, dass etwas entgleitet, bevor ich begreife, was es ist.
Ich biege um die Ecke. Ein langer Gang. Rechts Büros. Links ein schmaler Konferenzraum.
Und dann: eine Stimme.
Diese Stimme.
Die Stimme, die mir schlaflose Nächte schenkt.
Die ich an ihrem Atem erkenne, lange bevor sie spricht.
Defne.
Sie ist hinter der angelehnten Tür.
Und ich weiß, dass ich nicht lauschen sollte.
Aber mein Herz tut es längst.
Es schlägt lauter.
Härter.
Unruhiger.
Und dann höre ich einen der Manager.
Er klingt neutral, fast beiläufig.
„Weiß Kenan schon davon?"
Stille.
Nur für einen Atemzug.
Dann ihre Antwort.
Zart.
Klar.
Fast traurig.
„Nein. Er weiß es nicht."
Es ist nur ein Satz.
Sieben Wörter.
Keine Erklärungen.
Kein Kontext.
Aber mein Magen zieht sich zusammen,
als hätte jemand darin etwas zerrissen.
Ich trete einen halben Schritt zurück. Ein leiser Schatten auf dem Boden vor mir. Mein Blick verschwimmt. Nicht vom Schmerz –
sondern von dieser seltsamen Mischung aus Ohnmacht und Erkenntnis.
Nein. Er weiß es nicht.
Ich weiß nicht, worum es geht. Aber ich weiß, dass es mich betrifft. Dass sie etwas weiß. Und es mir nicht sagt. Dass sie beschlossen hat, es zu tragen – ohne mich.
Und das ist vielleicht schlimmer,
als jede andere Wahrheit.
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Mini Cliffhanger für euch 😆
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Ungeplantes Spiel
RomanceNach einer schwierigen Vergangenheit in Deutschland wagt Defne einen Neuanfang in Turin, wo sie kurzfristig als Managerin für den aufbrausenden, türkischen Fußballstar Kenan Yildiz einspringt. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein: Während...
