57. Kapitel

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„Don't fuck with my freedom
I came up to get me some
I'm nasty, I'm evil
Must be something in the water
Or that I'm my mother's daughter"

Mother's Daughter - Miley Cyrus


Ein wenig müde schritt Kiara die Treppe hinunter aus dem Flugzeug. Es war früh am Morgen in Torino und die warmen Sommersonnenstrahlen erwärmten ihre Haut, als sie das kurze Stück über das Rollfeld zum Shuttlebus gegangen war. Eine leicht kühle Morgenbrise fegte ihr über die Haut und ließ sie dennoch erschaudern.
Davon abgesehen konnte sie die Augenringe, die sie haben musste, deutlich spüren. Die Blauhaarige war jetzt schon völlig fertig und der Tag begann erst. Leise seufzte sie, als sie sich auf einem Sitzplatz im Bus niederließ. Sie zog die graue Sweatjacke, die ihr viel zu groß war und die sie Law noch abgeluchst hatte, enger um sich und sog seinen Geruch ein. Wieder seufzte sie leise. Wie gerne hätte sie sich jetzt einfach zusammen mit dem Schwarzhaarigen ins Bett gelegt und ausgeschlafen und dann den Tag zusammen verbracht. Es war einfach viel zu früh, sie hätte wirklich später fliegen können.
Als sie auf dem Sabaody Archipel losgeflogen war, war es halb sieben, und jetzt war es das schon wieder – an einem anderen Ort.
Und der Tag würde noch so lang werden.
Den Jetlag hatte sie schon gehasst, als sie damals auf dem Sabaody-Archipel angekommen war. Und jetzt hasste sie ihn noch viel mehr.
Shanks hatte ihr schon prophezeit, dass sie heute noch ein bisschen was erledigen mussten, und somit hatte Kiara nicht einmal Zeit, sich in ihr Bett zu legen und wenigstens zwei Stunden zu schlafen.

Als der Bus über das Rollfeld fuhr, beobachtete Kiara die anderen Flugzeuge. Sie sah dabei zu, wie sie kleine Strecken ganz langsam anrollten, wie sie sich an ihren Plätzen einfanden und die Fluggäste empfingen. Sie sah den Gepäckfahrern dabei zu, wie sie auf ihren kleinen, gabelstaplerähnlichen Vierrädern Kofferwagen hinter sich herzogen und die Flugzeuge bepackten oder entluden.
Kiara sah die Flughafenfeuerwehr, wie sie ihre Wagen checkte, und kurz darauf beobachtete sie, wie ein Flugzeug auf dem gegenüberliegenden Rollfeld zum Starten ansetzte.
Einige Minuten später stand sie schließlich am Gepäckband und wartete auf ihren Koffer. Kurz schob sie Panik, dass ausgerechnet ihr Koffer verloren gegangen war, weil sie ihn nirgends fand, doch dann sah sie das rosa Gepäckstück und zog es mühsam vom Band. Sie hatte nicht mal richtig Kraft, um ihn zu packen, und ließ ihn sich beinahe auf die Zehen knallen.
Law würde ein amüsiertes, leises Grunzen von sich geben und fragen, ob sie das schon mal gemacht hatte.
Und dann würde sie ihn anmurren, dass er ihr mal helfen konnte.
Über den Gedanken schmunzelte sie nur, denn so würde der ihres Restes des Lebens verlaufen und sie konnte es kaum erwarten.

Sie zog ihren Koffer hinter sich her, als sie alles hatte, und lief schließlich in die große Flughafenhalle mit den vielen kleinen Shops an den Seiten.
Schon aus der Ferne erkannte sie Shanks und vor ihm stand ihre Mutter.
Alleine das Bild hatte gereicht, um der Blauhaarigen brennende Tränen in die Augen zu treiben. Schneller lief sie auf ihre Familie zu, und als sie bei ihnen ankam, warf sie sich wortlos wie ein kleines Mädchen in die Arme ihrer Eltern.
„Mama", brach Kiaras Stimme und ein Sturzbach aus Tränen rann aus ihren Augen.
„Oh, Schätzchen", kommentierte ihre Mutter Eliza das liebevoll und legte ganz fest beide ihre Arme um ihre Tochter. „Unser Schätzchen ist wieder zu Hause", lächelte Shanks zufrieden und legte seine Arme um die beiden Frauen herum.
„Ich habe euch so vermisst", schluchzte Kiara aufgelöst und spürte die allumfassende, warme Liebe, die sie für die beiden Menschen empfand, mit voller Wucht. Sie hatte sie so schrecklich vermisst, dass sie das irgendwann ausgeblendet hatte. Und Dank des Schwarzhaarigen hatte sie auch gut darüber hinwegsehen können, dass ihre Familie hunderte Kilometer weit weg lebte.
Doch jetzt und hier kam alles wieder hoch.
All der Schmerz, den Kiara die letzten Monate verarbeitet hatte, all die Sorgen und der Kummer verblassten in der Anwesenheit ihrer Familie. Sie dachte sogar einen Moment lang, dass es hier nichts gab, das sie hätte treffen können. Solange sie hier war, gab es nichts, was sie hätte verletzen können.
„Wir haben dich noch viel mehr vermisst", murmelte Eliza und strich sanft über die blaue Haarpracht, die sie früher so gehegt und gepflegt hatte.

Can't fight the moonlightWo Geschichten leben. Entdecke jetzt