Caleb
Autumn verschlief die restlichen zwei Stunden von Chicago nach Detroit. Bei der kurzen Nacht konnte ich verstehen, dass sie völlig fertig war. Diese Schicht gestern Abend war so auch nicht geplant gewesen. An meinem Plan hatte sich dadurch nichts geändert. Nur das sie fix und fertig war und an meiner Schulter schlief. Derweil sah ich mir auf dem iPad einen Film an. Der Abspann lief kurz bevor wir landeten. Perfektes Timing würde ich da sagen. Ich hatte meine Schwester gebeten uns vom Flughafen abzuholen. Ich hatte echt keine Lust mit dem Taxi zu fahren. Erstens war es immer sacken teuer und zweitens musste man Glück haben an wen man geriet. Stacy erledigte ihren Job ausgezeichnet. Weshalb wir nur zwanzig Minuten später vor meinem Wohnblock hielten.
Meine Schwester wirkte noch immer geknickt. Aber das Telefonat mit meinem Dad war auch nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Ganz im Gegenteil. Er war einer der Mitgründe, warum ich zurück nach Detroit geflogen war. Am Sonntag würden wir uns als Familie treffen und nochmal über alles in Ruhe sprechen. Das ich nicht lachte. Er wusste sicher schon genau, was er mir wieder an den Kopf werfen würde. Und Autumn würde ich auf keinen Fall mit dorthin nehmen. Sie hatte ein viel zu sanftes Gemüt für einen Griesgram wie ihn. Ich hoffte ihr würde es nichts ausmachen eine Stunde hier allein zu bleiben. Wenn das Gespräch überhaupt eine Stunde dauern sollte. Ich bezweifelte das stark. Und falls doch, würde ich mit Autumn danach in die besagte Bäckerei gehen, in der es für mich die besten Chocolate Chip Cookies der Welt gab.
Wir hatten gerade 14:30 Uhr. Eigentlich die beste Zeit am Tag. Doch wenn ich mir Autumn so ansah, musste ich meine Meinung nochmal überdenken. Trotz der zwei Stunden Schlaf im Flugzeug sah sie immer noch übermüdet aus. So wie sie sich hinter mir die Treppen hochschleppte, war nicht mehr viel Energie übrig. Ich sperrte die Tür auf und ließ sie eintreten. Dann erst folgte ich ihr, stellte die Koffer im Flur ab und beobachtete belustigt, wie Autumn sich ehrfürchtig umsah. »Sicher, dass du hier allein wohnst?«, sah sie über ihre Schulter zu mir. Einige Haare hatten sich aus ihrem Zopf gelöst und fielen ihr wirr in die Stirn. »Ganz sicher. Hier wirst du niemand anderen finden. Und wenn du mir nicht glaubst, nur zu. Ich habe nichts zu verstecken«, funkelten ihre Augen gefährlich. Allerdings hatte ich gar keine Zeit mir darüber den Kopf zu zerbrechen, da war sie auch schon losgestürmt und nahm jeden Raum genau unter die Lupe.
Ich ließ sie machen, schlenderte in die Küche und nahm eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank. Der Anblick war wirklich traurig. Bis auf geschimmelten Käse und zwei Wasserflaschen war nichts hier. Das hieß dann wohl, dass wir zum Abendessen etwas bestellen würde. Heute hatte ich ganz bestimmt keine Lust mehr einzukaufen zu gehen, geschweige denn zu kochen. Ich schenkte zwei Gläser ein und nahm sie mit ins Wohnzimmer. Dort ließ ich mich auf die Couch fallen und wartetet darauf, dass Autumn wiederkam. »Das ist ja der Wahnsinn. Deine Wohnung in Stowe muss ja bombastisch sein, wenn du diese hier aufgibst«, saß sie 12 Minuten und 27 Sekunden später neben mir. Und ja ich hatte jede einzelne Sekunde gezählt. »Sie ist ganz solide würde ich sagen. Kein Vergleich mit dieser hier. Aber für zwei Personen vollkommen ausreichend«, konnte ich meine Augen nicht von ihr nehmen. Autumn räusperte sich. »Warum für zwei Personen?«
»Weil ich hoffe, dass mich eine außergewöhnliche Frau ab und an besucht«, überwand ich den verbleibenden Abstand zwischen uns. »Oh«, strich Autumn sich verlegen über die Oberschenkel. »Ja oh«, fiel mir nichts anderes ein. So sehr nahm mich ihre Erscheinung gefangen. Ich hob meine Hand und schob eine lose Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Ich wollte nicht, dass sie ihre roten Wangen vor mir versteckte. »Es ist natürlich deine Entscheidung. Aber ich würde mich sehr freuen«, berührten meine Lippen ihr Ohr. Autumns Hand krallte sich in meinen Pullover. Um sich festzuhalten oder mich wegzustoßen war noch unklar. »Du magst es mich in Verlegenheit zu bringen, oder?«, stellte sie leise fest. »Und wie. Ich liebe es. Genau wie dich«, merkte ich erst, was ich von mir gegeben hatte, als Autumn scharf die Luft einsog und mich mit geweiteten Augen ansah. Es war nicht geplant es jetzt schon auszusprechen. Doch jetzt war es passiert und zurücknehmen würde ich es nicht, weil es der Wahrheit entsprach. Und nichts als der Wahrheit.
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Glowing Desire
RomansaTextausschnitt: Meinen weißen Pullover schmiss ich achtlos auf mein Bett und griff mir stattdessen einen weinroten cropped Pullover. Um Zeit zu sparen, zog ich ihn mir auf dem Weg ins Erdgeschoss über und zupfte ihn gerade noch zurecht, bevor ich di...
