4. Kapitel

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„Your eyes follow like a spotlight
Two eyes like the sun
Go ahead, keep your distance from me
Soon you're gonna come

When you flick your hair like you don't care
And you're asking where I'm from?

That game that you're runnin' baby
You've already won."

Body Talks – The Struts, Kesha


Am Montag, fast zwei Wochen später, saß Kiara mittags in der Bibliothek und schrieb hoch konzentriert eine Hausarbeit zu Ende. Je schneller das vom Tisch war, desto mehr Freizeit hatte sie und diesmal hatte der Dozent es wirklich übertrieben.

Bis heute hatte sie nicht herausgefunden, wer mit ihr getanzt hatte. Sie würde es schon gern wissen, aber der Satz „Du stellst zu viele Fragen" bereitete ihr immer noch Sorgen. Selbst was der ihr Fremde zuvor gesagt hatte, das sie schon noch herausfinden würde wer er war. Wollte er, dass sie wochenlang rätselte oder wollte er einfach nur mysteriös wirken? Nicht einmal Nami wusste weiter und die paar Anhaltspunkte die Kiara hatte waren eigentlich auch für die Tonne.
Ein letztes Mal stand sie auf, um nach einem Buch zu sehen.
In einem der hinteren Regale fand sie es. Kiara griff zu und wollte es aus dem Regal nehmen, doch fand ihre Hand nur eine andere. Diese zuckte zurück, woraufhin Kiara gleich das Buch nahm und erschrocken an sich presste. Sie sah skeptisch eine Augenbraue hebend durch die Lücke, die im Bücherregal entstanden war.
„Du?", fragte sie verwirrt und dennoch nicht allzu begeistert. Sie wusste immer noch nicht wie er hieß und es interessierte sie eigentlich auch nicht mehr so ganz.
Law blieb unbeeindruckt. Doch gleich änderte sich seine Miene wieder.
„Oh, der Bücherwurm." lächelte er frech und blickte ebenfalls durch die Lücke im Regal. Eher weniger begeistert legte Kiara den Kopf schief und verdrehte die Augen. Das hatte ihr ja jetzt auch noch gefehlt. „Wie war noch gleich dein Name? Kiara nicht?" überlegte der Schwarzhaarige gespielt nachdenklich und nickte dann. „Ja, Kiara, das war es.".

„Was? Wie?" murmelte sie entgeistert mehr zu sich selber. Woher kannte er ihren Namen und wieso kannte er ihn!? Sie zog eine Augenbraue nach oben. „Woher kennst du meinen Namen?", fragte sie schließlich lauter und misstrauischer. „Hab ihn halt gehört.", gab Law nur schulterzuckend zurück, sie konnte sich mal entspannen, als ob er sie stalken würde. „Wie viele blauhaarige Mädchen laufen hier schon herum.", merkte er noch an. „Also ich kenne noch eine.", gab Kiara nur zurück und gab sich ebenfalls unbeeindruckt. „Oh, du meinst diese Vivi?", fragte Law und hob eine Augenbraue. „Die kannte ich schon. Die Gute ist ziemlich sensibel, ihr könntet Freundinnen werden.", fuhr Law triumphierend fort. „Außerdem, gibt es nur eine Blauhaarige, die Forensik studiert und Kiara heißt." erläuterte er schlussendlich und sah sie herausfordernd an. „Fein.", meinte die Blauhaarige nur trocken. „Wie lautet dein Name?", fragte sie dann. „Finde es doch heraus.", bekam sie nur schelmisch grinsend zurück, dann ging er weg. „Das ist unfair.", meinte sie etwas lauter und lief zurück auf den Gang und sah ihm nach. Law jedoch ignorierte sie und verschwand die Treppen nach unten.
Kiara runzelte die Stirn. Jetzt kannte er auch noch ihren Namen. Was kam denn als Nächstes? Ihre Zimmernummer?

Zurück im Wohnheim klopfte sie bei Nami und Vivi an. Die beiden ließen sie herein und Kiara erzählte, was ihr in der Bibliothek widerfahren war.
Schließlich ging Nami ein Licht auf.
„Das war Law.", sagte sie schließlich. „Wer?", fragte Kiara stirnrunzelnd, die auf dem Boden lag, die Beine auf dem Bett liegen hatte und ließ sich eine Weintraube in ihren Mund fallen. „Na Law.", antwortete Vivi aufgeregt. „Ja und weiter?", fragte Kiara erneut, nicht verstehend, was die beiden Mädchen ihr mitteilen wollten. „Denk doch mal nach, du Dumpfbacke." verdrehte Nami die Augen und lehnte sich an die Wand hinter ihr. „Wie sieht Law aus und wie sah der Typ aus, mit dem du getanzt hast?", gab Vivi ihr einen weiteren Denkanstoß.
Kiara dachte nach. Daran hatte sie ja noch gar nicht gedacht. Sie verglich ihn in ihrem Kopf und setzte sich auf.
„Oh nein.", stieß sie verärgert aus und klatschte sich eine Hand gegen die Stirn. „Oh doch.", stießen Nami und Vivi kichernd gleichzeitig aus. „Ich kann den nicht leiden.", jammerte Kiara und runzelte ratlos die Stirn und lehnte sich auf ihre Unterarme. „Wissen wir.", sahen die beiden Freundinnen sie an. Einen kurzen Moment war Ruhe.
„Was mache ich denn jetzt? Soll ich überhaupt etwas machen?" fragte die Blauhaarige ratlos in die Runde. „Nun ja, du hast gesagt, dass diese Medizinstudenten nichts weiter als aufgeblasene Idioten seien. Zum Maskenball fragt dich ausgerechnet Law nach einem Tanz. Ein Medizinstudent und vielleicht sogar der begehrteste Medizinstudent auf dieser Insel ... möglicherweise sogar auf dem ganzen Planeten." stellte Vivi die Fakten auf und drehte sich auf ihrem Bett auf den Bauch. Ihr Gesicht verzierten ein rosa Ton sowie ein schwärmender Blick. „Das ist gut möglich.", überlegte Nami und stellte den Ventilator an, denn heute war es schon wieder so unerträglich heiß draußen. Kiara lehnte sich indessen mit dem Rücken gegen die Bettkante. „Findet ihr den gut?", fragte sie dann neugierig und sah die beiden Mädchen an. „Ja also, 'gut' ist so ein dehnbarer Begriff..." kratzte sich Vivi verlegen am Kopf und Nami nickte zustimmend „Ja eben, gut ist so ein komisches Wort...". Nachdenklich sah die auf dem Boden sitzende Kiara die beiden an und erkannte die kleinen Lügen der beiden. Sie wollte etwas dazu sagen, doch beließ sie es bei einem fragwürdigen Blick. „Du hast noch nicht gesehen, was wir gesehen haben." meinte Vivi dann schon fast verschwörerisch. Kiara blickte schnell zu ihr und verzog das Gesicht „Ich will es gar nicht wissen." sagte sie noch schnell und schüttelte kurz den Kopf. „Und auch nicht warum.", fügte sie schnell hinzu.
Wobei, wenn Kiara ganz ehrlich war, interessierte sie es vielleicht schon ein kleines bisschen, was sich unter dem weißen Shirt von heute verborgen hatte, aber nur aus Forschungszwecken und rein aus .

Bis zum späten Nachmittag blieb Kiara bei den beiden, dann musste sie zu ihrem Yogakurs. Zu ihrem Ärgernis fand der in der Sonne statt. Eine Stunde lang quälte sie sich ab. Eventuell war es doch keine so gute Idee, sich dafür im Sommer einzuschreiben, dachte sie sich nur seufzend.

Nach der Yogastunde schlenderte sie gemütlich über den Campus. Sie aß den Apfel, den sie sich mitgenommen hatte und setzte sich an den Springbrunnen.
„Schmeckt es?", ertönte es wenig später amüsiert neben ihr. Verwundert sah sie zur Seite. „Du schon wieder.", meinte sie nur wenig überrascht. „Dein Plan scheint nicht aufzugehen.", fuhr Law fort und ignorierte die Tatsache, dass die Frau neben ihm offensichtlich keinen Gesprächsbedarf hatte. Kiara seufzte leise. „Was für ein Plan?", fragte sie trotzdem und ließ sich auf diese unwillkürliche Unterhaltung ein. „Du weißt doch... An apple a day keeps the doctor away." erklärte Law kurz und schlug das Buch in seiner Hand zu. Er schmunzelte sie frech an. Die Blauhaarige lachte kurz sarkastisch auf. „Ein Apfel am Tag hält jeden fern, wenn ich den Apfel hart genug werfe.", erwiderte sie, überschlug die Beine und sah den Schwarzhaarigen kurz triumphierend lächelnd an. Laws Miene veränderte sich in etwas, das sie nicht deuten konnte.
„Oh Zuckerstück, da musst du schon treffen." konterte er schließlich leise und machte den Anschein gleich zu grinsen.
Kurz atmete Kiara durch „Na ja, für die Zartbesaiteten unter uns: Ich bin auch ganz sanft." und sah ihn wieder an. Jetzt zum ersten Mal fielen ihr die dunklen Schatten unter seinen Augen so richtig auf und so ebenfalls die Farbe seiner Augen.
Stahlgrau.
Der Schwarzhaarige runzelte die Stirn. Warum blickte sie ihn so lange an, ohne etwas zu sagen? Hatte er was im Gesicht?
„Wusstest du, dass Leute mit grauen Augen im Mittelalter für Seelenlose und Dämonen gehalten wurden?" fuhr sie unschuldig fort und biss wieder von ihrem Apfel ab. Es hatte sich also doch gelohnt, in Geschichte aufzupassen. Das hätte Kiara ja nicht gedacht.

Law war für einen kurzen Moment perplex und wusste nicht, was er sagen sollte. Kiara nutzte das, um weitere Verwirrung zu stiften. „Würde zu mindestens die Augenringe erklären und na ja.", kurz ließ sie ihren Blick ganz offensichtlich über ihn schweifen und zuckte dann nur kurz die Augenbrauen. „Du weißt schon.", sagte sie dann noch verheißungsvoll und lächelte überlegen.
Jetzt war Law noch perplexer als vorher und Kiara bemerkte dies. „Touché.", sagte er schließlich trocken und Kiara kicherte gehässig, ehe sie aufstand und den Schwarzhaarigen wieder allein ließ. „Man sieht sich, Law." hatte sie noch gerufen und ließ ihn damit auch wissen, dass sie wusste, wen sie vor sich hatte. Law musste unwillkürlich etwas schmunzeln. Ein wenig Biss schien sie auch zu haben.
Der Schwarzhaarige blieb noch einen Moment sitzen, ehe er den Heimweg antrat. Zu Hause hatte er noch viel zu tun und für seine Prüfungen und das Praxisjahr musste er sich auch noch anmelden.
Er freute sich unheimlich auf die Praxis. Vor allem freute er sich, dass das Studium bald vorbei war.

Kurz schweiften seine Gedanken zu seinen Eltern. Sicherlich wären sie stolz auf ihn, dass er auch bald endlich ein Arzt sein würde. Zwar hatte er kein eigenes Krankenhaus, aber irgendwann würde er das vielleicht haben. Der Abschluss an dieser Universität würde ihm so viele neue Türen öffnen. Wobei er vor ein paar Jahren noch darüber nachgedacht hatte an die Universität in Torino zu wechseln, der enorme Bestand an Büchern über Medizin und verschiedene Praktiken sollte dort der besterhaltenste sein und vor allem waren die Jahrgänge kleiner und so die Lernatmosphäre um einiges ruhiger.
Vielleicht hätte er dort noch mehr lernen können.
Vielleicht aber auch nicht.  

Can't fight the moonlightWo Geschichten leben. Entdecke jetzt