Kapitel 3 / Believe in yourself

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Kapitel 3

Wenn ich ehrlich sein sollte, dann kam ich mir ganz schön bescheuert vor. Ich hatte gerade meine letzte Stunde an dem Tag gehabt - Sport - und jetzt blieb ich einfach draußen stehen, während alle anderen bis auf Damien und Mr.Styles zu den Umkleiden liefen. Mr.Styles notierte irgendwas in seine Unterlagen und Damien stocherte mit seinen teuren Sportschuhen im Grad des Footballfeldes herum, während ich einfach nur da stand und Löcher in die Luft starrte. Immer noch war ich unsicher, ob ich hier wirklich richtig war. Was wäre, wenn ich nur per Zufall so schnell gelaufen war? Oder wenn alle anderen aus der Mannschaft noch schneller laufen konnten? Ich wollte auf gar keinen Fall als die Loserin der Mannschaft da stehen. Vielleicht hätte ich erst einmal zusehen sollen, statt direkt mitzumachen. Aber wie so oft kam mir dieser brillante Gedanke erst nachdem ich mich volle Kanne in die Sache rein manövriert hatte.

„Äh, da kommt ja der Rest", sagte plötzlich Mr.Styles laut und ich erhob ruckartig den Kopf. Über den Platz kamen ungefähr 7 Leute gelaufen, allesamt groß, schlank und sportlich. Ich schnaubte kurz. Ja da passte ich ja wirklich rein - nicht.

„So", ergriff der Lehrer das Wort. „Erst einmal bin ich dafür, dass wir uns duzen. Das macht vieles einfacher. Ihr dürft mich Harry nennen.", er grinste kurz, doch wurde fast ebenso schnell wieder ernster. „Ich hab schon gehört, dass die Leichtathletikmannschaft in den vergangenen Jahren ein wenig gelitten hat. Aber deswegen bin ich ja jetzt hier und ich denke, zusammen als Team können wir doch wieder einiges erreichen. Die Bestimmungen für die Teilnahme an den Kreismeisterschaften sind folgende: Man braucht eine mindestens 6-köpfige Mannschaft, in der jedes Mitglied in maximal drei Disziplinen startet. Die Disziplinen sind Hoch- und Weitsprung, Wurf, sowie Sprint über 100 und 400 Metern. Alles klar soweit?"

Ich nickte, genau so wie meine künftigen Teammitglieder. Für mich stand meine Disziplin bereits fest. Ich hoffte nur, dass mir die keiner streitig machen könnte, indem er besser war.

„Gut, ich hab euch alle zwar schon im Unterricht gesehen, allerdings will ich diese Woche noch mal alle Disziplinen durch gehen, um eure maximalen Fähigkeiten aus euch heraus zu kitzeln. Wer weiß, vielleicht seid ihr ja die absoluten Hochsprungcracks und wisst es nur noch nicht, weil ihr bislang immer die falsche Technik angewendet habt?", Mr.Styles grinste in die Runde, doch ich für meinen Teil war davon überzeugt, dass trotzdem einer der Größeren den Hochsprung übernehmen sollte - die hatten allein schon einen anatomischen Vorteil.

„Alles klar, dann fangen wir doch einfach auch direkt mal mit dem Hochsprung an."

Ich gab wirklich mein bestes, doch ich wusste von vornherein, dass Hochsprung nicht meine Stärke wär. Mein Körper wär nicht so groß, schmal und athletisch wie der der anderen. Ich war mit meinen 1,71m nicht die größte. Ich war zwar dünn, das schon - aber meine Sprungkraft reichte nicht einmal aus, um mich über die niedrigste Hürde zu bringen, ohne mir dabei was zu brechen.

Gerade als ich es wieder mit der drittniedrigsten Stufe probiert hatte und irgendwie mit meiner Schulter hängen geblieben war, hörte ich, wie zwei Mädchen aus dem Team kurz auflachten und die Köpfe zusammensteckten. Als ich an ihnen vorbei ging nahm ich nur Wortfetzen auf; doch „Das untalentierte Entlein sollte dahin zurück wo es hergekommen ist" versetzte mir trotzdem einen Stich. Eine Woche an der neuen Schule und ich war genauso weit wie an meiner Alten.

Ich blickte demonstrativ in die entgegengesetzte Richtung, damit die Mädchen nicht noch dachten, ich würde ihnen zuhören und sah auf den Rasen die Cheerladermannschaft trainieren. Wie sie alle synchron ihre dürren Beinchen hoben und sich dabei die kurzen Stöckchen bis zum Bauchnabel nach oben umschlugen. Beinahe musste ich höhnisch auflachen. Was brachte ihnen denn ihre Beliebtheit? Glücklich waren sie auch nicht.

Liebe kennt keine Grenzen (Abgeschlossen)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt