#78 - Perfektes Timing

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~ Janas Sicht ~

Wie viel Stress konnte ein einziger Mensch an einem Tag eigentlich ertragen?! Das war ja Wahnsinn!

Erst Schule. Jeder hatte mich gelöchert. Wirklich. Jeder. Sogar die Lehrer.

„Oh mein Gott, deine Cousine ist so toll!"

„Oh, Sam ist jetzt berühmt!"

„Ist Sam wirklich mit Harry Styles zusammen?"

„Wo ist Sam gerade!"

„Deine Cousine ist jetzt Tänzerin?"

„Ist das deine Cousine?"

„Jana, ich hab von deiner Cousine gehört..."

„Hey Jana!"

„Jana!"

„Erzähl doch mal!"

„Jana!"

„Jaaana!"

„Jana!!"

Ich hatte gedacht, ich würde gleich in tausend kleine Einzelteilchen explodieren. Und zwar mit einem gewaltigen Knallbumms.

Mit Mühe und Not hatte ich die Stunden in dem Gefängnis namens Bildungseinrichtung überstanden. Natürlich war mein Mund wie versiegelt. Ich würde keine Informationen preisgeben, was Sam tat und was Sam ließ, denn das ging verdammt noch mal keinen dieser Pappnasen an, das sollte sie endlich mal kapieren. Aber ihre Spatzenhirne waren natürlich viel zu klein dafür, wie sollte es auch anders sein.

Naja, zu Hause hatte Mama dann weiterhin einen auf Miesepeter gemacht, weil ich nach London flog. Da Manu nicht da war und Papa auch nicht und ich Mamas Nerven nicht noch mehr strapazieren wollte, war ich mit der S-Bahn zum Flughafen gefahren.

Ich glaube, ich war fast noch nie so hibbelig gewesen.

Also vor einem Flug war ich noch nie so hibbelig gewesen. Wahnsinn. Waaaahnsinn.

Als ich dann in die Flughafenhalle kam, war es aber vorbei mit der Vorfreude und der Nervosität.

Verspätung.

Ernsthaft jetzt?

Verspätung für einen Popelflug nach London?! Man musste zweimal umfallen, dann war man schon beinahe in London - und jetzt hatte der Flug Verspätung?!

Das durfte ja wohl nicht wahr sein.

Ich tigerte wie eine unruhige Raubkatze durch den Sicherheitsbereich und spitzte jedes Mal die Ohren, wenn etwas zu unserem Flug durchgesagt wurde.

Okay, cool bleiben, Jana. Cool bleiben. Aufregen bringt nichts, nur Falten, schlechte Laune und einen früheren Tod.

Irgendwann flogen wir dann endlich mit tausend Jahren Verspätung los. Ich saß die ganze Zeit wie auf heißen Kohlen und sah auf mein Handy. Also auf die Uhr. Die Minuten krochen nur so dahin. Wir waren echt schon viel zu spät. Das Konzert ging um sechs Uhr los - also 5 Seconds of Summer würde um sechs (Londoner Zeit) als Vorband auftreten, das hatte Luke mir erzählt.

Luke...

Sofort begann meine gesamte Haut zu kribbeln. So etwas hatte ich noch nie gespürt.

Ich hatte Sam nichts davon erzählt, weil sie zu sehr mit ihrem eigenen Leben eingespannt war, aber ich hatte so viel mit Luke in der letzten Woche geschrieben. Ich hatte das Gefühl inzwischen, dass ich ihn schon seit einer Ewigkeit kannte. Jede Nachricht, die er mir schickte, jeder Smiley, alles - ich konnte es förmlich hören, wie er es mit seiner Stimme sagte.

HeartdanceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt