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Another Lovestory

About a boy who's losing, but still isn't lost

Yoongis POV.

Meine frühste Erinnerung ist ziemlich simpel. Ich sah meine Mutter an unserem altem Klavier sitzen, leidenschaftlich in eine Nocturne von Chopin vertieft. Damals habe ich zwar noch nicht verstanden, wie ein Klavier funktionierte, was Noten waren, geschweige denn wer Chopin war. Aber ich verstand schon mehr, als manche Erwachsenen es je würden. Ich verstand die Musik. Und ich verliebte mich unsterblich in sie.

In der Musik war alles rein, der Klang, die Gefühle, die Bewegung in meinen Fingern, wann immer ich am Klavier saß, war es als wäre ich nicht Yoongi, sondern Teil von etwas größeren, etwas wunderschönen.

Noch bevor ich meine ersten Worte sprach, schlug ich die ersten Tasten unter Anleitung meiner Mutter. Mit 5 nahm ich die ersten Stunden und wahrscheinlich hätte ich es noch weit bringen können, denn schon mit 13 fing ich an die passenden Texte zu schreiben. Den Gefühlen einen Namen zu geben und den Klängen eine Definition.

Jedoch verblassten die Träume meines jugendlichen Ichs knapp ein Jahr darauf. Zu Hause war es schwer, meine Eltern trennten sich, meine Schwester hatte einen Freund, der sie ausnutzte und ich? Ich war völlig machtlos gegenüber all dem Mist, der um mich rum passierte.

Drogen und Alkohol prägten mich und stießen jeden von mir. Doch allein war ich nie. Die Musik blieb bei mir, begleitete mich. Und wann immer mir die Welt zu viel wurde, die Stille zu laut, die Menschen zu oberflächlich, nahm ich meine Kopfhörer und entfloh. So auch an jenen Tag.

Der, an dem ich Jimin traf.

Er stellte alles in Frage, was ich bisher geglaubt gewusst zu haben. Es machte mir Angst, aber irgendwie konnte ich nicht genug davon kriegen.

Aus einem Lächeln wurde ein Kuss, aus einem Kuss, ein Date, daraus dann noch eines, aus Träumen und Wünschen wurde eine Beziehung und aus all den kleinen Momenten erhofften wir uns eine gemeinsame Zukunft. Erwartungen denen ich nicht gerecht werden konnte.

Ich wusste, dass ich kaputt war, nur mit Jimin vergaß ich es beinahe. Die Art wie er mich anlächelte, mich berührte, als sei ich sowas wie wertvoll und einzigartig. Aber selbst er konnte nicht all die zerbrochenen Teile in meinen Inneren zusammensetzten.

Am Anfang habe ich ihn versucht fort zu stoßen, doch selbst dafür war ich zu schwach...und dann.... Konnte ich es nicht mehr. Ich brauchte ihn. Ich liebte ihn, obwohl es Tage gibt wo ich ihn hasste, gerade weil ich ihn liebte und weil er mich liebte.

Eigentlich sollte die Liebe zwischen zwei Menschen ein Band symbolisieren, manchmal kam mir es aber eher vor wie eine schmerzhafte Fessel. Genervt kniff ich die Augen zusammen und konzentrierte mich wieder auf den Song, welcher mir durch die Kopfhörer dröhnte.

„And leave a blanket of ash on the ground

I miss the comfort in being sad"

Ich verstehe genau was er meint. Momente in denen man die Traurigkeit vermisst, weil sie immerhin etwas war. Bevor ich mich weiter in den düsteren Gedanken verfangen konnte, wechselte das Lied zu einem respektlosen Eminem Song. Mit einen Grinsen lauschte ich seinen kontroversen Worten.

Schneller als gewollt, erreichte ich auch schon die U-Bahn Station und stieg aus. Von hier aus war es nicht mehr weit zu meiner Wohnung und ich malte mir jetzt schon das Gespräch zwischen mir und meinem Freund aus.

Besonders viel Kreativität bedarf es dazu nicht, im Grunde war es jeden Tag das Gleiche. Jedoch musste ich feststellen, nachdem ich die Wohnung betreten hatte und meine Jacke ausgezogen hatte, dass ich alleine war. Auch gut. Auf den Esstisch hatte mir mein Liebster einen Zettel hinterlassen.

Loving him. /YoonminWo Geschichten leben. Entdecke jetzt