Erneut musste ich allein in diesem Zimmer sitzen, starrte Löcher in die Wand und langeweilte mich beinahe zu Tode. Ich verstand einfach nicht wie man zwei Tage nur in einem Arbeitszimmer sitzen konnte. Joker musste planen die ganze Stadt in Flammen aufgehen zu lassen, wenn er so lange brauchte. Draußen war herrliches Wetter und am liebsten wäre ich raus in die Stadt gegangen, hätte mir im Supermarkt ein Eis gekauft und wäre einfach ein wenig durch die Straßen gegangen so wie ich es früher immer getan hatte. Aber das drufte ich nur, wenn mich jemand begleitete und Jonny war mit dem Joker in diesem dämlichen Meeting. Auf die anderen Leute hier hatte ich eigentlich keine Lust, also blieb mir nichts anderes übrig, als in diesem Zimmer vor Langeweile zu verrotten. Seit Stunden saß ich nun schon wieder in diesem Sessel und wusste nichts mit mir anzufangen. Das gucken der Armbanduhr machte mich langsam verrückt und alle zwei Minuten sah ich zur Tür, in der Hoffnung J würde endlich reinkommen. Aber das tat er nicht. Ich hörte die Stimmen durch die angelehnte Tür und sie hörten sich nicht so an, als würden sie in naher Zukunft fertig werden.
Nach einer Weile wurde mir so langweilig, dass ich mich ruckartig aus dem Sessel erhob und mich auf den Weg zum Kleiderschrank machte. Ich hatte so viele Sachen, die ich noch nie getragen hatte und wenn ich sonst gerade nichts zu tun hatte, dann könnte ich mir ja wenigstens mal ein paar davon genauer ansehen. Nacheinander zog ich mal hier mal dort ein Oberteil oder eine Hose aus dem Schrank, bis ich an einem Teil hängen blieb. Es passte perfekt zum Wetter und so tauschte ich meine eher lockeren Sachen gegen ein weites schwarzes Kleid, was ungefähr bis zur Mitte des Oberschenkels ging und dünne Träger hatte. Um es ein wenig mehr zu betonen zog ich darauf noch einen Gürtel an und betrachtete mich dann zufrieden im Spiegel. Ich hatte mich schon lange kein Kleid mehr getragen und fühlte mich ungewöhnlich wohl darin.
Aus dem Kleiderschrank raus, entschied ich mich dafür ein wenig in den Garten zu gehen. So konnte ich zumindest ein bisschen die Sonne genießen. Kurzer Hand schlüpfte ich ein paar Schuhe, die ganz gut zum restlichen Outfit passten und ging dann auf den Flur. Erst da erkannte ich, warum ich die Stimmen so klar hatte hören können. Die Tür stand weit offen und ich bezweifelte nicht, dass das zu meiner Kontrolle diente. Vor allem, nachdem ich ja nicht mehr das Haus verlassen durfte ohne vorher bescheid zu geben und wir gestern überraschend Besuch bekommen hatten. Tatsächlich musste ich nun doch einen Moment lang überlegen, ob ich wirklich an dieser Tür vorbei laufen wollte, aber andererseits konnte ich unmöglich noch mehr Zeit in diesem Zimmer verbringen. Es konnte doch nicht schon so weit sein, dass ich mich wegen einer offenen Tür einschränken ließ. Und doch bemerkte ich in diesem Augenblick wie sehr ich hier eigentlich eingeschränkt wurde. Mir war verboten worden raus zu gehen, ich durfte mich hier nicht unbeobachtet bewegen und nicht einmal irgendeinen Kontakt zur Außenwelt hatte ich. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass Joker mich wirklich mehr als sein Eigentum betrachtete, als jemanden für den ein normaler Mensch Gefühle haben konnte. War ich für ihn wirklich nur ein Besitz?
Ich schluckte hart und schüttelte meinen Kopf, um an etwas anderes denken zu können. Dann entschied ich mich dazu endlich in den Garten zu gehen. Was würde denn schon geschehen, wenn ich an dieser Tür vorbei lief. Vielleicht war sie ja auch gar nicht wegen mir offen. Ich dachte nicht weiter darüber nach und ging einfach los. Nie war mir der Weg durch diesen Flur so lang vorgekommen. Kurz vor der Tür stoppte ich noch einmal kurz, senkte meinen Blick auf den Boden, wollte bloß nicht in die Augen des Jokers sehen. Ich fühlte mich wieder wie damals, als ich gerade erst hierher gekommen war. Wieso war ich jetzt plötzlich wieder so eingeschüchtert?
Eilig ging ich weiter, schaute dabei stur auf den Boden, bis ich die Treppe erreicht hatte und erleichtert aufatmete. Ich war nicht zurückgerufen worden oder sonst was. Vielleicht hatte ich mich geirrt und Joker falsch eingeschätzt. Wieso machte ich mir im Moment überhaupt ein neues Bild von ihm? Lag es an der langen Zeit, die ich allein verbracht hatte? Noch vor wenigen Tagen hatte ich gedacht, dass er tatsächlich so empfinden könnte wie ich es tat und heute war ich mir wieder unsicher. Aber ich hatte allen Grund dazu. Jedes Mal, wenn Joker etwas für mich entschieden hatte, dann hatte ich es einfach hingenommen, doch alles, was er damit erreichte war, dass er mich dressierte wie einen Hund, der aufs Wort gehorchte. Als wäre ich sein Besitz, mit dem er alles machen konnte. Je mehr ich darüber nachdachte missfiel mir das ganze. Vor allem, da ich J dennoch liebte. Daran hatte sich nichts geändert, nach wie vor liebte ich ihn, obwohl er mich hier einsperrte.
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What if...? [+18]
FanfictionMadlin wohnte schon ihr ganzes Leben lang in Gotham City und da sie nichts anderes kennt fühlt sie sich hier wohl, so viele dunkle diese Seiten auch hatte. Vielleicht war es, weil etwas viel aufregenderes als eine Schießerei in der Bar des Jokers, w...
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