Kurze Zeit später fuhr ich zu Brann, um mein Handy abzuholen.
Es war eine eindeutig nettere Begegnung als die, die ich zuvor mit meinen neuen Nachbarn gehabt hatte.
"Ich habs erst auf dem Boden liegen gesehn, als du schon weg warst." Sagte Brann, als er mir mein Hand gab. Wir standen in einem breiten Flur.
"Danke." Ich lächelte und steckte das Handy in meine hintere Hosentasche.
"Willst du vielleicht kurz rein kommen? Was trinken oder so?" Bot Brann mir an.
"Ich muss noch einkaufen..." Entschuldigte ich mich.
"Ach so, ja stimmt." Brann stützte sich mit seiner Hand an der Kommode neben ihm ab. "Naja, wir sehn uns ja morgen."
"Ja. Bis morgen." Ich schenkte ihm ein Lächeln und öffnete dann die Tür.
"Übrigens, hübsches Bild hast du da auf deinem Sperrbildschirm." Ich sah wieder Branns Grübchen beim Lächeln. Dann schloss er die Tür hinter mir.
Bevor ich ins Auto einstieg holte ich mein Handy raus, um das Bild zu sehen, von dem er gesprochen hatte. Es war eins von Rose und mir. Meine Wangen fühlten sich warm an und ich musste vor mich hinlächeln, als ich ins Auto einstieg.
Als ich aus dem Laden raus kam, wurde es schon langsam dunkel. Ich verstaute die Einkäufe im Kofferraum und machte mich auf den Weg nach Hause.
Ich musste nicht einkaufen gehen, doch ich tat es freiwillig, da ich wusste, dass mein Dad und Amy mit ihrer Arbeit schon viel zu tun hatten. Außerdem durfte ich immer das Geld behalten, dass mein Dad mir zu viel mitgab, und das konnte ich gut für meine Bücher gebrauchen.
Mitten auf der Fahrt, als ich gerade durch ein kurzes Stück Wald fuhr, zeigte mein Handy eine neue Nachricht an.
Ich nahm es in die Hand und sah darauf, natürlich dabei immer wieder auch kurz auf die Straße vor mir schauend. Die war aber sowieso leer.
»Bist du in ungefähr einer halben Stunde zuhause?« Hatte Amy mir geschrieben. Wahrscheinlich wegen dem Abendessen, das sie heute machte.
»Komm in ca. 5 Minuten« Schrieb ich ihr schnell zurück.
Gerade als ich mein Handy wieder weglegte und wieder nach vorne sah, stand auf der Straße plötzlich jemand. Ich erschrak und drückte dann so stark auf die Bremse, wie ich nur konnte. Mein Herz schlug schneller vor Schock. Dann blieb ich mit meinem Auto endlich stehen. Einen halben Meter vor der Person.
Erst jetzt erkannte ich sie auch. Angeleuchtet von meinen Scheinwerfern stand da Caydon auf der Straße. Mein Herz beruhigte sich langsam, aber ich konnte ihn trotzdem nur anstarren. Er trug immer noch nur eine Jeans, kein Oberteil. Seine Haare waren inzwischen trocken und wieder so karamellbraun, wie sie waren, als ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Er blinzelte, da ihn das Licht meiner Scheinwerfer blendete. Schließlich kam er zu der Beifahrertür und öffnete sie. Ganz selbstverständlich stieg er ein.
"Danke für die Mitfahrgelegenheit." Meinte er mit einem Grinsen.
"Du...was machst du hier?! Du hast mich zu Tode erschreckt!" Sagte ich. Seine dunkelgrünen Augen sahen mich darauf an.
"Ich war im Wald und als ich ein Auto gehört hab, hab ich die Gelegenheit zum mitfahren genutzt." Meinte er.
"Und warum stellst du dich mitten auf die Straße?" Wollte ich wissen, meine Stimme war inzwischen wieder auf normaler Lautstärke.
"Sonst hättest du mich nicht gesehen."
"Hätte ich dich zu spät gesehn, wärst du jetzt tot!" Versuchte ich ihm klar zu machen. Doch in seiner Miene rührte sich nichts.
"Man schaut beim Fahren nicht auf sein Handy, schon mal davon gehört?" Caydon zwinkerte mir zu und lehnte sich dann ganz gelassen im Sitz zurück. Ich sah ihn für eine lange Sekunde nur an. Er war komplett durchgedreht.
Aber ich fuhr los, da ich auch nicht weiter einfach auf der Straße stehenbleiben konnte.
Mein Blick fiel kurz wieder auf ihn, auf seinen Oberkörper.
"Und warum zum Teufel hast du nichts an?" Wollte ich wissen.
"Ich hab was an." Er sah kurz auf seine Hose runter und dann mich an. Ich verdrehte die Augen und schaute wieder auf die Straße.
"T-Shirts sind nur lästig."
"Ist klar."
"Doch, bei dem was ich mach schon."
Oh Gott, mir wurde übel.
"Du müsstest mal dein Gesicht sehn." Ein Grinsen war in seiner Stimme.
"Machst du irgendwelche perversen Dinge da draußen allein im Wald? Weil wenn ja, schmeiß ich dich sofort raus." Sagte ich.
"Definiere pervers." Aus seiner Stimme konnte ich heraus hören, dass er nur scherzte. Trotzdem machte ich ein angeekeltes Geräusch.
"Das war n Spaß, warum guckst du so?"
"Vielleicht find ich dich ja einfach nicht lustig." Sagte ich scharf. "Und ich weiß auch nicht, warum ich dich eigentlich mit nehm. Eigentlich hätt ich dich noch im Wald aus dem Auto schmeißen sollen." Fügte ich leiser hinzu. Inzwischen bogen wir in unserer Straße ein.
"Warum so voller Hass auf mich?" Meinte Caydon belustigt. Ich seufzte.
"Darf ich dich daran erinnern, dass du mich noch vor ein paar Stunden beleidigt hast, dass ich nicht gut genug für deine Cousine wär. Dann jagst du mir einen Schrecken ein, dass ich fast einen Herzinfarkt bekomm, und jetzt erklärst du mir nicht einmal, warum du Abends allein, halbnackt in einem Wald unterwegs bist. Also meiner Ansicht nach, hab ich Grund genug dich nicht zu mögen." Sprach ich aus, was ich dachte. Was ich nicht sagte, war, das mir seine Aktion auch etwas gruselig vorkam. Das einzig Logische war, dass er im Wald spazieren gewesen war. Aber welcher Teenager Junge tat denn sowas?
Ich parkte vor meinem Haus. "Außerdem macht das kein normaler Mensch." Fügte ich noch hinzu.
Caydon hob eine Augenbraue. "Vielleicht bin ich ja kein Mensch." Schon wieder machte er sich über mich lustig, ich konnte es an seinem Tonfall hören. Ich verdrehte die Augen, wir stiegen aus.
"Danke fürs mitnehmen, Livya." Caydon zwinkerte mir zu.
"Kannst du mich nicht einfach Liv nennen, wie alle andern auch?"
Caydon kam plötzlich näher, so dass wir nur Zentimeter voneinander weg waren. Ich war zu überrascht davon, um sofort zu reagieren und Abstand zwischen uns zu bringen.
"Ich glaub ich mag Livya mehr." Sagte Caydon leise und hob seine Hand, mit der er eine Strähne hinter mein Ohr steckte. Ein winziges amüsiertes Lächeln auf den Lippen. Dann ging er, ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, noch mir die Gelegenheit zu geben, darauf etwas zu erwidern. Was war das denn bitte grad gewesen? Der Typ machte mich noch wahnsinnig.
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Angels and Demons (M.)
Fantasy"Ich komm heute Mittag vielleicht kurz nach Hause." Meinte mein Dad. "Okay. Was ist mit Amy?" Ich schlüpfte in meine Chucks, als Dads Freundin die Treppen runter kam. "Ich muss wahrscheinlich durcharbeiten." Antwortete sie für sich selbst. Das war...
