36. Kein Kleid

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„Mrs. Raven hat dich in ihrem Büro gerügt? Bereits am zweiten Tag?", fragte meine Mutter erneut. Ich war nach meiner ersten Woche an der Stonegrave High am Samstag nach Hause zurückgekehrt.

„Sie hat sich beschwert, dass ich den Unterricht geschwänzt habe und mich kaum beteilige", wiederholte ich, langsam genervt von ihrem ständigen Nachfragen.

Großzügig schenkte sie mehr von der giftig orangenen Limonade in mein Glas, Süßzeug das sie mir sonst nie kaufte. Sie schien mich wirklich vermisst zu haben. „Das ist meine Tochter", sagte sie stolz.

Ms. Crow schnalzte mit der Zunge und verdünnte das Getränk mit Orangensaft, was trotz meiner ersten Proteste erstaunlich gut schmeckte. „Du solltest sie nicht dazu ermutigen, ihre Bildung zu vernachlässigen, Luise."

Luise rümpfte ihre Nase und schüttelte ihre langen, schwarzen Haare aus. „Nichts Gutes kann aus dem Besuch dieser Schule entstehen." Meine Mutter schenkte mir ein warmes Lächeln. „Ich bin froh darüber, dass Callie sich an meine Worte hält und sowohl Hexen als auch Engel meidet. Sie sieht genauso wie ich, dass Magie nichts als Gefahr bringt und nur Misere verbreitet."

Ich dachte an Ry und an den warmen Tag, als ich mit seinen Freunden Aliae Omnia spielte und nippte nachdenklich an meinem Saft.

Ms. Crow verpasste meiner Mutter einen Klaps auf ihren Hinterkopf, als müsste sie ein Kind tadeln. „Gefahr und Misere ist nicht alles, das die Welt der Engel und Hexen bringt. Hast du ganz vergessen, was du Callie jetzt zeigen kannst, nun da sie Bescheid weiß?"

Sie richtete ihren herrischen Blick auf mich. „Deine Mutter und du werdet heute einen Ausflug unternehmen. Ihr werdet gemeinsam einkaufen gehen. Ich brauche Eier und Kartoffeln und wehe du kaufst mehr von diesem grässlichen Irn Bru." Schon war eine Liste geschrieben, die sie mir in die Hand drückte.

„Warum gehen Sie nicht einkaufen?", beschwerte ich mich und lehnte mich stöhnend zurück. „Ich war die ganze Woche in der Schule und außerdem ist mein Arm nicht verheilt."

„Das geht nicht. Ich bin der gute Geist dieses Hauses."

Ms. Crow begann abzuräumen und uns das Essen wegzunehmen. „Außerdem werdet ihr zu Läden gehen, in denen die Dämonenkralle nicht zu einem Problem werden kann. Du kennst sie alle noch, Luise?"

Da wurde ich gleich wacher. „Wer schert sich nicht um meine Dämonenkralle?", fragte ich meine Mutter. Diese hatte einen nachdenklichen Blick aufgesetzt und strich sich über die Unterlippe. „Das könnte allerdings lustig werden", gab sie leise zu.

Ich wurde abgelenkt von ellenlangen Handschuhen, die vor mir auf den Tisch flatterten. Sie rochen, als wären sie alt und hätten in einem muffigen Regal gelegen. „Diese hier wirst du trotzdem brauchen, falls euch Leute aus der Stadt begegnen."

„Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist", besann ich mich. „Was ist, wenn ich auf meine Freunde von der Denso High treffe..."

Neben mir schob Luise voller Elan ihren Stuhl beim Aufstehen beiseite. Sie gab Ms. Crow ein Küsschen auf die Wange. „Ein grandioser Einfall, Ms. Crow! Callie, zieh dich um. Wir machen uns gleich auf den Weg."

Wir waren in dem gewöhnlichen Supermarkt von Stonegrave und meine Mutter packte einige Schokoriegel in unseren Einkaufskorb. Ich lugte argwöhnisch um jede Ecke in Sorge, dass Joeline oder jemand anderes den ich kannte, plötzlich vor mir stehen konnte. Ich hatte sogar eine Sonnenbrille aufgesetzt und fühlte mich zusammen mit meinem Mantel und den ellenlangen Handschuhen wie Audrey Hepburn in Frühstück bei Tiffany. Oder wie der lokale Teenager, der an einem Samstagmittag ein viel zu auffälliges Outfit überlegt hatte, um Bier zu klauen. Ich erregte mehr neugierige Blicke, als mir lieb war, aber vielleicht bildete ich mir das nur ein und war dramatisch, wie mein kopfeigener Dämon Astaroth mich nannte.

Stonegrave: Schule der Engel und HexenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt