Kapitel 30

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Das Internat war kein sicherer Ort um zu streiten. Ich war mir ziemlich sicher, dass es wieder in einem Streit enden würde. Ich konnte es gar nicht erwarten endlich alles los zu werden, was ich schon so lange sagen will.

"Wie machen wir das am besten ohne das es direkt in einem Streit endet?", sagte Ben und schloss seine Tür hinter sich. Ich setzte mich auf sein Fensterbrett und schaute ihn an.

"Du sagst mir was du wissen willst und danach bin ich dran. Trotzdem sollten wir Regeln haben: wir lassen den anderen aussprechen, versuchen nicht direkt zu diskutieren und sagen die Wahrheit. Keine Ausreden und keine Lügen. Einverstanden?", fragte ich ihn und brachte ihn zum nicken. Ich nickte ihn genauso zu und zeigte ihn, dass er anfangen soll.

"Wieso willst du keine Königin werden?", sagte er und brachte mich direkt dazu meine Augen zu rollen. Wieso wusste ich genau, dass er direkt damit anfangen würde? Ich musste trotzdem die Wahrheit sagen.

"Weil ich das Gefühl habe, dass ich dazu nicht fähig bin. Ich glaube nicht, dass ich in der Position stehe sowas zu machen. Außerdem will ich mein jetziges Leben nicht aufgeben. Ich will kein eingeschränktes Leben haben.", sagte ich frei heraus und schaute zu Ben, der sich gegenüber von mir auf sein Bett setzte.

"Darf ich was dazu sagen?", fragte er mich und obwohl ich genau darüber nicht mit ihm diskutieren wollte, nickte ich ihn zu.
"Wieso denkst du, dass dein Leben so sein wird?", fragte er mich und war neugierig über meine Antwort.

"Weil es bei allen immer so war. Egal wenn du was liest oder siehst.", sagte ich und schaute Ben wieder an.
"Glaubst du echt, dass ich mich gegen deinen eigenen Willen stellen würde? Glaubst du, dass ich dir deinen Freiraum nicht lasse, damit du das machen kannst was du willst?", fragte er mich und ich wusste genau, dass es in einer Diskussion enden würde.

"Da kommen wir gleich zu meiner ersten Frage: Würdest du das echt zwischen uns beenden, wenn ich keine Königin werden will?", wechselte ich etwas das Thema und lehnte mich nach vorne. Ich war gespannt auf seine Antwort.

"Ich habe vielleicht am Anfang mit den Gedanken gespielt, aber nein ich würde mich nicht von dir trennen, selbst wenn es von mir erwartet wird.", antwortete er knapp. Ich hatte dazu nicht mehr zu sagen, also überließ ich ihn seine nächste Frage zu stellen.

"Was muss geschehen, dass du deine Meinung änderst?", fragte er mich. Ging es immernoch um das Königin Thema? Hatte er keine anderen Fragen? Ich hatte noch endliche.

"Unser Vertrauen muss sich ändern. Weißt du warum ich so Zweifel? Weil ich das Gefühl habe, dass wir uns beide nicht zu 100% vertrauen und das ist auch das ganze Problem zwischen uns. Wie soll ich darauf vertrauen, dass alles so wird wie du es mir jetzt versprechen könntest, wenn wir nicht mal ehrlich zueinander sind?", fragte ich ihn und schüttelte etwas meinen Kopf. So langsam kamen die harten Wahrheiten ans Licht. Die hässlichen, harten Wahrheiten.

"Deswegen machen wir das doch hier gerade? Ich habe das Gefühl, dass dich was bedrückt, was du endlich heraus lassen willst.", sagte er und gab mir das okay meine nächste Frage zu stellen. Ich war mir nicht sicher was ich als erstes wissen wollte.

"Wann wolltest du mir erzählen, dass deine Mom nichts mehr von mir halten wird, wenn sie erfährt, dass ich bisexuel bin?", fragte ich ihn und er zeigte eine gemischte Reaktion. Die die ich am besten heraus deuten kann, war aber die Verwirtheit, woher ich es wusste.

"Wer hat dir das erzählt?"
"Linda. Zu ihr kommen wir aber noch. Also?", fragte ich ihn und lehnte mich wieder etwas nach hinten. Ich war gespannt auf seine Antwort.

"Ich habe dir davon nichts erzählt, weil ich genau wusste wie du darauf reagieren wirst. Ich weiß nämlich genau, dass du es ihr jetzt umso mehr unter die Nase reiben willst.", sagte er und hatte einen Punkt. Er hatte recht.

"Und du willst, dass ich den Teil vor ihr verschweige? Aus welchen Grund? Weil du keine Lust auf Ärger mit ihr hast?", fragte ich ihn und brachte ihn dazu mich verwirrt anzuschauen.

"Um dich vor ihren Kommentaren und Reaktionen zu schützen. Ihr sollte es auch egal sein. Immerhin ist es meine Entscheidung und nicht ihre.", sagte er und machte einen nächsten guten Punkt.

"Wenn ich es ihr aber trotzdem sagen würde, würdest du hinter mir stehen?"

"Natürlich. Warum sollte ich das nicht? Nur weil du bisexuel bist? Mir ist es doch total egal wen du liebst. Selbst wenn du dich jetzt plötzlich in eine Frau verlieben würdest, würdest ich trotzdem hinter dir stehen.", sagte er und brachte mich etwas zum lächeln. Vielleicht hatte ich doch nicht so gute Gründe um auf Ben sauer zu sein.

"Willst du noch was wissen?", fragte ich ihn und schaute ihn in seine Augen. Ben überlegte etwas und schüttelte mit seinen Kopf.
"Ich weiß aber, dass du noch was wissen willst.", sagte er und brachte mich zum nicken. Ich musste die Frage nicht mal stellen, weil er genau wusste was ich wollte.

"Lindas kleine Sucht nach mir kommt nicht vom nirgendwo. Letztes Jahr am Anfang des Schuljahres hatten wir für gerade mal einen Monat was miteinander. Daher kommt mein Pulli bei ihr. Seitdem nervt sie mich aber nur noch und genau deswegen weiß sie auch genau wie sie dich provozieren kann.", sagte Ben und lächelte mich etwas an.

Jetzt machten Lindas Kommentare auch mehr Sinn. Sie war wirklich eifersüchtig. Aber auf eine andere Art eifersüchtig.

"Müssen wir uns jetzt eigentlich gegenseitig entschuldigen, dass wir so zueinander waren oder haben wir das auf eine gewisse Art verdient?", fragte ich und brachte uns beide kurz zum lachen. Ben nickte mir zu und stand von seinem Bett auf.

"Nein, wir haben es verdient.", sagte er und hielt mir seine Hand hin. Ich nahm sie ohne zögernd an und fiel ihn direkt in seine Arme. Ben legte seine Arme genauso um mich und umarmte mich. Vielleicht brauchten wir sowas öfter. Einfach für eine Stunde alles heraus lassen.

"Ich habe was vergessen zu sagen. Darf ich es trotzdem sagen?", sagte ich und legte meine Hände um seinen Nacken. Ben verdrehte etwas seine Augen und nickte nir daraufhin zu. Ich fing an zu lächeln und malte einige Kreise auf seinen Nacken, bevor ich was sagte.

"Ich liebe dich. Obwohl wir uns in letzter Zeit oft gestritten haben, könnte ich nicht aufhören dich zu lieben.", sagte ich und brachte Ben genauso zum lächeln.

"Ich liebe dich auch.", sagte er und legte seine Lippen auf meine. Ich fing an zu lächeln und erwiderte seinen Kuss. Ich nahm sein Gesicht etwas zwischen meine Hände und seine Hände fanden ihren Weg zu meiner Taille. Als wir uns kurz darauf wieder voneinander lösten, legten wir lächelnd unsere Stirnen aneinander.

"Ich bin schon weit über der Ausgangsperre draußen. Wenn ich jetzt erwischt werde, kriege ich sowas von Ärger.", sagte ich und löste meine Stirn von seiner um ihn an zu sehen.
"Was schlägst du vor?", sagte er und fuhr mit seinen Händen etwas meine Taille entlang.

"Was hälst du von einer ruhigen Nacht ohne das jemand stört.", sagte ich und flüsterte es ihn etwas in sein Ohr. Ich konnte sein Lächeln spüren.
"Wie könnte ich zu sowas nein sagen.", sagte er und küsste mich wieder. Ich erwiederte seinen Kuss und fing etwas an zu lachen, als wir im nächsten Moment auf seinen Bett landeten.

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