Kapitel 38

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Defne's pov;

Die Tür zur Umkleide stand einen Spalt offen. Die Stille, die aus dem Raum drang, fühlte sich drückend an, fast erstickend. Ich zögerte, meine Hand auf dem kalten Metallgriff. In meinem Kopf hallten die Worte der Trainer wider, die ich gerade belauscht hatte: „Er ist nicht bei der Sache."

„Sein Kopf ist woanders." Sie hatten Recht, und ich wusste genau, warum.

Es war meine Schuld. Unsere Schuld.

Seit Tagen war alles zwischen Kenan und mir angespannt. Die Schlagzeilen hatten alles verändert. Unser eigentlich so sorgsam gehütetes Geheimnis war auf die schlimmste Art und Weise enthüllt worden, und die Konsequenzen lasteten schwer auf uns beiden. Aber besonders auf ihm.

Ich atmete tief durch, bevor ich die Tür leise aufschob und eintrat. Der Geruch von Schweiß und Leder hing in der Luft, die Bänke und Spinde waren leer. Alle anderen Spieler hatten sich längst auf den Heimweg gemacht. Doch Kenan war noch hier.

Er saß auf dem Boden, den Oberkörper entblößt, den Kopf in die Hände gestützt. Seine Schultern hoben und senkten sich unregelmäßig, und sein Atem ging flach, fast keuchend.

„Kenan?" Meine Stimme war leise, unsicher.

Er zuckte zusammen und sah auf. Seine grünen Augen, die normalerweise so intensiv und lebendig waren, wirkten matt und müde. Für einen Moment dachte ich, er würde etwas sagen, aber stattdessen wandte er den Blick wieder ab und rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht.

„Was willst du hier, Defne?" Seine Stimme klang rau, fast abweisend.

Ich ignorierte den abwehrenden Ton und trat näher. „Ich habe gehört, was die Trainer gesagt haben. Sie machen sich Sorgen um dich."

Er lachte bitter. „Natürlich tun sie das. Es geht ja schließlich um ihren goldenen Spieler, nicht um den Menschen dahinter."

„Das ist nicht fair, Kenan." Ich verschränkte die Arme vor der Brust, um meine aufkeimende Nervosität zu verbergen. „Sie machen sich wirklich Sorgen. Und ich auch."

Er hob den Kopf und sah mich an. Seine Augen funkelten vor unterdrückter Wut. „Wirklich? Du machst dir Sorgen? Dann hättest du vielleicht daran denken sollen, bevor du..." Er unterbrach sich, biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf.

Ich spürte, wie mir die Kehle zuschnürte. „Bevor ich was? Bevor ich in deinem Leben aufgetaucht bin? Bevor ich dir zugestanden habe, dass ich auch Fehler mache?"

Er sprang von der Bank auf, seine Bewegungen hektisch und unkontrolliert. „Nein, Defne. Bevor du zugelassen hast, dass alles auseinanderbricht! Schau dir an, was diese Schlagzeilen angerichtet haben. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Ich bin eine einzige Katastrophe auf dem Platz, und jetzt denken die Trainer, dass ich nicht mal den Kopf für die EM habe!"

Seine Worte schnitten tief, aber ich ließ mir nichts anmerken. Stattdessen hob ich das Kinn, meine Stimme wurde härter. „Du tust so, als wäre ich allein daran schuld. Aber das bin ich nicht, Kenan. Wir beide haben zugelassen, dass es so weit kommt."

Er atmete schwer, seine Hände ballten sich zu Fäusten. Für einen Moment herrschte nur drückende Stille, die Spannung zwischen uns war beinahe greifbar.

„Ich hätte dich nie in mein Leben lassen sollen", murmelte er schließlich, seine Stimme brüchig.

Die Worte trafen mich wie ein Schlag. Ich schluckte schwer, kämpfte gegen die Tränen an, die sich in meinen Augen sammelten. „Dann sag es, Kenan. Sag, dass ich gehen soll, und ich gehe."

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