Unsichtbare Fäden

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ARIANA POV

Der Flur wirkte enger als sonst.
Vielleicht lag es an den Blicken, die mich wie kleine Nadeln streiften, immer dann, wenn ich dachte, gerade keinen zu bemerken.
Manche schauten neugierig, andere abschätzend, manche tuschelten hinter vorgehaltenen Büchern, manche ganz offen.
Das Gerücht lebte also noch...natürlich tat es das.

Ich zog die Schultern etwas hoch, hielt meinen Blick geradeaus und tat so, als würde mich keiner interessieren.
Innen drin fühlte es sich an, als hätte ich Watte im Brustkorb.

Ich sollte Diana finden...oder eher: Ich wollte ihr aus dem Weg gehen.
Die Wahrheit lag irgendwo zwischen beidem. Ich konnte ihr schlecht in die Augen sehen, so lange Mary nicht mit offenen Karten gespielt hatte. Es war nicht meine Geschichte, die ich erzählen durfte...Aber ich hatte Angst, dass sie trotzdem glaube, ich hätte etwas verheimlicht.
Oder noch schlimmer: dass sie mich für eine schlechte Freundin hielt.

Doch es war fast so, als hätte Diana dieselbe Idee gehabt wie ich. Wir liefen uns ständig knapp nicht über den Weg.
Ich sah sie am Ende des Flures, wie sie in einem Klassenraum abbog und als ich dort ankam, war sie verschwunden.
Ein anderes Mal kam sie aus der Mädchentoilette, sah mich kurz, viel zu kurz, und drückte sich mit einem schnellen „hi" vorbei.

Vielleicht wusste sie mehr,a las ich dachte. Vielleicht ahnte sie etwas.
Oder vielleicht tat es einfach weh, Mary nicht greifen zu können.

Ich seufzte und schob die Gedanken weg.

Gerade als ich meinen Spind schloss, spürte ich einen Blick.
Einen bestimmten.
Ein warmes kribbeln zog mir über den Rücken, bevor ich ihn überhaupt sah.

Mein Herz verriet ihn schneller als meine Augen.

Adam.

Er stand einige Meter weiter den Flur hinunter, unterhielt sich mit einem Kollegen — zum Schein —, aber seine Augen lagen auf mir. Ruhig, kontrolliert...Aber ich konnte darin lesen.
Diese Art von Blick, die eigentlich eine Umarmung sein wollte.

Er hob kaum merklich eine Braue, so ein alles okay? - Signal, das wir inzwischen fast wortlos verstanden.
Ich nickte minimal.

Er entspannte seine Schultern nur ein bisschen, aber ich bemerkte es.
Andere sahen nur einen Lehrer, der eine Runde Aufsicht lief.
Ich sah Adam.
Meinen Freund.
Ein Wort, das sich immer noch verboten und richtig zugleich anfühlte.

Ich wollte hingehen. Ich wollte ihm sagen, wie sehr ich ihn vermisste hatte, obwohl er uns gestern erst noch gesehen hatten.
Ich wollte seine Hand nehmen, und gleichzeitig wusste ich, dass ich nicht mal zu lange in seine Richtung sehen durfte.

Sein Blick wanderte weiter, als Mr. Collins irgendwas von ihm wollte.
Professionell. Neutral.
Wie wir es besprochen hatten.

Meine Brust wurde eng.
Wir waren zusammen.
Aber niemand durfte es sehen.

Ich wandte mich ab und ging Richtung Klassenraum.
Sein Blick brannte noch immer auf meiner Haut und hinterließ dieses leise, sehnsüchtige Ziehen, das ich nur von ihm kannte.
Bitte, sagte ich in Gedanken, lass heute einfach ruhig bleiben.

Ich konnte nur hoffen, dass Mary und Marco ihre Sache endlich klärten. Dass Mary ehrlich mit Diana war.
Dass Diana nicht in all das hineingezogen wurde und glaubte, ich hätte sie hintergangen.
Sie war eine gute Freundin. Eine loyale vor allem.

Sie würde niemals etwas weitertragen, was mich zerstören könnte..oder Adam.
So schätze ich sie jedenfalls nicht ein.

Aber seit gestern wusste ich auch:
Manchmal steckt man in Geschichten, für die man selbst nicht bereit ist.

My Brothers best Friend Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt