19. Rätsel des verstorbenen Schülers

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Der Friedhof machte dem Namen Stonegrave der schottischen Kleinstadt alle Ehre.

Ich war bereits auf einem Friedhof in London gewesen und auch auf diesen, deshalb wusste ich noch, wo er lag. Aber das war eine ganze Weile her und seit Omas Tod vor mehr als zehn Jahren war ich nicht mehr dort gewesen.

Ich erinnerte mich, dass auf diesem Friedhof die schönsten Grabsteine standen. Manche waren ganz schlicht und andere spielten mit verschiedenen Steinarten und ausgefallenen Gravuren.

Kühler Wind zupfte an meiner Kleidung, als ich das gusseiserne Schlosstor aufschwingen ließ und über den Friedhof lief.

Oma Rosalines Grabstein war aus einfachen grauen Stein und wurde mit edlen Lapislazuli- Adern verfeinert, die man von der Weite für Moosflechten halten könnte.

Rosaline Newsland stand darauf in groß geschriebenen Lettern. Geliebte Mutter und Beschützerin. Ich fuhr mit meinen Fingern über die Gravur. Das Wetter hatte sie kalt gemacht, doch die gemeißelten Einkerbungen fühlten sich sanft unter meiner Haut an. Plötzlich entdeckte ich etwas, das meinen Atem stocken ließ. Es war ein kleines, unauffälliges Wappen am Rand der Inschrift. Es war das Wappen der Stonegrave High.

Ich wollte das Symbol berühren, schreckte in der letzten Sekunde jedoch davor zurück. Ich hatte dem Wappen bis jetzt kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Nun schaute ich es mir genauer an.

Das Wappen bestand aus einem runden Kreis mit einem Stern in der Mitte. Es ähnelte einem Pentagramm, nur dass die zwei oberen seitlichen Sternzipfel mit fedrigen Flügel ersetzt wurden, von denen Flammen in die Höhe leckten. Darunter stand wieder der Spruch „discere ut praesidio". Lerne, um zu schützen.

Mein Blick schnellte zu Omas Grabesinschrift zurück. Rosaline Newsland. Die Beschützerin.

Ich schüttelte wild meinen Kopf, bis mir alle Strähnen meines Ponys in die Stirn fielen.

„Könntest du bitte damit aufhören, meine Gedanken zu beenden?", fragte ich wütend in die Luft.

Die Stimme kicherte in meinen Kopf.

Ich stimme dir zu, kleine Newsland. Es ist viel unterhaltsamer, wenn du das Rätsel selbst zu entschlüsseln versuchst.

„Ich möchte niemals einen Dämon einen Gefallen schulden."

Nach meinen Recherchen im Internet konnte das nur damit enden, dass ich meine Seele verkaufte und er mich in der Hölle schmoren ließ oder ich ihm auf ewig Dienste leisten musste.

Spielverderberin. Ich würde doch nicht so etwas drastisches einfordern. , sagte die Stimme eingeschnappt. Der Gefallen darf nur so groß sein, wie der Wunsch, der erfüllt wurde.

„Vergiss es."

Ich legte einen kleinen Strauß Wildblumen auf dem Grabstein ab, die ich auf dem Hinweg in einer Wiese gepflückt hatte.

Dieses Wappen auf Großmutters Grab machte eine Sache eindeutig. Der Schule der Engel und Hexen war man ein Leben lang verpflichtet. Doch was wollten sie so unbedingt schützen?

Worauf wurden die Schüler vorbereitet?

Vielleicht würde mir ein anderes Grab mehr verraten. Ich fand es da vor, wo Joeline es mir beschrieben hatte. Es war ein riesiges Grab. Mit der steinernen Überdachung fast schon ein Mausoleum. Und über der Kuppel, die sich über die komplette Grabfläche spannte, ragte die Statue eines riesigen Engels in den Himmel. Es hätte mich nicht allzu sehr wundern sollen. Aber eine Engelsstatue bewies noch lange nicht, dass der Gestorbene auf eine außergewöhnliche Schule gegangen war. Viele normale Menschen hatten ebenfalls solch ausgefallene Statuen auf ihren Gräbern. Schweigend blieb ich vor dem Grab stehen und faltete die Hände.

Stonegrave: Schule der Engel und HexenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt