Im laufe der nächsten halben Stunde lauschte ich den Gesprächen der anderen. Adam unterhielt sich derweil mit Tante Helen, die ihn wie jedes Jahr ganz schön unter die Lupe nahm. Sie löcherte ihn mit Fragen und hin und wieder warf ich ein mürrisches „das kannst du doch nicht fragen!" oder „Tante, das ist privat!" ein.
Adam tat es lediglich mit einem Lachen ab und antwortete ihr dennoch.
Helen klebte förmlich an seinen Lippen. Ich konnte es ihr aber nicht verübeln, denn Adam war charmant wie eh und je.
Mit einem Blick zu meiner rechten bemerkte ich, dass Mary noch nicht wieder zurück war.
Sie hatte nur etwas Konfetti im Oberteil und keinen Weinfleck. Wieso also brauchte sie so lang?
Ich tippte meinen Freund an den Arm „ich sehe mal nach Mary".
Er nickte und wandte sich wieder meiner Tante zu, die wie ein Wasserfall redete.
Ich stand auf, schob meinen Stuhl an und machte mich auf den Weg nach oben.
Mary müsste eigentlich ins Badezimmer oder in mein Zimmer gegangen sein. Normaler Weise hätte sie das Oberteil einfach ausziehen und ausschütten müssen.
Zu erst schaute ich in meinem Zimmer nach. Dort war sie aber nicht.
Danach lief ich zum Badezimmer und klopfte an die Tür.
„Einen Moment" kam es von der anderen Seite. Ich verzog zunächst die Augenbrauen. Was dauert so lang?
„Mary ich komme rein" sagte ich kühl und öffnete die Tür.
Mary stand vor dem Spiegel und fischte Konfetti aus ihren Haaren.
Marco war hier und zupfte an seinem Shirt rum.
Beide sahen irgendwie gestresst aus.
Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit.
War alles ganz harmlos oder hatte ich die beiden bei etwas gestört?
„Ist alles okay?" fragte ich skeptisch und begutachtete die Szenerie vor mir.
„Klar, er hat sich entschuldigt" antwortete Mary sachlich und versuchte verzweifelt einen bunten Papierschnipsel aus ihren Haaren zu ziehen.
Ich wollte gerade auf sie zugehen und ihr helfen, da kam Marco mir zuvor.
Bis gerade saß er noch auf dem Rand der Badewanne. Er stand auf, trat von hinten an Mary heran und zog den Schnipsel heraus.
Direkt danach wandte er sich an und lief an mir vorbei.
Ich fühlte mich fehl am Platz. So als hätte ich ihre Privatsphäre gestört.
Hatte ich das denn?
Ich beäugte meine beste Freundin „was war hier los?"
Marys Kopf schoss in meine Richtung „nichts, wieso?"
Sie schenkte mir ein Lächeln und band sich schließlich die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen.
„Du kannst es mir sagen" erklärte ich knapp und verschränkte die Arme vor der Brust.
Wenn sie etwas mit meinem Bruder am laufen hatte, war dies ihre Chance es zu sagen.
„Was soll ich dir sagen Ari?" stammelte sie und versuchte dabei unbeeindruckt auszusehen.
„Was läuft da zwischen euch?" fragte ich sie direkt. Von sich aus würde sie es mir offenbar nicht erzählen.
Sie machte große Augen „mir und Marco?"
Ich nickte nur.
Sie fing an zu lachen aber meiner Meinung nach klang es fast schon verzweifelt.
„Oh Gott, überhaupt nichts. Ich bin mit Diana zusammen" erklärte sie.
Gerade als ich weiter darauf eingehen wollte, wurden wir gerufen.
„Sie warten schon auf uns, komm" sagte Mary, hakte sich in meinen Arm ein und ging mit mir nach unten.
Marco sah flüchtig zu uns auf aber senkte schnell wieder den Blick als er meinem begegnete.
Verdächtig.
Wir setzten uns wieder zu den anderen.
In der Zeit stellte meine Mum ihren selbst gemachten Nachtisch auf den Tisch.
Erdbeerdessert im Glas.
***************
Die Gäste waren mittlerweile gegangen, bis auf Mary und Adam.
Meine beste Freundin und der beste Freund meines Bruders.
Was wäre es für eine Ironie des Schicksals, wenn die beiden...
Ich schüttelte schnell den Gedanken bei Seite. So lange ich keine eindeutige Bestätigung dafür hatte, war da auch nichts.
Meine Mum lag schon im Bett, oft geht sie früher ins Bett und liest noch bis sie müde wird. Wir vier saßen mittlerweile in unserem Partykeller und spielten Karten und tranken ein wenig.
Es war schön, dass Mary und Marco über Adam und mich Bescheid wussten, deswegen mussten wir unter uns nicht aufpassen.
Adam legte lässig seinen Arm über meine Schultern.
Ich blickte ihn misstrauisch von der Seite an und zog mich zurück.
„Hey hör auf in meine Karten zu gucken" sagte ich lachend.
„Ich frag mich nur wieso du so gut bist" sagte er breit grinsend und nahm seinen Arm zurück zu sich.
Mary beobachtete uns schweigend.
„Du bist dran" sagte Marco entspannt und tippte Mary an der Seite an.
„Oh" entkam es ihr und sie legte ihre Karte rasch auf den Stapel.
Nach ein paar weiteren Minuten, gewann ich die Partie.
Adam verteilte ein paar Shots und wir stießen wieder auf Marcos Geburtstag an.
Zwei Stunden und einige Drinks später spielten wir „Mensch ärgere dich nicht". Marco hatte seine Figuren zu erst im Ziel und lehnte sich lässig in seinem Stuhl zurück.
Er saß neben Mary, die nach vorne gelehnt am Tisch saß und und sich darüber ärgerte, dass ich ihre Figur schlug.
Immer wieder erwischte ich ihn dabei, wie er sie seelenruhig beobachtete und selbst ein Lächeln auf seinen Lippen lag.
Immer mehr Indizien sprachen dafür, dass zwischen den beiden mehr war als sie behaupteten.
„Ich hole noch ein paar Snacks von oben, hilfst du mir Adam?" sagte ich und stand dabei auf.
Adam nickte und kam mit mir.
„Hast du das auch bemerkt?" fragte ich ihn leise als wir uns von den anderen entfernten.
„Was meinst du?"
„Mary und Marco...da läuft doch was" murmelte ich.
In der Küche angekommen, holte ich ein paar Süßigkeiten aus den Schränken.
„Ich weiß nicht, hab nicht darauf geachtet" sagte Adam und klemmte sich eine Flasche Wasser unter den Arm.
War ja klar, dass es nur mir auffallen würde.
„Er lächelt sie die ganze Zeit an und vorhin...Ich glaube ich bin da in etwas hineingeplatzt" erklärte ich motiviert.
„Es ist vielleicht nur ungewohnt weil sie sich sonst ankeifen. Interpretier da nicht zu viel hinein" erklärte Adam.
Für die Aussage erntete er nur ein böses Funkeln.
Wir gingen leise wieder hinunter und fanden die beiden lachend auf dem Sofa vor.
Ich warf Adam einen seitlichem Blicken zu um ihm zu signalisieren, dass es definitiv anders war als sonst.
Er tat es mit gleich, was mich zum Lächeln brachte.
„Hey wir haben das Spiel weggeräumt und ich habe Marco gerade gesagt dass ich schon ganz schön müde bin" sagte Mary und sah uns an.
Wie stellten die Sachen auf dem Tisch ab. Die hatten wir also umsonst besorgt.
„Okay, sollen wir dann ins Bett gehen?" fragte ich Mary. Sie übernachtete heute bei uns und obwohl ich nicht müde war, würde ich sie nicht allein lassen.
Sie winkte aber ab „nein nein, du kannst ruhig noch mit den Jungs hier bleiben. Mach dir keine Umstände. Ich schlafe eh sofort ein sobald ich das Bett berühre".
Mary stand auf und verabschiedete sich ehe sie nach oben verschwand.
Adam und ich setzten uns zu Marco.
„Ist alles okay bei euch?" fragte Adam ihn. Ich war überrascht dass er es ansprach.
„Ja wieso?" antwortete Marco gelassen.
Adam lehnte sich lässig im Sofa zurück und zog mich näher an seine Seite.
„Weiß nicht. Ihr habt euch noch nicht die Köpfe abgerissen" erklärte er.
Marco lachte leicht „ich bin immer noch kein Fan von ihr aber sie ist in Ordnung. Heute hat sie weniger genervt als sonst. Ich denke weil ich Geburtstag habe".
Adam und ich tauschten vielsagende Blicke aus.
„Wie du meinst" nuschelte ich und kuschelte mich in Adams Arme.
„Okay ich gehe dann auch mal schlafen" sagte Marco und schwang sich aus der Couch hoch.
„Gute Nacht" sagten wir gleichzeitig und dann war auch er verschwunden.
„Endlich sind alle weg" sagte Adam leise und drückte mich enger an sich.
Ich blickte zu ihm hoch „wie geht's dir eigentlich? Alles wieder verheilt?"
Ich tippte auf die Stellen an denen er noch blaue Flecken hatte.
Er grinste „alle so gut wie verheilt".
Wenn er mich so ansah, konnte ich dahin schmelzen.
Adam legte seine Hand an meine Wange und streichelte sie. Ich schloss meine Augen und genoss diesen Moment.
Er beugte sich zu mir hinunter und küsste meine Stirn.
Wir redeten noch ein wenig, bis auch ich langsam müde wurde.
„Wollen wir hoch gehen?" fragte er mich ruhig.
„Gerne" nuschelte ich fast schon. Seine warme Umarmung machte mich schläfrig.
„Schade dass du nicht bei mir schlafen kannst" sagte ich während wir uns auf den Weg machten.
„Nur deine Mutter weiß es noch nicht. Vielleicht sollten wir sie morgen einweihen?"
Ich riss die Augen auf und war gefühlt wieder hellwach. „Nein sie wird mich damit nur aufziehen und außerdem arbeitest du an meiner Schule. Sie wird das nicht gutheißen."
Er hob abwehrend die Hände „Okay dann nicht."
Er brachte mich bis zu meiner Schlafzimmertür und gab mir einen letzten Kuss ehe er wieder nach unten ging und sich vermutlich wieder auf die Couch legte.
Ich zog mich leise um und legte mich neben Mary in mein Bett.
Sie sah so friedlich aus und ein kleiner Teil in mir hoffte, dass sie uns Marco sich wirklich näher waren als sonst. Auf der anderen Seite, hatte sie Diana und ich hoffte, dass sie ehrlich zu ihr war.
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My Brothers best Friend
Romans„ist dir bewusst, dass dir alle Männer hinter her gaffen? Wie heiß du aussiehst?" flüsterte er Ariana ins Ohr während er ihr die Zigarette aus der Hand nahm um selbst einen Zug davon zu nehmen. 🌶️
