Vor lauter Sprachlosigkeit blieb mir der Mund offen stehen.
Da hatte ich nur einige Steine aufeinandergestapelt, meine Zimmerwand bekleckert und einen Spruch aufgesagt und doch tat sich auf einmal eine waschechte Tür vor mir auf. Sie war dick, unsymmetrisch und hatte keinen Griff, aber sie diente ihrem Zwecke.
Ich zog beim Durchgehen den Kopf ein, um nicht an der Decke anzustoßen. Fasziniert berührte ich die Steinbrocken, die von einer Schicht aufgespachteltem Lehm an Ort und Stelle gehalten wurden.
„Wie ist das möglich?", wisperte ich.
Mit mir an deiner Seite, flüsterte der Dämon verführerisch. Kannst du alles schaffen.
Gedanklich schubste ich ihn beiseite und sah mich in Oma Rosalines Raum um. Seit meinem letzten Besuch hatte sich kaum etwas verändert. Trotzdem schien der Raum ohne meine Freundin an meiner Seite dunkler und unheimlicher als vorher zu sein. Die hohen Bücherregale ragten schwerfällig ihn die Höhe, das Glasdach glitzerte bösartig. Schnell trabte ich durch den Gang zu Großmutters Schreibtisch. Die Bilder standen dort, wo ich die zurückgelassen hatte. Diesmal wollte ich das Foto von meiner jüngeren Verwandten aus dem Rahmen nehmen, um die Rückseite näher unter die Lupe zu nehmen. Viele schrieben Daten oder Sprüche dorthin, wenn sie das Bild nicht in einem Fotoalbum einfügten. Nach so einer Dokumentierung der Vergangenheit würde ich als Nächstes Ausschau halten.
Der Dämon gähnte, während ich mich an dem Rahmen zu schaffen machte.
Ist das nicht langweilig? Ich dachte, dass du nach Hexen und Engeln suchen würdest.
„Es gibt keinen besseren Ort, um damit anzufangen. Ich bin dankbar für deine Hilfe. Aber den Rest schaffe ich alleine.", meinte ich und wendete das Bild in meiner Hand. Zu meiner Enttäuschung war das in schwungvoller Handschrift auf der Rückseite Notierte ausgeblichen und unleserlich.
Tja, meinetwegen. Tatsächlich habe ich dich aber hierhergebracht, weil ich darüber Bescheid weiß, in welchen Ecken man auf bedeutsame Fundstücke stößt.
Nachdenklich ließ ich das Foto in seinem Rahmen einrasten. Ich machte eine Kopie davon mit meinem Handy. So musste ich mich nicht noch einmal zurück schleichen, wenn ich mir es ansehen wollte. Was wollte mir der Dämon so unbedingt zeigen, dass er mich sogar ein Ritual lehrte? Und inwiefern halfen die Informationen, die ich erhalten würde, auch ihm weiter? Denn eins wusste ich, wenn mir der gewiefte Dämon etwas umsonst anbot, dann versteckte sich dahinter ein Eigennutz.
Du wirst es zu sehen bekommen, wenn du den Spiegel säuberst, hauchte er verlockend.
Deine Großmutter hat dort etwas verborgen. Einen ganz besonderen Gegenstand.
Ich wusste, dass ich dem Dämon nicht vertrauen sollte.
Aber ein winziger Blick konnte nicht schaden.
Ich streckte die Fingerspitzen aus. Sie juckten, als ich mich an den letzten Stupser auf der glatten Spiegelfläche erinnerte. Dieses Objekt war definitiv von Magie umgeben, so wie meine selbst erschaffene Tür. Der Rahmen war schlicht und dunkel, die Scheibe von Schlieren verklärt. Ich legte meine Finger auf die kahlen Stellen, die mein vorheriges Anfassen hinterlassen hatten. Dann spreizte ich sie auseinander und drückte meine ganze Handinnenfläche gegen das Glas.
Nichts geschah.
Mich durchfuhr kein Schlag, und die Welt spaltete sich auch nicht in zwei Hälften auf, sodass aus dem Krater die Flammen der Hölle aufstiegen und über die Erde züngelten. Der Dämon hatte solche Gedanken in mir verpflanzt, dass ich seit dem Vorfall mit dem Besuch einer Hexe in der Nacht bei jedem Ereignis mit einer verzwickten magischen Falle rechnete.
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Stonegrave: Schule der Engel und Hexen
FantasyCallie Newsland zieht mit ihrer Mutter aus dem schönen London zurück in das alte Haus ihrer Großmutter in einer schottischen Kleinstadt. Doch ihre Großmutter scheint mehr Geheimnisse gehütet zu haben, als es Callie lieb ist. Was hat es mit dem selts...
