Kapitel 45

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„Was?" Er wusste ganz genau wie er mich auf die Palme bringen konnte und das regte mich noch mehr auf. „Warum bist du eigentlich hier?", fragte ich, um davon abzulenken, dass ich Charles angestarrt hatte. „Ich hatte meine Schwester gesucht, aber die ist zu beschäftigt damit, meine Konkurrenten anzuschmachten. Wenn du weiter so sabberst, muss ich jemanden holen, um hinter dir auf zu wischen." Ich verzog das Gesicht und zeigte ihm meinen Mittelfinger. „Bei dir in der Box ist ja kein Platz mehr frei, da muss ich auf deine Konkurrenten ausweichen." Es war ja schließlich nicht meine Schuld, dass ich zu Charles gehen musste, wenn seine Box zu wenig Plätze hatte. „Ach, wenn das so ist..." Er sprach den Satz nicht zu Ende, stattdessen packte er meinen Arm und zog mich in Richtung Ferrari Box. Ich schlug auf seine Hand, in der Hoffnung, dass er sie loslassen würde aber keine Chance. „Charleeees", trällerte mein Bruder und ging auf Charles zu, als hätte er nicht noch ein Mädchen an der Hand. Waren alle Fahrer so stark?

Ich hatte gemischte Gefühle. Es war wieder komisch gewesen gestern Abend, weshalb ich Charles nicht näher als 5 Meter kommen wollte, andererseits schlich sich ein Lächeln auf mein Gesicht, als er zu uns sah. „Lando, was verschafft mir die Ehre." mein Bruder ließ endlich von mir ab und schlug mit dem Monegassen ein. „Meine Schwester ist boxlos. Darf ich sie hier parken?" Ich schlug die Hand gegen die Stirn. Als wäre ich so ein Hund. Charles musste sich ein Lachen verkneifen, aber nickte schließlich. Man hätte eine Tomate neben mein Gesicht halten können und es wäre kein Unterschied zu sehen gewesen. Lando ließ uns alleine und winkte nochmal zum Abschied. Ich drehte mich zu meinem Kumpel und lächelte ihn schüchtern an. Dann kam er einen Schritt auf mich zu und zog mich in eine lange Umarmung. Sein Duft hüllte mich wieder ein und ich sog ihn auf. Dieser Mann roch so verdammt gut. Seine starken Arme waren um mich geschlungen, als wolle er, dass niemand mich ihm wegnimmt. Dieses Gefühl ist so schwer zu beschreiben. Ich spürte seinen Atem an meinem Ohr und er flüsterte: „Ich freue mich, dass du hier bist. Du bist mein Lucky Charm." Er löste sich aus der Umarmung aber drückte mir noch schnell einen Kuss auf die Wange bevor er den Rufen seines Teamchefs folgte.

Immer noch überwältigt von seinen Worten, gesellte ich mich zu einem Ingenieur und setzte mir die gereichten Kopfhörer auf. Ich war erfüllt von Aufregung und gleichzeitig einer inneren Ruhe, dass ich schmunzelnd den Bildschirm beobachtete ohne einen negativen Gedanken auf dieser Welt, bis ich etwas sah, was meine Glückseligkeit störte. Eine bildschöne Frau betrat die Box und begrüßte alle, als würde sie zur Crew gehören. Beine bis zum Himmel, lange glänzende Haare und ein Lächeln, das jeden weich werden ließ. Ich wusste dass ich nicht hässlich war, aber in mir kamen Minderwertigkeitskomplexe auf, die ich in so einem ausmaß noch nie erlebt hatte. „Charlotte!", schrie eine Frau von weiter hinten aus der Box. Charlotte, Charlotte... Ich kannte diesen Namen. Ich grübelte bis der Groschen fiel, als sie sich mir vorstellte und ich ihre Kette sah: C+C
Mir wurde übel. Ich gab ihr freundlich die Hand und stellte mich förmlich vor. Ein Gefühl von Schuld überkam mich. Sie war Charles Freundin und ich provoziere ihren Freund. Das war alles nicht richtig von mir.

„Darf ich fragen, was für eine Position du hier hast?" Sogar ihre Art zu reden sprudelte vor Eleganz. Ich fühlte mich so winzig neben ihr. „Ähm... ich bin Landos Schwester." Mehr bekam ich nicht raus, was ihre Frage auch nicht wirklich beantwortete. „Und wieso sitzt du bei Ferrari? McLaren ist weiter vorne." Sie lachte leicht und auch ihr Lachen klang melodisch, was mich noch mehr einschüchterte. „Ich bin ne Freundin von Charles und er hatte mir angeboten hier zu sitzen." In ihrem Blick änderte sich etwas. Vor meiner Aussage war sie freundlich, doch nun zierte etwas wütendes ihr Gesicht. Ich schluckte schwer. „Das ist eigentlich mein Platz. Also, wenn ich bitten darf." Ich nickte langsam, legte die Kopfhörer ab und machte ihr Platz aufm Stuhl. Ich wollte keinen Streit anfangen und Charlotte hatte eindeutig mehr zu sagen, weshalb ich ihre keine Konkurrenz machen wollte.

Ich setzte meinen Weg im Paddock nun zum dritten Mal fort. Nur gingen mir mittlerweile die Möglichkeiten aus. Ich kannte kaum andere Fahrer, aber einer kam mir noch in den Sinn, ich musste ihn nur finden.

„Mick!"

Between Good And BadWo Geschichten leben. Entdecke jetzt