#59 - Meine Seele ist entwurzelt.

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Mit einem Schlag erwachte ich aus meiner Starre.

„Harry!"

Ich sprang auf.

„Harry!!"

Ich rief nach ihm, aber er war weg. Ich rannte weiter über den Weg. Ich rief immer weiter.

Plötzlich rutschte ich auf dem klatschnassen Boden aus und schlug der Länge nach hin. Bevor ich mit der Nase auf den Asphalt knallte, fing ich mich mit den Handballen ab. Ich schürfte mir die Haut ab und blieb erst einmal liegen. Ich rührte mich nicht. Dann rollte ich mich zusammen und weinte.

Ich lag dort. Im Regen. In der Kälte. Allein. Irgendwo in London.

Ich zitterte am ganzen Körper.

Und ich weinte.

Meine Welt drehte sich nicht mehr.

Meine Seele war entwurzelt.

Er war einfach gegangen. Er hatte mich verlassen, als wäre ich irgendein Mädchen, mit dem er sich zweimal getroffen hatte und bei dem er festgestellt hatte, dass es wohl nichts wurde.

Er war gegangen, ohne sich umzudrehen.

...das stimmt nicht, flüsterte die kleine Stimme in meinem Hinterkopf.

Er war zurückgekommen. Er war wiedergekommen. Er hatte mich geküsst. Und dann war er aber wieder gegangen!

Er war weg.

Endgültig.

Das hatte ich jetzt auch kapiert.

Er würde nicht wiederkommen, das hatte er klar und deutlich ausgedrückt. Niemals würde er wiederkommen.

Ich atmete ganz flach. Meine Augen waren offen und ich spürte die Regentropfen, die auf meinen Wimpern lagen.

„...steh auf."

Ich reagierte nicht.

Sprach die Stimme mit mir?

„Komm schon, bitte steh auf."

War sie überhaupt real oder existierte sie nur in meinem Kopf?

„Du holst dir den Tod! Bitte!"

Ich wurde am Arm gezogen, bis ich mich in einer sitzenden Position befand.

Jemand hob mich in seine Arme und trug mich davon. Wer es war, interessierte mich nicht. Ich spürte, dass es nicht er war.

Wieso sollte er auch zurückkommen. Er war gegangen und damit hatte sich der Fall.

Ich spürte den Herzschlag meines Retters an meinem Oberarm und den gleichmäßigen Atem an meinen klatschnassen Haaren.

Vor meinen trüben Augen erschien ein kleines Licht von einer Eingangstür. Die Person trug mich in den ersten Stock und ging durch eine Tür. Dachte ich zumindest. So sah es für mich aus.

Ich wurde in ein Badezimmer gebracht und auf den geschlossenen Toilettendeckel gesetzt.

Ich versuchte mit aller Kraft, meinen Blick scharf zu stellen.

„Was ist passiert?"

„Er ist weg."

Ich blickte in Nialls blaue Augen und blickte irgendwie doch nicht hinein.

Ich blinzelte nicht einmal mehr.

„Er ist einfach gegangen. Er hat mich verlassen. Alleine im Regen stehen lassen. Er ist weg. Er hat das, was zwischen uns war, beendet."

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