Kapitel 82 - "Ich bin schwanger."

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*Violetta*
"Violetta" Mehr bekam mein Vater nicht raus. Er war völlig sprachlos. Wie konnte es auch anders sein? Nach all dem, was in den letzten Monaten zwischen uns beiden vorgefallen war. Ihn so zu sehen, war ein großer Schock für mich und ich hatte ebenfalls keinen blassen Schimmer, was ich ihm sagen konnte. Wie würde er die Nachricht von meiner Schwangerschaft aufnehmen? Ich hatte solche Angst.
"Angie, könntest du uns bitte für einen Moment alleine lassen?", fragte Papá mit gepresster Stimme. Meine Tante nickte ihm lediglich schwach zu und verließ eilig den Raum.
Als ihre Schritte vollends verklangen, wendete er sich wieder gänzlich mir zu und blickte mir geradewegs in die Augen. Ich brach die angespannte Atmosphäre mittels einer festen Umarmung und warf mich aus dem Impuls heraus in seine starken Arme.
Im ersten Moment schien er überrascht, doch schon im nächsten drückte er mich noch näher an sich und strich mir beruhigend über den Rücken. Vor Rührung schossen mir Tränen in die Augen und ließen mein Sichtfeld verschwimmen. Zum ersten Mal nach viel zu langer Zeit fühlte ich mich geborgen. So als wäre ich endlich wieder Zuhause angekommen, als wäre ich wieder der Mensch, der ich noch vor einigen Monaten gewesen war.
Und Zuhause angekommen war ich wirklich. Im wahrsten Sinne des Wortes. "Ich wusste, du würdest zurückkehren. Ich habe diesen Gedanken niemals verworfen." Seine Aussage raubte mir den Atem. Er litt offenbar noch um einiges intensiver als gedacht. "Ich liebe dich so sehr...", flüsterte er heiser in mein Haar, was mich schlussendlich endgültig zum Losweinen brachte. "Ich habe dich ständig im Krankenhaus besucht, habe niemals die Hoffnung aufgegeben. Und jetzt bist du hier." Seine sorgsam gewählten Worte bringen mich erneut zum Aufschluchzen. Er war der beste Vater, den ein Mensch haben konnte...
Ich hatte mich so unüberdacht und egoistisch verhalten. Vor Scham wurde mir ganz schwindelig.
"Papá, ich muss mit dir sprechen. Über alles. Im Krankenhaus hatten wir nicht wirklich die Möglichkeit." Er nickte langsam und dirigierte mich zur weißen Couch. Vorsichtig ließ ich mich darauf fallen, achtete währenddessen besonders darauf, dass die Wölbung unter dem Mantel nicht zu sehen war. Ich wollte nicht, dass er es auf diese Weise erfuhr. Ich ließ meinen Blick schweifen und bemerkte zu meiner Bestürzung, dass ich mich ein wenig so fühlte wie ein Gast. Mein Aufenthalt hier schien Ewigkeiten zurückzuliegen. "Warum hast du das alles gemacht?", Papá brach das eiserne Schweigen mit der Frage, vor der ich mich am meisten fürchtete.
Konnte ich sie überhaupt beantworten? Wollte ich sie beantworten?
Ich musste. Anders ging es überhaupt nicht. „Ich kann nichts dafür, ich musste einfach hier raus, mich von alldem distanzieren...Ich weiß, ich hätte niemals solch drastischen Maßnahmen ergreifen dürfen, doch damals war ich nicht mehr in der Lage klar zu denken. Ich war nicht mehr ich selbst. Ich wollte einfach nur fort von hier, das war der einzige Gedanke, an den ich mich klammerte. Mir ist bewusst, dass du mich wahrscheinlich nicht verstehst, aber ich bitte dich von Herzen zu versuchen dich in meine Lage zu versetzen. Ich war komplett durch den Wind und vergaß dabei alles was mir etwas bedeutete. Hirnlos, ich weiß, aber ich habe das alles gebraucht." Ein Kloß bildete sich in meinem Hals, sobald ich meine Erklärung stotternd von mir gegeben hatte.
Mein Vater hatte nun Stoff zum Nachdenken - viel Stoff zum Nachdenken. Ob er mir verzeihen würde wusste ich nicht aber ich beschloss die Hoffnung nicht aufzugeben. Ich war fest entschlossen für alles zu kämpfen, was ich liebte und da gehörte Papá nun mal dazu. Mein Erzeuger stützte sein Gesicht in die Hände und schien um Fassung bemüht zu sein. Niemals zuvor hatte ich ihn weinen sehen - ob heute wohl das erste Mal sein würde?
„Du hast recht, Violetta, ich kann dich nicht verstehen...", sagte er plötzlich stockend und rieb sich über die Augen. Für einen kurzen Moment hörte mein Herz auf zu Schlagen. „Aber ich werde alles tun, um dich nicht nochmal zu verlieren. Um dir beizustehen und all das aus deiner Perspektive betrachten zu können. Ich werde mir Mühe geben. Das verspreche ich." Seine Worte ließen erneut Tränen in meine Augen treten, die ich wegzublinzeln versuchte - natürlich erfolglos. Erstickt schluchzte ich los und schloss meinen Vater erschüttert in die Arme, weiterhin darum bemüht in meiner Schwangerschaft nicht wissen zu lassen, was wirklich nicht einfach war.
Schließlich hob er den Blick, sodass ich in seine glänzenden braunen Augen sehen konnte, die unglaubliche Verständnis auszustrahlen schienen. Ich erinnerte mich in diesem Moment wieder genau an meine unbeschwerte Kindheit, in der Papá mich immer genau so ansah, als ich Streit mit einer Freundin hatte und mich bei ihm ausweinte. Er war mir immer so ein guter Vater gewesen - und auf diese Weise dankte ich es ihm? „Falls du mir noch etwas zu sagen hast, das ich wissen sollte, dann tu es jetzt. Ich möchte nicht, dass weitere Geheimnisse zwischen uns stehen, verstehst du, Vilu?" Ich nickte stumm und wickelte eine Haarsträhne um meinen Zeigefinger. Nun war es also so weit... Ich würde ihm beichten, dass er Großvater werden würde. Mir grauste bei dem Gedanken, dass mich ein kalter Schauder überlief. Wie würde er reagieren? Was würde er sagen? Meine Hände schwitzten heftig, als ich mich gerade aufsetzte und tief Luft holte. Jetzt oder nie. „Es ist so, dass ich...dass ich..." Mir fehlten die Worte. Mir fehlten schlicht und einfach die richtigen Worte. „Was ist? Sag es mir ruhig, ich möchte wissen, was dich bedrückt."
Okay. Du wolltest es ja so. Oh Gott. Mein Puls raste.
„Ich bin schwanger."
...

* * *

Uhhh... wie wird er wohl jetzt reagieren 🙊
Germán muss im Moment echt viel verdauen...

Leonetta - Loving can hurt sometimesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt