„Early this morning
When you knocked upon my door
And I said hello Satan, ah
I believe it is time to go
Me and the devil walkin' side by side
Me and the devil walking side by sideAnd I'm gonna see my man
Until I get satisfied
See, see, you don't see why
And you would dog me ‚round"
Me and the Devil - Soap&Skin
Donnerstagabend.
Missy saß angespannt vor einem großen, ovalförmigen, weißhochglänzenden Schreibtisch. Ihr Blick war auf die Fensterfront dahintergerichtet. Es war kurz nach sieben und sie konnte dabei zusehen, wie sich die untergehende Sonne in leuchtendem Orange langsam hinter dem Gebirge im Westen versenkte. Sie spürte links von sich den durchdringenden Blick ihres Bruders. Er starrte sie förmlich an, seit sie in diesem großgeschnittenen Büro saßen.
Die Blonde wagte es nicht, nach links zu sehen, aus Hass und auch aus Angst vor ihm.
Seitdem Law ihm den Arm ausgekugelt hatte, war Jay anders zu ihr. Roher und bösartiger. So als hätte er einen Funken von Ahnung davon, was hier vor sich ging und welches Spiel Missy trieb. Sie konnte nicht einschätzen, inwiefern er mitbekommen hatte, über was sie und Law sprachen, falls er etwas wusste oder ahnte. Ihr war nicht klar, ob er sie irgendwie ausspionierte, ob er sich das wagte. Würde er seine eigene Schwester überwachen? Wobei er ja auch aktiv daran beteiligt war, ihr mitten ins Gesicht zu lügen, sie kleinzuhalten und sie spüren zu lassen, dass sie an und für sich nichts wert war. Der Blick von der Seite war ihr auch deswegen nicht so ganz geheuer. Außerdem hatte sie Angst, er würde sofort erraten, was sie vor hatte, wenn er ihr in die grünen Augen blickte. Dass sie alles wie auf einem Silberteller präsentieren würde, wenn er aus ihr las.Missys Herz klopfte schnell in ihrer Brust.
Sie wusste nicht mal, warum ihr Vater sie und ihren Bruder in sein Büro gerufen hatte. Seit Anbeginn der Zeit wussten sie nur, dass es um etwas Geschäftliches ging oder sie Ärger bekamen, wenn sie hier auf den beigen Polsterstühlen saßen.
Es gab mehrere Gründe, weswegen ihr Vater verärgert sein könnte.
Zum einen, weil Missy bisher keine ernsthaften Anstalten gemacht hatte, Law dazuzubringen, sich freiwillig von allen äußeren Einflüssen zu lösen, ohne ihn zwingen zu müssen, und zum anderen, weil er der ganzen Familie immer noch indirekt den Mittelfinger zeigte und munter tat, was er wollte. Während er vor ihrer Nase ‚herumstolzierte', wie es ihr Bruder gerne nannte, als würde er glauben, er wäre etwas Besseres als sie, höher gestellt oder so.
Dabei wollte die Blonde ihn gar nicht zu irgendwas zwingen und fand es bemerkenswert, wie er neben dem Studium noch alles andere unter den Hut bekam.Anfangs dachte sie, es würde einfach sein, ihn dazuzubringen, sich auf sie einzulassen. Doch da hatte sie noch nicht mit diesem sturen Willen, sich nicht zu beugen zu wollen, gerechnet und sie hatte bis dato keine Ahnung gehabt, was sie da zerstörte. Dann war Missy klar geworden, dass sie das selber nicht wollte, was sie ihm antaten.
Und als sie Law ein wenig kennengelernt hatte, und als sie das ein oder andere Gespräch geführt hatten, war sie weich geworden.
Nicht nur, weil Law ihr den Kopf gewaschen hatte und den Spiegel der Realität vorgehalten hatte, sondern auch weil er grundlegend etwas in ihr in Bewegung gesetzt hatte.
Missy entdeckte sich selber neu und hatte herausgefunden, dass sie, wenn sie sich nur genug anstrengte, ein ganz neuer Mensch werden konnte. Sie war nicht so verloren und verkommen, wie sie dachte, wie sie sich gefühlt hatte, und wie man es ihr beigebracht hatte. Missy hatte den Willen, sich zu verändern und etwas zu ändern.
Wenn dieser Prozess nicht so härt wäre, denn manchmal konnte sie den Schmerz der Entwicklung in ihrem Körper spüren, obwohl ihr nichts fehlte. Es fühlte sich an wie ein Riss in ihrer Seele, der behilfsmäßig zusammen geflickt wurde und immer wieder neu aufbrach und glänzend, silbernes Blut herausquoll. So zumindest erschien es ihr vor ihrem inneren Auge.
Sie hatte es zwar niemandem erzählt, aber einmal war sie bedeckt im Buchladen unterwegs gewesen und hatte sich Lektüren über Persönlichkeitsentwicklung gekauft. Missy versuchte zumindest zu verstehen, was in ihr vorging, auch wenn sie nicht viel im Kopf hatte und ihr Intellekt wirklich nicht der Größte war.
Allerdings gab es nicht nur die positiven Entwicklungen, welche sie an sich zunehmend entdeckte.
Immer öfter schlief sie Abends nicht mehr gut ein und wachte mitten in der Nacht auf. Ihre Gedanken rasten oft um die vielen Enttäuschungen und Anfeindungen, die sie in den letzten Monaten erlebt hatte.
Sie konnte die dunklen Gedanken nur schwer abwimmeln, wenn sie auftauchten. Manchmal, wenn sie deswegen Nachts aufschreckte, führte nach einem kleinen mentalen Kampf ihr Weg nach unten ins Wohnzimmer. Dort, wo sie an der Minibar hängen blieb und versuchte, all das Schlechte, das sie überwältigte, zu ertränken.
Oftmals erfolgreich, doch sobald sie wieder nüchtern war, kam alles wieder hoch, und das mit doppelter Stärke. Zu oft hatte sie sich in letzter Zeit erwischt, wie ihr leerer, wässriger Blick gedankenverloren aus ihrem Zimmerfenster in die Ferne glitt und ihr alles unheimlich sinnlos erschien. Manchmal erschien es ihr sogar als würde ihre Mutter sie zu sich rufen. Missy hätte ihren Zuspruch jetzt gut gebrauchen können.
Es war ein Teufelskreis und er war hart.
Doch Missy wollte nicht aufgeben, sie durfte nicht aufgeben.
Noch nicht.
Die Blonde war Law dankbar dafür, dass er so war, wie er eben war. Nie hätte sie von alleine versucht, aus ihrem Käfig auszubrechen, wenn er nicht gewesen wäre.
Missy wollte das, was er hatte, gar nicht zerstören, im Gegenteil. Mit der Zeit hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, genau das zu hüten. So gut sie konnte.
Sie wollte, dass er seiner Wege ging, mit seiner Freundin und allem drum und dran.
Missy würde Law nicht verraten, auch wenn er das insgeheim immer noch zu vermuten schien.
Aber das Misstrauen war berechtigt und sie konnte es ihm schwer vorhalten.
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Can't fight the moonlight
FanfictionAls Kiara hunderte Kilometer weit weg von zu Hause auf das Sabaody Archipel kommt, um zu studieren, ahnt sie nicht, was auf sie zukommt. Zwischen dem bunten Studentenleben, neuen Freundinnen und einem ziemlich interessanten Mitstudenten gerät ihr Le...