Nach einem besonders stressigen Schultag endete ich in dem kleinen Supermarkt der Stadt, auf der Suche nach einem Mountain Dew und Schokoriegeln. Ungesunde Ernährung ließ Mama nie ins Haus, weswegen ich mich ab und zu heimlich hierher schleichen musste. So wie heute.
Meine Stimmung war nach einem unangesagten Test in der Schule auf Nullpunkt gesackt und hielt sich auch während des danach folgenden Fußballspieles beharrlich dort. Das Problem meiner Mannschaft war, dass niemand Lust hatte. Wir spielten lediglich einmal im Jahr gegen eine Schule der benachbarten Stadt und um da zu verlieren brauchte man sich nicht anzustrengen. Die meiste Zeit verschwendeten wir mit nutzlosen Aufwärmübungen oder zu langen Trinkpausen. Unser Teamcaptain versuchte nicht einmal die Motivation zu steigern. Als ich ihr einen Verbesserungsvorschlag unterbreitete meinte sie patzig: „Dann übernimm du doch die Führung, wenn du alles besser weißt." Das tat ich selbstverständlich nicht. Auflehnung gegen den beliebten Teamcaptain kam an der Denso High sozialen Selbstmord gleich.
Ich schnappte mir einen weiteren Schokoriegel bei den Gedanken an Joeline. Die war in letzter Zeit auch so gereizt. Vielleicht sollte ich bei ihr vorbeischauen und ihr einen mitbringen. Das war beschlossene Sache. Ich war noch nie bei Joeline im Haus gewesen, begleitete sie nur auf dem Nachhauseweg, da es auf meiner Route lag.
Sie lebte in einem kleinem Haus, das noch recht frisch angestrichen war. Hinten besaß sie einen Gemüsegarten, genau wie bei Omas altem Haus. Vorne standen viele komische Figuren herum, kleine nackte Gnome aus Stein mit wütend verzerrten Fratzen. Immerhin besser als Gartenzwerge. Ich drückte auf die Klingel und ein Gong ertönte. Eine Frau mit grauem Haar und eingefallenem Gesicht öffnete mir. Sie war wohl Joelines Mutter, die extrem schüchtern war. Bis jetzt hatte ich sie rein zufällig gesehen, als sie zu dicht am Küchenfenster lehnte und herausspähte um mich und Joeline zu beobachten wenn ich sie nach Hause begleitete. Auch jetzt wieder guckte sie ängstlich und etwas traurig, öffnete mir aber die Tür bevor sie in ihr Haus zurück huschte.
Ich trat ein. Der Eingangsflur wirkte sehr dunkel und es roch muffig.
„Joeline?", rief ich laut.
„Ich habe diese coolen Riegel im Supermarkt entdeckt, Limited Edition."
Im Haus regte sich nichts.
„Joooooeline!", versuchte ich es erneut.
„Was machst du hier?", fauchte sie mich unvermittelt von hinten an.
Als ich mich umdrehte stand Joeline hinter mir im Eingang mit einer frisch geernteten Karotte in der Hand.
„Oh wie cool.", plauderte ich. „Ich wünschte ich hätte einen grünen Daumen. Das Zeug würde bei mir eingehen, wenn Ms. Crow sich nicht darum kümmern würde."
Joeline guckte mich finster an.
„Wie bist du ins Haus gekommen?", fragte sie bedrohlich leise.
„Ich habe die Tür nicht offen gelassen."
Ich blinzelte verunsichert.
„Deine Mutter hat mich rein gelassen?" Ich fuhr mir beschämt durch den Pony und meine Antwort klang mehr wie eine Frage. Meine neue Freundin hatte sich noch nie so kühl verhalten. Meistens war sie ein lächelnder, Romane quasselnder Sonnenschein.
Joeline rührte sich nicht von der Schwelle.
„Ich glaub dir nicht."
Nervös trat ich zur Seite um sie durch zu lassen.
„Doch, sie war gerade noch hier.", beteuerte ich.
„Ich GLAUB DIR NICHT!", brüllte Joeline jäh. Ihr Gesicht war wutverzerrt, wie die Gnome. Spucketröpfchen schossen aus ihrem Mund heraus. Sie drückte ihren spitzen Zeigefinger in meine Brust und schob mich gegen den Türrahmen.
„Lügnerin! Du verziehst dich jetzt besser." Sie warf mich aus ihrem Haus raus und schlug die Tür laut wie ein Donnern hinter mir zu. Wie erstarrt stand ich vor ihrer Schwelle. Der Schokoriegel schmolz in meiner Hand. Mit hängenden Schultern ging ich zurück nach Hause, mir meine eigenen Gedanken machend.
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Stonegrave: Schule der Engel und Hexen
FantasyCallie Newsland zieht mit ihrer Mutter aus dem schönen London zurück in das alte Haus ihrer Großmutter in einer schottischen Kleinstadt. Doch ihre Großmutter scheint mehr Geheimnisse gehütet zu haben, als es Callie lieb ist. Was hat es mit dem selts...
