Defne's pov:
Ich starrte noch immer auf die geschlossene Tür.
Meine Hände zitterten, als wäre das eben kein Stadion-Flur gewesen, sondern ein Sturm mitten im Meer. Das Adrenalin brannte mir unter der Haut.
Er will vor Monaten Schluss, und jetzt schlägt er...?
Der Gedanke fuhr mir wieder und wieder durch den Kopf. Ich konnte es nicht ordnen. Ich war wütend, ja – auf ihn, auf Rafa, auf diese ganze groteske Szene.
Aber darunter lag etwas, das schlimmer war: diese unzerstörbare, irrationale Sehnsucht, die mir seit Wochen Mailand schwermachte.
Ich sammelte die Unterlagen ein, zwang meine Hände zur Ruhe, verließ den Presseraum. Jeder Schritt zum Wagen war mechanisch. Die Gänge leer, nur noch die Putzleute. Meine Kehle eng, mein Herz stolperte.
Als ich endlich im Hotelflur stand, riss ich die Schuhe von den Füßen, ließ mich auf die Bettkante fallen und starrte ins Dunkel.
Warum jetzt?
Warum dieser Ausbruch?
Warum nicht einfach weitermachen, so wie wir beschlossen hatten – getrennt, vernünftig, professionell?
Ich legte mich aufs Bett, das Kissen roch nach fremdem Waschmittel. Ich zog die Knie an, presste die Stirn in den Stoff. Schlaf fand mich nicht.
—
Ein Klopfen.
Dumpf, insistierend, gegen die Hoteltür. Ich sah auf die Uhr – kurz nach Mitternacht.
„Defne?"
Seine Stimme. Heiser. Ungleichmäßig.
Mir fuhr ein Schauer durch den Körper. Ich stand auf, barfuß, ging zur Tür. Zögerte. Öffnete schließlich.
Kenan stand da, wie immer in einer seiner schwarzen Tracksuits, Verband am Knöchel, in der einen Hand ein zerdrückter Strauß dunkelroter Rosen, als hätte er sie im Auto halb zerquetscht. Sein Blick – wirr, sauer, aufgerissen.
„Wir müssen reden," presste er hervor.
Ich trat einen Schritt zurück, ließ ihn herein. Die Tür fiel ins Schloss, und für einen Moment war nur das Rauschen unserer Atemzüge im Raum.
„Defne, es... es tut mir leid," begann er, die Blumen wie ein Schutzschild vor sich haltend. „Ich weiß nicht, was mich—"
„Was dich geritten hat?" Meine Stimme war zu scharf, um ruhig zu klingen. „Du schlägst ihn, Kenan! Vor ein paar Monaten wolltest du gehen, hast mich in Stücke fallen lassen – und heute fällst du hier ein, als wären wir mitten in irgendeinem Drama?"
Sein Blick flackerte. „Ich konnte nicht... er hat dich angefasst. Ich hab gesehen... ich—"
„Du hast nichts gesehen außer deinen eigenen Dämonen!" Ich spürte, wie mein Herz raste, wie meine Finger sich in den Stoff meines Pullovers krallten.
„Du kannst nicht immer auftauchen, wenn's dir passt, und mein Leben umstürzen! „Ich bin kein Besitz!" schrie ich, meine Kehle brannte. Ich bin nicht dein Ventil für jedes verdammte Gefühl, das du nicht kontrollieren kannst!"
Er war schon drei Schritte auf mich zugekommen, die Blumen achtlos auf den Tisch gelegt. „Du denkst, ich will das? Dass ich irgendwem wehtun will? Ich... ich verliere mich ohne dich, Defne."
„Und mit mir verlierst du dich genauso!" Meine Stimme brach, fast ein Schrei. „Wir tun uns weh, jedes Mal, egal wie sehr wir es versuchen. „Du hast mich längst verloren, als du damals die Tür zugemacht hast."
Ich setzte erneut an. „Ich hab wochenlang versucht, den Boden unter meinen Füßen zu finden. Und jetzt... jetzt tauchst du hier auf mit Blumen, als würden die alles gut machen."
Er schloss die Augen, atmete hart, und dann – brach es aus ihm heraus, roh, unbeholfen: „Ich liebe dich. Ich kann's nicht lassen. Ich hab alles probiert – Training, Reisen, Nächte ohne Schlaf – und dann seh ich Rafa bei dir und—"
„Liebe ist kein Freifahrtschein für Gewalt, Kenan!" Ich hörte meine eigenen Worte wie von fern, meine Brust zog sich zusammen.
Er stand plötzlich still, die Hände im Haar, als würde er sich selbst auseinanderreißen. „Ich weiß, verdammt. Ich weiß." Seine Stimme wurde leiser, heiser. „Aber wenn ich dich sehe... jeder Atemzug ohne dich ist—"
Er brach ab, sein Kiefer bebte, und bevor ich verstand, was passierte, sackte er gegen mich. Seine Stirn an meiner Schulter, der Atem stoßweise. „Es tut mir leid," murmelte er, fast ein Schluchzen. „Es tut mir so leid..."
Ich legte instinktiv die Arme um ihn. Er bebte, vergrub sein Gesicht in meinem Hals. Ich spürte seine Tränen, heiß und unaufhaltsam, und meine Hände zitterten, als ich ihm durch die Haare fuhr.
„Kenan..." flüsterte ich. „Wir können so nicht weitermachen."
„Ich weiß." Er hob den Kopf, seine Augen rot, nackt vor Schmerz. „Aber ich kann auch nicht ohne dich."
„Ich auch nicht." Es war die bitterste Wahrheit, die ich kannte. „Wir zerbrechen uns gegenseitig und finden doch immer zurück."
Er schloss die Augen, atmete gegen meine Haut. Wir standen so, minutenlang, ein Knäuel aus Schuld, Liebe, Zorn und diesem unaussprechlichen Band, das uns fesselte.
Wir wussten beide, dass wir keine Lösung gefunden hatten. Nur den Beweis, dass Trennung uns genauso zerstörte wie Nähe.
Und trotzdem hielt ich ihn fester, während seine Tränen an meinem Hals versickerten.
Vielleicht war das alles, was wir konnten: uns umarmen, mitten im Chaos, unfähig, mit oder ohne einander heil zu sein.
Irgendwie landeten wir auf dem Bett und innerhalb von Minuten wurde sein Atem langsamer, tiefer. Er war eingeschlafen – halb auf mir, ein Bein quer über meinen Oberschenkel, seine Stirn an meinem Schlüsselbein. Die Welt draußen rauschte, aber er hörte sie nicht mehr.
Ich zog die Beine an, drehte mich halb zu ihm, bis er schräg auf mir lag. Er atmete flach, zittrig, und griff instinktiv nach meiner Taille, als müsse er sich irgendwo festhalten
. Ich streichelte über seinen Nacken, dann in die kurzen, noch feuchten Haare, strich Kreise, bis seine Schultern nach und nach weicher wurden.
Sein Körper schmolz in meinen, jeder Muskel gab nach, und schließlich fiel er – erschöpft, ausgebrannt – in einen unruhigen Schlaf, der sich wie ein Zittern in meine Haut legte. Sein Arm blieb über meiner Hüfte, als wäre er sicher, ich könnte sonst verschwinden.
Ich sah auf die Linien seines Gesichts, halb im Schatten der Straßenlaterne, halb im goldenen Rest des Hotellichts.
Der Kenan, den die Welt kannte – Kapitän, Kämpfer, eiserne Ruhe – war hier nur ein Junge, der vor seinen eigenen Dämonen Schutz suchte.
Meine Finger glitten weiter durch sein Haar, sanfte Striche, so leise, dass nur wir sie kannten. In meinem Kopf liefen Sätze wie Endlosschleifen: Wir können nicht. Wir können nicht. Und trotzdem...
Die Erinnerung an unsere Trennung stach. Nächte, in denen ich in Mailand gegen meine Vergangenheit kämpfte, um überhaupt aus dem Bett zu kommen.
Alles, was ich mir mühsam aufgebaut hatte, lag plötzlich wieder da – seine Wärme, sein Duft, der Klang seines Atems.
Was machte er mit mir?
Warum brannte alles so schön und so falsch zugleich?
Er seufzte schwer im Schlaf, murmelte meinen Namen, fast unhörbar. Ich schloss die Augen, ließ meine Hand noch einmal über seinen Wirbel gleiten. Der Lärm des Abends verblasste, aber mein Herz blieb ein Sturm aus Sehnsucht und Furcht.
Wir lagen so, verschlungen und doch verloren, während draußen die Lichter Turins leichteten.
Zwischen uns das Wissen: Wir konnten nicht zusammen
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bin richtig stolz auf dieses kapitel 🤓
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Ungeplantes Spiel
RomanceNach einer schwierigen Vergangenheit in Deutschland wagt Defne einen Neuanfang in Turin, wo sie kurzfristig als Managerin für den aufbrausenden, türkischen Fußballstar Kenan Yildiz einspringt. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein: Während...
