Kapitel 31

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„Also Madame, darf ich Sie zu dem wunderschönsten Restaurant der Stadt einladen?", begrüßte mich Charles mit dieser Frage, die mich aufhorchen ließ, weil ich dachte wir würden lediglich im Hotel essen gehen. „Ich bin für sowas nicht angezogen", antwortete ich traurig und zupfte an meinem Schlapperpulli rum. Es war ein ganz normaler Pulli, aber für das beste Restaurant war dieser nicht tauglich. Charles nahm meine Hand und streichelte mit seinem Daumen über meinen Handrücken. Diese Geste musste ich mir merken, weil sie etwas beruhigendes ausstrahlte. „Alana, du wirst auch mit diesen Klamotten hübscher sein als jede andere Frau dort, glaub mir." Trotz dieses Kompliments blieb ich skeptisch also bat ich ihn noch fünf Sekunden zu warten. Ich schlüpfte aus meinen Turnschuhen raus und wühlte  meine einzigen hochhackigen Schuhe aus meinem Koffer. Die waren schwarz, hatten bestimmt sieben Zentimeter Absatz und waren auf dem Fuß geschnürt, was sie noch edler aussehen ließ. Die skinny Jeans dazu passte ebenfalls perfekt, worin ich mich nun wohler fühlte. Ich trat nun zum zweiten Mal aus meinem Zimmer und konnte dem Monegassen fasst in die Augen schauen, was die Schuhe zusätzlich als Vorteil hatten. Denn in diese Augen konnte man nicht nicht blicken.

Jede Tür wurde mir aufgehalten und Charles fragte in regelmäßigen Abständen nach, ob alles für mich so okay sei, wie er es gerade tat. „Charles, es ist alles toll. Entspannt dich, bitte!", gab ich ihm mit einem strengen Unterton zu verstehen, weil ich seine Aufregung spüren konnte. „Ich möchte, dass du die Städte von ihrer besten Seite kennenlernst." Ich war gerührt von seiner Mühe, dabei kam mir jedoch immer wieder Charlotte in den Kopf, die vielleicht gerade zu Hause saß und ihm Nachrichten schrieb, in denen stand, wie sehr sie ihn liebte und vermisste. Mit diesen Gedanken vermieste ich mir selber die gute Laune und musste mich zusammenreißen, Charles den Abend nicht zu versauen, aber darüber mussten wir noch reden. Solche Unternehmungen fand ich unangemessen für Freunde.

Wir fuhren in seinem Ferrari durch die Straßen von Bahrein. Es war dunkel und die Lichter machten die Stadt noch schöner und teilweise auch mystischer als sie sowieso schon war. Ich war noch nie viel gereist, weil Papa und Lando immer zu Hause bleiben wollten, wenn sie mal Urlaub hatten. Die hatten gut reden, denn die beiden waren ständig auf Reisen. Ich sog jeden Kilometer, den wir fuhren, in mich auf und versuchte die Bilder abzuspeichern, sodass ich diesen Ausflug nie mehr vergessen würde. Das Auto heilt vor einem pompösen Gebäude. Um dort herein zu kommen, musste man eine Treppe hinauf steigen, die breiter war als so mache Einfamilienhäuser. Es erinnerte mich an Märchen wie Cinderella, wo sie ihren Schuh auf so einer Treppe verliert, aber wir waren hier in keinem Märchen. Ich sollte auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Um mir dabei zu helfen, hielt Charles mir die Beifahrertür auf und holte mich aus meinen Gedanken. Was ich noch nicht erwähnt hatte, war, dass der Mann vor mir ein Hemd anhatte und mir sagte, dass ich nicht underdressed wäre. Meine Skepsis kam zurück, als wir das Gebäude betraten und die Perlenketten der anderen Gäste mir fast mein Augenlicht nahmen. Wütend funkelte ich Charles von der Seite an, den das gar nicht zu stören schien. Aufgebracht kniff ich in seinen Oberarm, wodurch er mich endlich ansah. „Was soll denn das?" Ich machte eine ausladende Handbewegung in Richtung der anderen Gäste und zeigte dann an mir herunter. „Die Perlen. Alana keine Perlen. Alana Pulli und Jeans." Ich sprach so, um ihn zu ärgern. Doch anstatt bockig zu werden oder mein Problem zu verstehen, lächelte er mich an. Ich kriege die Krise bei diesem Mann. „Alana, die haben vielleicht Perlen, aber ddu bist trotzdem weitaus wertvoller vor allem in Jeans und Pullover." Normalerweise würde ich mich hier und jetzt übergeben, weil ich kein Fan von Schnulzen war. Solche Sätze fand man nur in Büchern oder Filmen romantisch, aber Charles Leclerc stand vor mir, sah unverschämt gut aus und machte mir derartige Kompliment, dass ich nicht dagegen ankämpfen konnte, mich im Outfit doch noch wohlzufühlen.

Ein Kellner kam zu uns und ich bemerke den musternden Blick an mir herunter. Ich gab mein Bestes diese Geste zu ignorieren, obwohl es meine Unsicherheit wieder in die Höhe trieb. Dieser Abend war aber auch anstrengend, was mein Selbstbewusstsein anging. „Tisch für zwei. Auf den Namen Leclerc." Mein bester Freund wirkte nicht bodenständig, während er das sagte. In diesem Moment kam auch seine Arroganz durch, was ihn attraktiver machte. Der Kellner nickte sofort ehrfürchtig und geleitete uns zu einem wunderschönen Tisch, der vor einem bodentiefen Fenster gelegen war. Durch dieses Fenster konnte man auf einen atemberaubend großen Brunnen blicken, der sogar beleuchtet war und das Gesamtbild noch faszinierender machte. Nachdem Charles meinem Stuhl zurückgeschoben und mich Platz nehmen ließ, konnte ich meinen Blick nicht von der Kulisse abwenden. Ich hatte etwas derartiges noch nie gesehen, obwohl meine Familie mit viel Geld gesegnet war. Solche Szenen blieben mir verwehrt und ich war dankbar, dass ich sie mit meinem besten Freund teilen durfte. „Was möchtest du Essen?", fragte mich mein Gegenüber, woraufhin ich einen ersten Blick in die Speisekarte warf. Nach einer Cola Zero oder einer Sprite suchte ich vergeblich und auch die Speisen waren nicht mein Stil. Ich wäre auch mit Spaghetti Carbonara oder einem Schnitzel zufrieden, aber kein Gerichte konnte ich annähernd aussprechen. Charles musste mein Gesichtsausdruck richtig gedeutet haben, denn er fing an mich auszulachen. Beleidigt legte ich die Karte nieder und wandte mich dem Brunnen zu. „Ach komm, sei nicht beleidigt. Auf was hast du denn Lust?" Ich seufzte. „Gibt es da irgendwas mit Nudeln?" Ich versuchte gar nicht erst nochmal die Karte zu entziffern, sondern ließ Charles für mich entscheiden. Er nickte und ich gab ihm zu verstehen, dass er das bitte bestellen solle und als Getränk war mir alles, wo Alkohol drin war, recht.

Between Good And BadWo Geschichten leben. Entdecke jetzt