45. Daniel und Nicnevin

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**In diesem Kapitel wird Hexenverfolgung thematisiert.**


1662

Der Ritt durch den Norden war lang und sowohl die Pferde als auch die Reiter waren erschöpft, als sie kurz vor dem Einbruch der Dunkelheit eintrafen. Ihnen wurde im kleinen Ort Gastfreundschaft zuteil, jedoch nicht aus Offenherzigkeit, sondern aus reinem Pragmatismus. Schließlich handelte es sich um englische Soldaten, ihrer Uniformen nach von jemandem hohen Standes entsandt. Hoffentlich kamen die Männer – 13 an Stück – nicht vor zu bleiben, beteten die schottischen Einwohner des Ortes. Sie sollten auf der Durchreise sein und irgendwo in den tieferen Highlands einen anderen Auftrag für König Karl II. oder das Parlament zu erledigen haben. Ihre Hoffnungen sollten zerstört werden. Der Offizier der kleinen Garde kehrte mit freudigen Nachrichten zurück, nachdem er einen Stalljungen des Gasthofes angeherrscht hatte, sich mit den Vorbereitungen zu beeilen. 

„Wir haben es geschafft, Männer. Wir sind in Dundruy." 

Ein anderer junger Mann, der Jüngste unter den Soldaten, stieg von seinem Pferd und strich über sein braun-rötliches Fell, während er sich umsah. „Dundruy...", wiederholte er und sein Blick streifte über die Dächer der beschaulichen Häuser, die sich in diesem Stückchen Land angesiedelt hatten. „Wusstet Ihr, dass der schottisch-gälische Name dieses Dorfes Dùn Draoidh lautet? Wisst Ihr um die Bedeutung dieses Namens?"

Der Offizier fuhr dem Jüngeren durch sein gelocktes hellbraunes Haar und zog ihn mit sich von den Pferden weg. „Schon wieder eine unnötige Sprache, die deine Mutter dich hat lernen lassen. Es ist schon genug, dass die Bevölkerung Scots spricht und das Englisch mit ihrem Akzent so schwer zu verstehen ist. Das Gälische klingt fast genauso, wie wir den Ort nennen. Aber kläre mich auf, Sohnemann."

„Es heißt 'Druidenfestung'", erklärte der Junge, der Sohn des Offiziers und schmunzelte über seinen Vater. Sein Vater, Offizier und Lord Jophiel Bolt, hatte ähnliche helle Gesichtszüge wie sein Sohn, sie glichen sich in der Krümmung ihrer Nase und ihren braunen Augen. Nur das Lächeln, welches sich auf dem Gesicht von Lord Bolt ausbreitete, war anders als das seines Sohnes. Es war schmallippig und reichte nicht bis zu seinen Augen.

„Druidenfestung? Wie passend. Früher wurden diese Wesen Druiden genannt, als wären sie Heiler und Gelehrte der Natur. Heute suchen wir nach ihnen, diesen teuflischen Hexen, um sie von ihren dämonischen Pakten zu befreien."

Der junge Mann tastete nach seinem Degen, den er am Gurt seiner Uniform mit sich führte. Seine und die Waffe seines Vaters hatten eine andere Schneide und Krümmung als die der restlichen Soldaten, da es sich nicht um eine gewöhnliche Waffe handelte, sondern um ein Artefakt, von dem Träger erschaffen. Ein Engelsschwert. 

„Ich bin dankbar, dass Ihr mich mitgenommen habt, Vater. Ich wollte schon immer Forschungen zu dem Problem unserer Zeit anstellen."

„Problem!", höhnte Lord Bolt. „Hexen suchen den Teufel, wie die Motte vom Feuer angezogen wird. Sie sind gefährlich, für Menschen und für Engel gleichermaßen. Deswegen ist es gut, dass wir die menschlichen Oberhäupter davon überzeugen konnten, dagegen etwas zu unternehmen. Sie machen die Sache gut, die Menschen. Seit König James VI. von Schottland die Hexenverfolgung auf der englischen Insel durch sein Buch der Daemonologie 1597 eingeführt hat, sind sie fast zu übereifrig."

Jophiel Bolts Lachen hallte durch die Straße. Er hatte kurz innegehalten und sie folgten den anderen Soldaten in ihre Bleibe, wo sie sich den Magen vollschlagen würden, begleitet von alkoholischen Getränken, um die Moral anzuregen. Danach würde es weitergehen. Sie ließen es aussehen, als würden sie sich schlafen legen, doch sie würden diese Nacht bereits zuschlagen. „Unsere Spezies der Engel muss in den Fällen eingreifen, bei denen wir sicher sind, dass es sich um mächtige Hexen handelt. Und du hast eine starke dämonische Magie gemessen, nicht wahr, Daniel mein Junge?"

Stonegrave: Schule der Engel und HexenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt