Einen Tag später lag ich auf schlammiger Erde und schürfte mir die Wange an einem Stein auf, weil jemand versuchte meinen Kopf hartnäckig in den Untergrund zu rammen. Da wurde mir langsam bewusst, dass es vielleicht die falsche Entscheidung war, gerade Ry Ashbury zu daten. Aber alles zu seiner Zeit. Am Anfang hatte ich noch nicht gewusst, was für eine brutale Sportart Alia Omnia sein konnte.
Nichtsahnend hatte ich mich mit meinen Mitschülern auf dem Sporthof versammelt und kreiste meine Arme und Beine, um die Gelenke aufzulockern, bevor wir als Aufwärmübung um den Platz joggten. Ich hatte das neue Trainingstrickot angezogen, welches meine Mutter und ich bei Madame Leroy ausgesucht hatten. Medea hatte den dunklen, fließenden Sportstoff betrachtet und mich beim Joggen über den Hof verfolgt, weil sie ihn unbedingt berühren wollte.
„Wo hast du das her, diese unzerstörbaren Lagen? Meine Sportsachen kann ich nach jedem Spiel höchstens ein, oder Zweimal tragen."
Ihr leicht verrücktes Lachen, das mir hinterher hallte, hatte meine Schritte beflügelt, obwohl das rothaarige Mädchen nicht sonderlich schnell war. Nach den Aufwärmübungen waren wir beide außer Atem. Vielleicht war es das erste Warnzeichen gewesen, dass Alia Omnia nicht das entspannte Spiel war, welches ich spaßeshalber mit Ry und seinen Freunden geprobt hatte.
Der zweite Hiobsbote war eine griesgrämige, schwarzhaarige Gestalt, dessen Gesicht ich schon fast vergessen hatte, so selten sah ich ihn im Unterricht. Merlin Maleficus ging neben mir mit finsterer Miene in den Ausfallschritt. Die Pose passte überhaupt nicht zu der Ernsthaftigkeit, mit der er sie ausführte. Sein langes Haar hing ihn ausnahmsweise mal nicht chaotisch ins Gesicht, sondern war zu einem gepflegten Pferdeschwanz festgezurrt. Seine mit dunklen Ringen betonten Augen streiften zu den Engeln, die sich auf der gegenüberliegenden Seite aufwärmten. Kurz schien es mir, als würde ein blonder Haarschopf aus der Menge aufblitzen und ein mörderischer Blick auf uns, oder vielmehr mich, zurückschauen, weshalb mir ein Schauer über den Rücken kroch.
„Spiel heute nicht mit", riet mir Merlin mit seiner üblichen Hochnäsigkeit. Er stand auf und dehnte seinen rechten Arm, um mit schräg geneigtem Kopf auf mich herabzublicken. „Du hast Alia Omnia noch nie zuvor gespielt. Du bist nicht gut genug."
Fast schon freundschaftlich griff ich nach seiner Schulter, um im Stand meine Oberschenkelmuskulatur des rechten Beines zu dehnen, was Merlin überraschte und kurz taumeln ließ, bevor er sich wieder fasste.
„Mach dir keine Sorgen", sagte ich im möglichst kumpelhaften Tonfall, was den miesepetrigen Jungen dazu brachte noch finsterer dreinzuschauen. „Ich habe alle Regeln gelernt. Die Spieler heißen Jäger, Feldherren, Ritter und König. Der König ist der Hüter des Portals, durch das man den Ball schießen muss, um ein Tor zu erzielen. Es ist ziemlich wie Fußball, nur dass der Ball im Portal magische Artefakte für die Mannschaft einsammeln kann. Je mehr Punkte wir also machen, desto besser."
Merlin löste meinen Handgriff von seiner Schulter, ließ mir aber genug Zeit, mein Gleichgewicht zu halten, bevor er meine Hand dramatisch wegschlug. „Das ist überhaupt nicht, wie das Fußball das du früher gespielt hast", wetteiferte er. „Du hast die Regel vergessen, dass der König der Mannschaft seine Spielfeldhälfte kontrolliert. Du weißt nie, wie die Umgebung aussehen wird, in der du spielst. Außerdem hast du ausgelassen, dass es sich bei den Artefakten um Waffen handeln kann. Ohne ein einziges Artefakt bist du absolut aufgeschmissen, Newsland."
„Okay, das mit den Waffen wusste ich nicht", rief ich ihm nach, als er davon stakste. Ein mulmiges Gefühl stieg in mir auf, während ich den anderen Oberschenkel in Angriff nahm. Zugegebenermaßen hatte ich das Buch mit der Spielanweisung nur überflogen und war letzte Nacht darüber eingeschlafen.
„Hast du jemals Alia Omnia gespielt, Astaroth?", murmelte ich leise unter meinen Atem. Von dem Dämon kam ein vergnügtes Kichern.
Ich kenne es vom Hörensagen. Es wird als die Spielwiese der Stonegrave High bezeichnet, um ihre Schüler auf das wahre Leben vorzubereiten. Mach dir keine Sorgen, kleine Newsland. Mit Waffen kann ich umgehen.
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Stonegrave: Schule der Engel und Hexen
FantasyCallie Newsland zieht mit ihrer Mutter aus dem schönen London zurück in das alte Haus ihrer Großmutter in einer schottischen Kleinstadt. Doch ihre Großmutter scheint mehr Geheimnisse gehütet zu haben, als es Callie lieb ist. Was hat es mit dem selts...
