Autumn
Es war kurz vor vier, als ich mich von meinen Eltern verabschiedete. Meine Mom bedachte mich mit einem strahlenden Lächeln und wünschte mir viel Spaß. Mein Dad formulierte das ganze ein wenig direkter. Deshalb war es nicht wirklich verwunderlich, dass ich nach seiner: »Ich bin noch nicht bereit Granddad zu werden« Aussage mit roten Wangen auf dem Parkplatz des Bed und Breakfast wartete. Damit war auf jeden Fall geklärt, dass mein Dad der festen Überzeugung war, dass Caleb und ich heute Sex haben würden. Er wäre vermutlich stolz zu hören, dass Caleb sich von uns beiden, diesbezüglich besser im Griff hatte. Schließlich war ich diejenige gewesen, die ihn letztens angebettelte hatte, mit mir zu schlafen. Da ich aber selbst nicht genau wusste, was Caleb geplant hatte, schließlich war er in seiner Erklärung ziemlich vage gewesen, hatte ich mich auf alle Eventualitäten vorbereitet. Und ja dazu gehörte, dass ich frisch geduscht und überall rasiert war.
Trotz dieser leisen Vorahnung oder wohl eher Hoffnung, hatte ich mein Outfit möglichst schlicht und normal gehalten. Ich trug eine hellblaue High Waist Jeans und einen orangebraunen Strickpullover. Meine Haare waren zu einem halben Dutt gebunden und Make Up war dezent vorhanden. Allein der schwarze Spitzen-BH und das dazu passende Höschen ließen anderes verlauten. Ungeduldig trat ich von einem Fuß auf den anderen, während ich gefühlt alle zehn Sekunden auf mein Handy starrte. Es war 15:59 Uhr. Von mir selbst genervt stieß ich die Luft aus. Meine Atem bildete kleine Wölkchen bei den kalten Temperaturen. Unwillkürlich sah ich zum Himmel empor und betrachtete die Wolken eingehend. Meiner Expertise zufolge würde der erste Schnee in drei bis vier Tagen fallen. Und wenn das geschah, wurde endlich Winter und Stowe würde von den Winterbegeisterten Touristen regelrecht überrannt werden.
Ein Hupen ließ mich zusammenfahren. In der Zeit, in der ich geistig woanders gewesen war, war Caleb vorgefahren. Die Räder seines Fords berührten beinah meine Fußspitzen. Rasch öffnete ich die Beifahrertür und hüpfte in den Wagen. »Tut mir leid für die Verspätung. Wartest du schon lange?«, lehnte Caleb sich über die Mittelkonsole und drückte seine Lippen viel zu kurz auf meine. »Ein paar Minuten vielleicht«, machte ich eine wegwerfende Handbewegung, weil es wirklich nicht der Rede wert war. »Wie war dein Tag gewesen?«, fuhr Caleb vom Parkplatz, nachdem ich mich angeschnallt hatte. »Ziemlich ereignislos. Das interessantes war wahrscheinlich Katys Anruf. Sie hat sich nach ihren Abschluss für ein Praktikum bei Wheeler und Company beworben. Wie sie erklärt, hat eins der bekanntesten Kunstunternehmen im ganzen Land«, setzte ich Caleb in Kenntnis. »Das klingt wirklich nicht schlecht. Weiß sie schon, wann mit einer Antwort zu rechnen ist?«
»Leider nicht. Katy geht eher pessimistisch an die Sache ran und rechnet lieber mit keiner Antwort, weil sie so nicht enttäuscht werden kann«, gab ich Katys Gesagtes wieder. »Hm. Dann hoffen wir einfach mal auf das beste«, pflichtete Caleb mir bei. »Wie war dein Tag? Irgendwelche Vorkommnisse im Studio?«, war er ein wenig seltsam drauf, weshalb ich versuchte ein Gespräch anzufangen. Er sah kurz zu mir herüber, konzentrierte sich dann aber wieder auf die Straße. »Ich habe heute ein Mädchen wieder getroffen. Wir hatten mal was miteinander. Das war allerdings vor meiner Zeit hier in Stowe«, war der letzte Satz definitiv da, um mich zu beruhigen. Dabei war ich nicht eifersüchtig. Ich nahm in dieser Hinsicht vieles ziemlich locker. Wahrscheinlich aufgrund meinen Erfahrungen, die ich gesammelt hatte. Bei Wyatt und seiner Affäre hatte es mich auch nicht gestört. Wieso sollte ich also damit anfangen.
Einer der wichtigsten Grundbausteine einer Beziehung war Vertrauen. Wenn ich jetzt schon anfing an Caleb und seiner Ehrlichkeit zu zweifeln, konnten wir es gleich sein lassen. Außerdem waren wir erst seit gut einer Woche zusammen. Meine Ansprüche hielten sich demnach in Grenzen. »Du wirkst gar nicht sauer? Ist alles okay?«, kam die erwartete Reaktion von ihm. Nur würde Caleb mich wahrscheinlich erst verstehen, wenn ich ihm die ganze Wahrheit erzählte. Das hieß es lag allein an mir. »Warum sollte ich sauer sein? Wir haben beide schon mit anderen geschlafen. Und das können wir auch nicht rückgängig machen. Das Einzige, was wir machen können, ist offen darüber zu reden, damit es erst gar nicht zu Eifersüchteleien kommt. Und dass du es mir von dir aus erzählt hast, ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Es würde uns beide nicht weiterbringen, wenn wir darüber philosophieren, ob der andere nicht doch noch irgendwelche Gefühle zu seinen Verflossenen hegt. Wir würden nur auf der Stelle treten. Verstehst du?«, legte ich meine Hand auf Calebs rechte, die auf dem Schalthebel ruhte.
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Glowing Desire
RomanceTextausschnitt: Meinen weißen Pullover schmiss ich achtlos auf mein Bett und griff mir stattdessen einen weinroten cropped Pullover. Um Zeit zu sparen, zog ich ihn mir auf dem Weg ins Erdgeschoss über und zupfte ihn gerade noch zurecht, bevor ich di...
