ARIANA POV
Die Mittagssonne stand hoch, die Vögel zwitscherten, leichte Spuren von Wolken zogen am sonst so klaren Himmel an uns vorbei. Alles wirkte friedlich. Ruhig. Im Einklang. Nur wir nicht.
Adam war die Woche kaum wirklich da gewesen. Wenn er nicht beim Jugendamt anrief, war er im Fitnessstudio.
„Kopf frei bekommen", hatte er gesagt.
Frust abbauen.
Und ich verstand das. Wirklich.
Aber wir hatten uns kaum gesehen. Und wenn, dann war er gedanklich woanders.
Heute war einer dieser Nachmittage, an denen ich gehofft hatte, wir könnten einfach nebeneinander sitzen. Normal sein.
Ich winkelte mein linkes Bein auf dem Gartenstuhl an, legte den Kopf leicht in den Nacken und atmete tief durch.
Diese natürliche Stille tat gut, ließ mich meinen Kopf für einen Moment abschalten. Adam saß mir gegenüber, die Augen wegen der blendenden Sonne leicht zusammengekniffen, vertieft in sein Handy. Er sagte nichts. Ich ebenso. Stille.
Er sah unzufrieden aus, während er ununterbrochen etwas eintippte. Er runzelte die Stirn, schüttelte hin und wieder den Kopf und seufzte.
Ich konnte es nicht weiter mit ansehen.
Schließlich stand ich auf, trat von hinten an ihn heran und legte meine Arme um seine Schultern.
„Ist alles okay?" fragte ich, nah an seinem Ohr. „Du wirkst gestresst."
Selbst ein sanfter Kuss an seiner Halsbeuge ließ ihn nicht aufblicken.
Er seufzte erneut. Ließ das Handy leicht nach hinten kippen, als könnte er sich nicht endgültig davon losreißen.
„Ich suche nach Möglichkeiten für Nick und seine Schwester", erklärte er, die Stimme leicht gereizt, „dieses Warten macht mich noch wahnsinnig."
Ich nickte verständnisvoll, massierte sanft seine Schultern. Eine kleine Geste. Er sollte etwas entspannen.
„Du hast es schon dem Jugendamt gemeldet", sagte ich ruhig. „Du kannst nicht mehr tun als—"
„Doch", unterbrach er mich. „Es muss doch irgendwas geben."
Er legte das Handy auf den Tisch, fuhr sich durch die Haare.
Ich ließ mich wieder auf meinen Stuhl fallen. „Du musst Geduld haben."
Er sah mich jetzt an.
„Das ist nicht dasselbe."
Ich blinzelte.
„Was?"
„Dein Schulzeug...das ist unangenehm, klar. Aber das hier—"
Er brach ab, schüttelte den Kopf.
„Das hier ist etwas anderes."
Etwas in mir zog sich zusammen.
Also war es das?
Mein Problem war ein Problemchen?
„Ich meine doch nur—"
„Ich trage es doch allein", sagte er müde. „Und ich will nicht, dass du dich damit auch noch rumschlägst. Du hast genug mit deinem Kram zu tun."
Mit meinem Kram.
Ich spürte, wie mir Hitze ins Gesicht stieg. Die Woche war ich diejenige, die abends allein im Bett lag, während er noch im Gym war. Die gewartet hatte, bis er von Telefonaten zurückkam. Die Verständnis hatte.
Und jetzt war mein „Kram" etwas, das er nebenbei erwähnte.
Ich senkte den Kopf, sah auf das Muster der gesetzten Steine im Boden.
Ich wollte für ihn da sein.
So, wie er für mich da war. Immer.
Seine Stütze sein. Eine Partnerin, auf die er sich verlassen konnte.
Oder wenigstens jemanden zum Reden.
Er saß neben mir, atmete dieselbe Luft, berührte dieselbe Tischkante — doch trotzdem fühlte es sich an, als sei er Kilometerweit entfernt.
Dieses Gespräch war nur Eines von Mehreren, in denen ich versuchte, seine Probleme und Gedanken irgendwie leichter zu machen. Ihm ein offenes Ohr zu schenken, dass er gar nicht haben wollte...
Vielleicht interpretierte ich zu viel hinein.
Vielleicht war ich auch einfach nur müde davon, immer zu warten, bis er mich brauchte.
Er tippte weiter.
Der Bildschirm spiegelte sich in seinen Augen. Seine Stirn was noch immer in Falten gelegt, als würde er versuchen, eine Lösung aus dem Display herauszuzwingen.
Ich beobachtete seine Hände.
Wie so schneller wurden, dann wieder innehielten.
Wie sein Daumen kurz über dem Bildschirm schwebte, als wäre er unsicher.
Er war hier. Und doch nicht.
„Adam..."
Er reagierte nicht sofort.
Ich wusste selbst nicht, was ich eigentlich sagen wollte.
Etwas Unterstützendes. Etwas Reifes. Etwas, das nach Partnerin klang.
Stattdessen hörte ich mich sagen:
„Sag mir einfach, wenn du mich nicht brauchst."
Der Satz fiel zwischen uns wie etwas Zerbrechliches.
Er stoppte.
Seine Finger hielten inne.
Langsam hob er den Blick.
„Was?"
Ich spürte, wie mir warm wurde.
Es rutschte mir heraus. Ungefiltert.
„Nichts", sagte ich schnell. „Vergiss es."
Ich sah demonstrativ an ihm vorbei, irgendwo in den Garten.
Zu den Sträuchern, die sich leicht im Wind bewegten.
Alles wirkte weiterhin ruhig.
Selbst unsere Katze, die einem Schmetterling hinterherjagte.
Doch ich war alles andere als ruhig.
„Darum geht es doch gar nicht, Ari", sagte er nach einem Moment.
Seine Stimme war nicht hart.
Nicht vorwurfsvoll.
Aber auch nicht weich.
Ich nickte.
Zu schnell. Zu eifrig.
Natürlich ging es nicht darum.
Natürlich hatte er es nicht so gemeint.
Aber genauso fühlte es sich an.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust, als könnte ich das Gefühl dadurch wieder in mich hinein drücken.
Unreif.
Genau das war ich gerade.
Empfindlich. Überinterpretierend. Kindisch.
„Ist schon gut", murmelte ich. „Ich hab überreagiert."
Er sah mich noch einen Moment an.
Ein Blick, der versuchte zu verstehen — und es nicht ganz tat.
Dann griff er wieder nach seinem Handy.
Das kleine Geräusch des Displays, als es entsperrte, fühlte sich lauter an als zuvor.
Und in diesem Moment ärgerte ich mich nicht nur über ihn.
Sondern auch über mich.
Ich lehnte mich zurück in meinen Stuhl. Die Sonne war noch immer warm auf meiner Haut, aber sie erreichte mich nicht mehr.
Er wollte mich schützen. Ich wusste das.
Aber vielleicht war genau das das Problem.
Ich wollte nicht beschützt werden.
Ich wollte beteiligt sein.
Vielleicht war ich wirklich unreif.
Vielleicht war ich einfach nur nicht stark genug für seine Welt.
Und während er wieder in seinen Bildschirm verschwand, fragte ich mich zum ersten Mal, ob wir gerade begannen, zwei verschiedene Kämpfe zu führen.
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My Brothers best Friend
Romance„ist dir bewusst, dass dir alle Männer hinter her gaffen? Wie heiß du aussiehst?" flüsterte er Ariana ins Ohr während er ihr die Zigarette aus der Hand nahm um selbst einen Zug davon zu nehmen. 🌶️
