Caleb
»Geh du ruhig zuerst duschen. Möchtest du noch was essen?«, drückte ich die Tür hinter uns ins Schloss, streifte mir Jacke und Schuhe ab. »Möchtest du denn noch etwas essen?«, schälte Autumn sich aus ihrer, durch den Regen, hautengen Jacke. »Das war nicht die Frage. Ich wollte wissen, ob du Hunger hast?«, erhoffte ich mir insgeheim, dass sie ja sagte. Aber nicht, weil sie Hunger auf Essen hatte, sondern auf mich. So, wie ich sie am liebsten über meine Schulter werfen und direkt ins Schlafzimmer tragen würde. Nur stand das leider nicht zur Wahl. Außerdem, was war aus meiner Regel geworden. Nur, weil Autumn mir gesagt hatte, dass sie mich liebte, hieß das nicht automatisch, dass sie geheilt war. Ich wusste noch immer nicht, was ihr in der Vergangenheit zugestoßen war. Und vorher verbot ich es mir selbst, etwas zu machen, was sie bereuen oder in alte Zeiten zurück versetzen könnte.
Stattdessen nahm ich ihr die klitschnasse Jacke ab, als sie sich ein wenig hilflos im Flur umsah. »Ein bisschen vielleicht. Aber wegen mir musst du nicht noch extra was kochen«, war das natürlich nicht meine erhoffte Antwort. Aber es war die einzig vernünftige in dieser Situation. Autumn schlüpfte aus ihren Turnschuhen und zog sich noch die Socken von den Füßen. »Mehr wollte ich doch nicht wissen. Und jetzt ab unter die Dusche mit dir«, scheuchte ich sie in Richtung Bad. Ich selbst schlug den Weg zur Abstellkammer ein, zog einen Wäscheständer hervor und begann die nassen Sachen aufzuhängen. Ohne nachzudenken, zog ich mir den Pullover über den Kopf und ließ meine Jeans folgen. Nur in Boxershorts setzte ich mich aufs Sofa und ging die verschiedenen Restaurants durch, die jetzt noch lieferten. Da wir gestern erst italienisches Essen hatte, bestellte ich heute mexikanisch. Es würde allerdings noch etwa dreißig Minuten dauern, bis es hier war.
Und da meine Vernunft sich schon wieder winkend verabschiedete und stattdessen nicht jugendfreie Bilder in meinem Kopf erschienen, was wir die nächsten dreißig Minuten machen konnten, es hatte ausschließlich mit Ausdauertraining im Bett zu tun, ging ich zur Küchenzeile und nahm mir ein Glas kaltes Wasser. Ich stützte die Unterarme auf die Theke und fuhr mir frustriert durch die klitschnassen Haare. Wer hätte gedacht, dass sich in Selbstbeherrschung üben, jemals so schwer sein würde. Aber bei dem Fakt, dass Autumn gerade nackt unter meiner Dusche stand, schaltete mein Gehirn in den Standby Modus. »Ich bin fertig, du... ähm... du kannst duschen gehen«, erschien Autumn im nächsten Augenblick in der offenen Wohnküche und erstarrte. Mein Aufzug schien sie genauso zu überraschen, wie mich ihrer. Immerhin hing ihre durchnässte Kleidung über ihrem Arm, während ihr Körper nur von einem grauen Handtuch bedeckt wurde.
Es war etwas kurz, da der Ansatz ihrer Narbe auf ihrem Oberschenkel zu sehen war. Doch in meiner Gegenwart schien sie diese Tatsache gar nicht mehr zu stören. »Okay«, brachte ich nach einem Räuspern hervor. »Gut«, nickte sie hektisch. »Das Essen sollte in ungefähr zwanzig Minuten da sein«, lief ich zu dem Wäscheständer, um mein Portemonnaie aus der Tasche zu holen. »Falls es eher kommt und ich noch nicht fertig bin, nimmst du einfach das Geld raus«, legte ich meine Geldbörse auf den Tresen. »Ich kann doch aber auch was bezahlen«, sah Autumn mich fragend an. »Dann bist du morgen dran mit bezahlen«, wollte ich sie nicht vor den Kopf stoßen, obwohl es mir missfiel, dies auszusprechen. »Was ist denn morgen?«, hakte sie nach. »Das erzähl ich dir nachher«, wollte ich dieses nervenaufreibende Gespräch nicht jetzt führen. Autumn schien in meinem Gesicht eine Emotion herausgelesen zu haben, da sie nichts weiter dazu sagte, sondern es mit einem einfachen: »Einverstanden«, so hinnahm.
»Bedien dich einfach, wenn du irgendwas brauchst«, fügte ich noch hinzu und ging dann selbst ins Badezimmer, um zu duschen. Als ich etwas später wieder heraustrat, saß Autumn mit ihrem Handy und einem Wasserglas vor sich auf einem Hocker an der Küchentheke. Neben ihr stand eine Papiertüte mit dem bestellten Essen. »Habe ich so lange gebraucht?«, fragte ich verwundert und sah gleichzeitig auf die Anzeige am Ofen. »Länger als ich auf jeden Fall«, grinste Autumn. »Jaja«, tat ich es locker ab, obwohl es mir schon zu denken geben sollte, dass ich wirklich länger als sie im Bad war. Es lag ausschließlich daran, dass ich sicherlich 5 Minuten einfach da stand und den Duft ihres Shampoos inhaliert hatte. An nichts anderem, was das ganze für mich schon echt peinlich machte. »Ich hoffe du magst mexikanisches Essen?«, überwand ich die paar Schritte zur Küchenzeile und holte drei Teller heraus.
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Glowing Desire
RomansaTextausschnitt: Meinen weißen Pullover schmiss ich achtlos auf mein Bett und griff mir stattdessen einen weinroten cropped Pullover. Um Zeit zu sparen, zog ich ihn mir auf dem Weg ins Erdgeschoss über und zupfte ihn gerade noch zurecht, bevor ich di...
