Kapitel 40 / Gone

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Kapitel 40

"Sabrina hat dich wirklich eine Blumengirlande genannt?", fragte Damien das gefühlte tausendste Mal und schaffte es kaum, seinen Satz zu vollenden, weil ihn seit zehn Minuten ein wiederkehrender Lachanfall quälte. Zum Glück war gerade Mittagspause und in dem ohnehin lärmenden Speisesaal fiel sein kindisches Verhalten kaum noch auf.

Ich erwiderte darauf nichts. Ich hatte Damien die ganzen Begebenheiten meines Morgens erzählt und alles, was er machte, war lachen. Es schien fast, als hätte er keinerlei Probleme mit den Konsequenzen, die unsere Scheinbeziehung nun mit sich brachte - ganz im Gegenteil; er war prächtiger Laune.

"Wie konnte das denn nur passieren?", brummte ich mehr zu mir selbst und stützte den Kopf missmutig in meine Hände.
Obwohl ich momentan so glücklich war, wie selten zuvor, hatte ich das Gefühl, dass mein Leben stetig komplizierter wurde.

"Ach Belle.", Endlich hatte Damien seinen Lachanfall überwunden und tätschelte mir nun über den Kopf. "Eigentlich hast du nur zwei Möglichkeiten."

Überrascht von seinem plötzlich so ernsten Tonfall, schaute ich ruckartig auf und schaute Damien in die stahlblauen Augen.

"Naja, entweder du beendest unsere 'Beziehung' jetzt einfach und wirst wieder zu der Eisprinzessin die du vorher warst. Aber dann, würde ich sagen, kann es ziemlich schnell dazu kommen, dass es vielleicht doch Gerüchte über Harry und dich gibt ... oder aber du ziehst diese letzten zwei Monate Schule noch mit mir an der Backe durch und machst danach einfach, was du willst.", erklärte er nüchtern. Es war nicht so als wollte er mich dazu überreden, diesen Irrsinn weiter zu spinnen. Er wollte mir nur zeigen, dass es so einfacher war.

"Na gut.", willigte ich ein. "Aber ich werde dich nicht küssen! Und schon gar nicht in der Schule ... ich glaube, das würde Harry zur Verzweiflung treiben."

Das breite Lächeln, das sich auf Damien's Gesicht gebildet hatte, nachdem ich dem Plan zugesagt hatte, rutschte kaum merklich etwas ab, als ich meine Bedingung stellte.

Was tat ich da nur? Wie sollte ich aus dieser Nummer je wieder raus kommen, ohne einen der beiden, die mir so ans Herz gewachsen waren, zu verletzen?
Wie hatte ich es nur so weit kommen lassen können?

Allerdings hatte ich nicht lange Zeit, um mir darüber meine Gedanken zu machen, denn am Nachmittag standen Sport und Leichtathletiktraining auf dem Programm. Jetzt wo ich als einzige die Nationalmeisterschaften erreicht hatte, verlangte Harry mindestens die dreifache Leistung von mir und am Ende des Tages fühlte ich mich so erschöpft wie schon lange nicht mehr.

Als ich mit Jolie im Schlepptau nach Hause kam, hatte ich eigentlich schon wieder komplett vergessen, dass mein Vater an diesem Morgen nicht da gewesen war. Erst jetzt, als alles dunkel war und kein köstlicher Abendessensduft durch die Räume waberte, fiel es mir wieder wie Schuppen von den Augen.

Zunächst dachte ich mir nichts dabei, sondern bestellte eine Pizza für uns beide. Die Kleine spielte im Wohnzimmer mit ihren Puppen vor dem Fernseher, während ich versuchte, mich auf meine Hausaufgaben zu konzentrieren.
Klappte aber nicht wirklich.

Ständig spukten mir verschiedene Gedanken im Kopf herum und immer wenn ich es gerade geschafft hatte, einen beiseite zu schieben, tauchte der Nächste vor meinem inneren Auge auf.

Machte Damien sich wirklich noch Hoffnungen in Bezug auf mich? Eigentlich hatte ich gedacht, dass er verstanden hätte, dass ich mich endgültig für Harry entschieden hatte. Und an dieser Entscheidung gab es auch nichts zu rütteln.
Und trotzdem war mein bester Freund immer so glänzender Laune in meiner Nähe und munterte mich auf, wenn ich unglücklich war.

Liebe kennt keine Grenzen (Abgeschlossen)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt