Diese Situation brachte böse Erinnerungen zutage.
Jemand, der unbemerkt im selben Haus lebte, wie wir?
Das kam dem Stalker meiner Mutter in London schon gefährlich nahe.
Ich machte mit Joeline aus, dass sie bei mir übernachten würde, damit wir das Zimmer gemeinsam unter die Lupe nehmen konnten. Ich wollte unter keinen Umständen meine Großmutter mit dem Betreten ihrer Räumlichkeiten entehren, sowie es Ms. Crow großspurig darstellte. Aber ich musste wissen, ob ich mir die Geräusche nicht nur eingebildet hatte. So einiges war seltsam in Stonegrave und in unserem neuen Zuhause. Die befeindeten Schulen, die antiken Figuren an den Wänden des Hauses, das alte Kindermädchen... ich musste den Dingen auf den Grund gehen und am Besten bei mir selbst beginnen.
Meine Mutter wirkte ein wenig überrascht, als Joeline zum Abendessen vorbeikam, Ms. Crow war missbilligend. Sie klatschte eine Landung einheimischen Shepherd's Pie auf Joelines Teller und fragte anklagend: „Hast du deine Stimme gegen Callie Newsland, der Tochter von Luise Newsland, erhoben?"
Abwehrend nahm ich Ms. Crow die Löffel aus den Fingern und verteilte das restliche Abendessen mit einer ruhigeren Handgebung.
„Alles ist in Ordnung, Ms.Crow. Joeline hat sich dafür bei mir entschuldigt."
Etwas gelassener schnaubte Ms. Crow und entfaltete die Servietten. „In Zukunft wünsche ich mir einen gemäßigten Tonfall gegenüber der Tochter des Hauses, junge Ms. Balder."
Joeline nickte höflich und Ms. Crow zog sich in die Küche zurück. Meine Mutter brach das Eis mit einem heiteren Lachen.
„Ich freue mich, eine neue Freundin von Callie kennenzulernen. Erzähl doch ein bisschen über dich, Liebes. Magst du Fußball genauso sehr wie meine Tochter? Sie schießt die Bälle ins Tor, das kann ich mit Stolz behaupten."
Ich wurde rot. „Mama!"
Joeline hatte überhaupt kein Interesse an Fußball. Sie hatte sich vor meinen Eintreffen kein einziges der Wettkampfspiele angesehen. Nun zwinkerte sie gelassen.
„Ich verstehe leider nicht viel von Fußball. Aber ich werde Callie auf jeden Fall anfeuern, Ms.Newsland."
Erfreut klatschte meine Mutter in die Hände und ich verbarg mein Gesicht unter dem Pony. Sie konnte so peinlich sein, wenn sie meinen Freundinnen unbedingt Informationen aus der Nase ziehen wollte.
Sobald wir fertig gegessen hatten, packte ich Joeline an der Hand und wir verabschiedeten uns für den restlichen Abend. Ich richtete eine Matratze in meinem Zimmer ein und Joeline sah aus dem Fenster.
„Du hast ja einen ganz schön guten Blick auf die andere Schule.", bemerkte sie. Ich gesellte mich zu ihr. Schon wieder befanden sich Schüler auf dem Sportfeld, warfen und traten einen Ball in die Höhe. Der Sporthof hatte sowohl Tore als auch ein Netz in der Mitte. Trotz der schicken Sportuniformen sah die eine Mannschaft an Spielern irgendwie abgehalfterter aus, als die andere. Die einen standen zusammengekauert, als würde ein bloßer Windstoß sie fort wehen, während die auf der anderen Seite sich anmutig und stolz bewegten.
„Ich kann nie ganz entschlüsseln, nach welchen Regeln sie überhaupt spielen.", gab ich zu.
Trotzdem wusste ich, welche der beiden Gruppen gewann. Sie hatten immer dieselbe Aufteilung und es war mitleiderregend, der schwächeren Mannschaft zuzusehen.
Joeline zog die Vorhänge zusammen. „Du musst dich bei denen auf Abstand halten.", warnte sie mich inständig. „Ich habe gehört, dass vor einigen Jahren ein Schüler gestorben ist."
„Wie konnte das passieren?", fragte ich, aber sie ignorierte meine Erwiderung.
Joeline spähte aus dem Gang nach unten. Sie zog den Kopf zurück und gestikulierte wild mit den Händen.
„Komm schon.", formten ihre Lippen lautlos. Mama und Ms. Crow waren unten beschäftigt.
Sie winkte in Richtung der geschlossenen, schwarzen Tür mit dem altmodischen Klopfer und dem massiven Drehknauf am Ende des Flures.
Jetzt oder nie.
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Stonegrave: Schule der Engel und Hexen
FantasyCallie Newsland zieht mit ihrer Mutter aus dem schönen London zurück in das alte Haus ihrer Großmutter in einer schottischen Kleinstadt. Doch ihre Großmutter scheint mehr Geheimnisse gehütet zu haben, als es Callie lieb ist. Was hat es mit dem selts...
