Defne's pov:
Die Stadt war laut, fremd, überwältigend.
Mailand roch nach Espresso und nach Abgasen, nach Regen auf heißem Asphalt, nach einer Mischung aus Luxus und Einsamkeit. Ich stand am Fenster meines neuen Apartments, hoch genug, um die roten Dächer zu sehen, tief genug, um die Stimmen der Straße zu hören. Und ich wusste nicht, ob ich es hasste oder brauchte.
Ich war hier, weil ich stark sein wollte.
Weil ich nach dem Bruch nicht bleiben konnte, wo jede Straßenecke, jedes Stadion, jeder Artikel mich an ihn erinnerte.
Kenan.
Es war ein stiller Bruch gewesen. Kein lauter Streit, keine Szenen. Aber das Schweigen war lauter gewesen als jedes Wort.
Und seitdem war da dieses Loch. Dieses kalte, schwarze Loch, das mit jedem Tag größer wurde, weil er nicht schrieb. Nicht anrief. Nicht kam.
Ich hatte gedacht, ich wäre vorbereitet. Ich hatte mir eingeredet, dass mein Herz abgehärtet sei. Aber die Wahrheit war: jede Nacht, wenn ich mich ins Bett legte, kam diese alte Panik zurück. Dieselbe, die ich kannte von damals. Von Mert.
Damals, als er mich verlassen hatte, so plötzlich, so brutal, dass ich geglaubt hatte, nie wieder atmen zu können. Er hatte mich klein gemacht, gebrochen, ausgehöhlt. Ich hatte Jahre gebraucht, um mich zu sammeln, um wieder zu vertrauen.
Und jetzt fühlte es sich an, als hätte Kenan denselben Abdruck in mir hinterlassen. Nicht weil er grausam gewesen war – im Gegenteil. Sondern weil er der Erste gewesen war, der mich auf eine andere Art gesehen hatte. Der Erste, der mich nicht über meine Risse definiert hatte.
Und jetzt war er weg.
Manchmal, mitten in der Nacht, wachte ich auf, mein Herz raste, meine Hände zitterten. Ich griff nach meinem Handy, wollte schreiben, wollte fragen: „Fehlst du mir auch?" Aber ich tat es nie.
Weil ich Angst hatte vor der Antwort.
Oder vor dem Schweigen danach.
—
Mailand ließ keine Zeit, sich zu verkriechen.
Die Arbeit wartete. Termine, Meetings, Trainingsbesuche. Ich war neu in der Szene, musste beweisen, dass ich mehr war als eine junge Frau mit schönen Kleidern. Ich musste zeigen, dass ich Verhandlungen führen, Verträge sichern, Spieler stärken konnte.
Und einer dieser Spieler war Rafa Leão.
Er war anders als die meisten. Nicht nur, weil er ein Star war, sondern weil er eine Leichtigkeit hatte, die man nicht spielen konnte. Er betrat einen Raum, und man fühlte sofort, dass er alles in Bewegung setzte – wie eine unsichtbare Gravitation.
Beim ersten Treffen grinste er, als wäre das Leben ein Spiel, und er wüsste, dass er es längst gewonnen hatte.
„Du bist also die Neue aus Deutschland", sagte er, seine Stimme warm, sein Blick zu direkt, fast frech. „Ich habe gehört, du bist gut. Mal sehen, ob du auch mit mir klarkommst."
Ich hatte professionell gelächelt, den Kopf geneigt, die richtigen Worte gefunden. Aber innerlich war ich unsicher. Nicht wegen seiner Karriere, sondern wegen der Art, wie er mich ansah.
Nicht wie eine Managerin.
Wie eine Frau.
In den nächsten Wochen wurde es deutlicher.
Er schickte mir Nachrichten, kleine, harmlose Dinge – ein Witz, ein Foto vom Training, ein Song, den er gerade hörte. Immer gerade so subtil, dass ich es abtun konnte. Aber nie so subtil, dass ich es übersehen konnte.
Er nannte mich „Def", als wären wir schon vertrauter, als wir waren.
Er sprach von Dingen, die nichts mit Fußball zu tun hatten.
Und manchmal, wenn er grinste, spürte ich, dass er wusste, dass er Grenzen überschritt.
Aber ich konnte nicht.
Nicht jetzt.
DU LIEST GERADE
Ungeplantes Spiel
RomanceNach einer schwierigen Vergangenheit in Deutschland wagt Defne einen Neuanfang in Turin, wo sie kurzfristig als Managerin für den aufbrausenden, türkischen Fußballstar Kenan Yildiz einspringt. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein: Während...
