Defne's pov:
Ich spürte, wie mein Magen sich verkrampfte. Alles in mir schrie danach, einfach einen Witz zu machen, das Thema abzuwiegeln, irgendeinen Vorwand zu finden, um aus der Situation zu fliehen. Aber ich wusste: Kenan war nicht irgendwer. Er war nicht der Typ, der sich von einem lockeren Spruch ablenken ließ. Nicht, wenn es um mich ging.
„Komm mit", sagte er leise.
Ohne auf meine Antwort zu warten, nahm er meine Hand – nicht grob, aber so, dass ich keine Wahl hatte.
Er führte mich durch die große Glastür zurück ins Hotel, vorbei an der Lobby, vorbei an den Gesprächen, den Blicken, bis zu meinem Büro.
Still.
Ohne ein einziges Wort.
Als die Tür hinter uns ins Schloss fiel, drehte er sich langsam zu mir um.
„Kenan, ich...", begann ich, doch meine Stimme versagte. Ich biss mir auf die Unterlippe und atmete tief ein.
Er schwieg. Wartete einfach. Und diese geduldige, stille Erwartung machte es nur noch schwerer, irgendetwas zu verstecken.
Langsam ließ ich mich wieder auf den Stuhl hinter mir sinken, das Ipad achtlos auf dem Tisch liegen, die Tasche zu meinen Füßen vergessen.
Kenan setzte sich nicht. Er blieb stehen, leicht über mich gebeugt, seine Hände in die Hosentaschen geschoben, sein Blick ruhig auf mich gerichtet.
„Ich nehme es seit... ein paar Jahren", brachte ich schließlich hervor, meine Finger spielten fahrig an meinem Armband.
„Nach... ein paar Dingen. Früher. Es hilft einfach. Meistens."
Er schwieg immer noch, sein Gesicht unbeweglich, aber ich spürte die Anspannung, die unter seiner Oberfläche brodelte. Er fragte nicht sofort weiter, drängte mich nicht. Er ließ mir den Raum, obwohl ich sah, wie schwer es ihm fiel.
„Ich wollte nicht, dass du denkst, ich bin... schwach oder kompliziert oder...", fuhr ich leise fort.
Bei diesen Worten bewegte er sich endlich. Er kniete sich vor mir hin, legte beide Hände auf meine Knie, so fest und sicher, dass ich einen Kloß im Hals bekam.
Sein Blick hob sich zu meinem, dunkel und entschlossen.
„Defne", sagte er mit einer Stimme, die keinen Zweifel zuließ. „Niemals. Hörst du? Niemals denkst du nochmal, dass das Schwäche ist."
Meine Lippen bebten. Ich nickte, unfähig, etwas zu sagen.
Er strich langsam über meine Knie, auf eine Art, die nicht körperlich fordernd war, sondern beruhigend. Wärme breitete sich in meinem ganzen Körper aus.
„Du hast das Recht, Dinge zu tragen", sagte er leise, seine Stirn runzelte sich leicht. „Vergangenheit, Schmerz, Alles. Du musst mir nichts vormachen, Defne. Ich will keine perfekte Version von dir. Ich will dich."
Etwas in mir brach bei diesen Worten auf.
Ich beugte mich leicht vor, suchte verzweifelt die Nähe, und Kenan verstand es sofort.
Er ließ seine Hände an meinen Seiten hochgleiten, zog mich an sich, so sanft, so sicher. Ich vergrub mein Gesicht an seinem Hals, atmete seine Haut ein, ließ die Welt draußen.
„Du bist so stark, Baby", murmelte er an meinem Ohr, seine Stimme warm und rau. „Stärker, als du es je selbst begreifen wirst."
Ich schloss die Augen, ließ seine Worte tief in mich einsickern.
Sein Daumen strich sanfte Kreise auf meinen Rücken, und für einen Moment existierte nur diese stille, unerschütterliche Blase um uns herum.
„Und ich bin hier", fügte er hinzu. „Scheisse, ich bin sowas von hier."
Ein Zittern lief durch meinen Körper, eine Mischung aus Erleichterung und Angst. Aber vor allem: Hoffnung.
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Ungeplantes Spiel
RomansaNach einer schwierigen Vergangenheit in Deutschland wagt Defne einen Neuanfang in Turin, wo sie kurzfristig als Managerin für den aufbrausenden, türkischen Fußballstar Kenan Yildiz einspringt. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein: Während...
