46. Das Geschenk einer Hexe

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**In diesem Kapitel wird Hexenverfolgung thematisiert

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**In diesem Kapitel wird Hexenverfolgung thematisiert.**

1662, Dùn Draoidh

Die nächsten Nächte fand Daniel wenig Schlaf. Er brütete in der Festung in einem kleinen Zimmer, in welchem er sein Schlaflager eingerichtet hatte. Es war zwar kaum groß genug für sein in tiefe Gedanken versunkenes auf- und ablaufen, erst recht nicht da es ein weit aufklaffendes Fenster mit bröckelndem Sims hatte, durch welches das grelle Licht tagsüber reinschien und vor dem der zerstreute Daniel schnellstmöglich kehrt machen musste, bevor er mitsamt seiner sich kreisenden Gedankenexperimente versehentlich aus dem oberen Stockwerk fiel. Daniel Bolt hatte dieses Zimmer aus einem bestimmten Grund gewählt; wegen der Steinnische, die in die Wand eingelassen war und welche er als Tisch missbrauchte und seine Schreibutensilien wahllos verteilte. Jophiel Bolt störte es nicht, dass sein Sohn sich zurückgezogen hatte, gleich nachdem er die Hexe zum ersten Mal besuchte. Er kannte Daniels Stimmungen und er wusste auf den ersten Blick: sein Junge war inspiriert. Es war eine Faszination, die er ebenfalls auf Hexenjagden empfand und von der er sich freute, sie mit der nächsten Generation zu teilen: Die Faszination mit etwas abgrundtief Bösem und dessen Erlösung. Daran dachte er zumindest, wenn er die Hexe besuchte, zusammen mit einigen seiner Soldaten, die sie festhalten würden, während er die Gerätschaften aus seiner Kiste testete. Er summte fröhlich zu den Schreien, die in seinen Ohren gellten.

Daniel währenddessen war über seinen Schreibtisch gebeugt und hörte nur das Kritzeln seiner Feder auf dem billigeren Papier, waren es doch zusammenhangslose Notizen, und der Geruch des herberen und teuren Pergaments, auf welches er mit Tinte die sicheren Feststellungen bis unter die Oberfläche einritzte, damit die geschwungenen Buchstaben sich nicht verzogen.

Nach diesen schlaflosen Nächten trat Daniel von dem voll beschriebenen Pergament zurück und betrachtete es. Vor ihm ergab sich das Werk eines Wahnsinnigen: der Tisch von Kerzenwachs besprenkelt, Federn, die vor lauter Druck am Keil gespalten waren und die er achtlos aus den Boden geworfen hatte, wo sie sich in einer Lache dunkler Tinte schwärzten. Das Tintenfass von dem er nicht bemerkt hatte, dass er es umgestoßen haben musste und das in einem Rinnsal über die Steinmauer tropfte. Doch die wahre Schöpfung eines Irren hatte Daniel auf dem Pergament verfasst. Er wagte es nicht, laut auszusprechen, was er niedergeschrieben hatte. Er rollte es hastig zusammen, und schob es unter seinen Schlafsack. Endlich war sein Verstand müde, aber halbwegs beim alten. Vielleicht sollte er die Schriftrolle verbrennen. Er konnte sie niemandem zeigen. Er konnte mit niemandem darüber sprechen. Oder etwa doch? Stattdessen suchte er nach seinem Vater, sein Vater der einen Blick auf seinen Sohn warf, mit seinen bleichen Wangen und den rastlosen Augen und ihn sofort verordnete, etwas zu essen. Nach der Mahlzeit legte Daniel das Besteck beiseite und sagte: „Ich muss sie sehen."

Ohne ihren Namen auszusprechen, Nicnevin, wusste Jophiel Bolt, dass es um die Hexe ging.

„Heute geht es nicht", antwortete er und tupfte sich den Mund ab, nachdem er ebenfalls sein Essen beendet hatte. „Sie muss isoliert werden nach der Befragung. Morgen lasse ich dich zu ihr. Aber wir nehmen Soldaten mit. Die Hexe zeigt zurzeit äußerst teuflische Tendenzen."

Stonegrave: Schule der Engel und HexenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt