Kapitel 50

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Kenan's Pov:

„...Nein. Er weiss es noch nicht."

Diese Worte saßen mir wie ein Splitter unter der Haut.

Ich blieb stehen. Für einen Moment regte sich nichts in mir. Kein Gedanke, kein Gefühl. Nur das Echo ihrer Stimme in meinem Kopf. Sanft. Fast bedauernd.

Ich wusste nicht, worüber sie gesprochen hatte. Ich wusste nicht, mit wem. Und trotzdem brannte sich dieser eine Satz tiefer in mich hinein als alles, was ich in den letzten Monaten gehört hatte.

Er weiss es noch nicht.

Ich lehnte mich gegen die kalte Wand des Flurs. Hinter der Tür, aus der ihre Stimme gekommen war, herrschte jetzt Stille. Kein weiteres Wort, keine Bewegung.

Nur mein Puls, der sich beschleunigte.

Und der fade Geschmack der Ungewissheit, der plötzlich alles Bittere in sich trug.

Ich fand den Weg zurück in mein Zimmer, ohne bewusst zu wissen, wie. Mein Körper bewegte sich mechanisch, als würde er noch immer auf dem Platz stehen, nur mit einem anderen Gegner: meinen Gedanken.

Die Tür fiel hinter mir ins Schloss. Ich stand da, in der Mitte des Raumes, und sah auf den Tisch, auf dem noch ihr Lipgloss lag.

Rosa. Dieser schmeckte nach Zuckerwatte. Das wusste ich von den etlichen Malen, bei denen sie mich mit diesem Lipgloss drauf geküsst hatte.

Wie oft hatte sie ihn heute aufgetragen, ohne darüber nachzudenken. Wie oft hatte ich ihn gesehen – auf ihrem Schoß, neben mir im Auto, auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch in ihrem Büro.

Und jetzt wirkte er, als gehörte er schon nicht mehr hierher.

Ich setzte mich aufs Bett, ließ die Hände zwischen die Knie sinken. Mein Rücken war gebeugt, der Nacken schwer.

Ich hätte sie konfrontieren können. Jetzt. Sofort. Aber ich tat es nicht.

Denn ein Teil von mir wollte gar nicht wissen, was sie gemeint hatte.
Denn wenn ich es wusste – war es vielleicht nicht mehr rückgängig zu machen.

So sah ich sie am Abend wieder. Sie betrat den Speisesaal mit einem Tablet in der Hand, blätterte sich durch Unterlagen, lächelte kurz einem Kollegen zu. Sie trug einen schlichten, weißen Body der ihre sich an ihre traumhaften Hüften geschmiegt hatte. Ihre Haare lose wie immer, mit einem frischen Blowout. Sie sah wunderschön aus. Wie immer.

Für jeden anderen sah sie aus wie immer.
Für mich auch.
Fast.

Denn ich erkannte den feinen Schatten in ihrem Blick, als sie mich sah.

Nur einen Bruchteil zu lang dauerte es, bis sie den Kopf zur Seite neigte. Ihre Lippen formten ein Lächeln, aber es erreichte ihre Augen nicht ganz.

Sie kam zu mir. Setzte sich. Legte das Tablet beiseite.

„Du warst heute verschwunden", sagte sie.
„Hab trainiert."
„Länger als sonst."
Ich nickte. „Musste den Kopf freikriegen."

Sie schwieg. Und ich sah es: Sie wollte mehr fragen. Wollte ansetzen. Doch sie tat es nicht. Stattdessen nahm sie ein Glas Wasser und drehte es in den Händen.

Wir redeten über belanglose Dinge. Über das Catering. Den neuen Physio. Den TV-Kommentator, der mich „unauffällig effizient" genannt hatte.

Aber wir redeten nicht über das, was wirklich zwischen uns stand.

Später, in der Nacht, hörte ich, wie sie aufstand, als ich schon längst im Bett lag. Ich drehte mich nicht um. Tat so, als würde ich schlafen.

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