26. Kapitel

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„She watched the world as it slowly slipped away
Lost all her dreams in the ocean
She sees his face
Feels his touch on her hand
Remembers when she had everything
One day she will again
I heard the sound, saw the flashing light

Watched the day turn into night"


Through It All - Spoken


Law hatte am selben Abend versucht, sie anzurufen, doch Kiara war nicht ans Telefon gegangen. Da es schon recht spät war, war er davon ausgegangen, dass sie bereits schlief und sich vermutlich am nächsten Tag melden würde.
Doch als Kiara auch am Freitagvormittag nichts von sich hören ließ, machte sie ihn stutzig. Ob sie doch sauer war wegen Missy?

Als er mit ein paar Patientenakten durch die weißen Gänge der Notaufnahme lief, stieß er auf ein anregendes Gespräch eines Assistenzarztes und eines Rettungssanitäters. Sie unterhielten sich angeregt über einen Fall, der sich am Abend zuvor zugetragen hatte. Law kannte die beiden schon seit seinem ersten Tag, sie waren angenehme Zeitgenossen. Der Assistenzarzt war Leif und der Sanitäter war Erik.
Neugierig blieb Law also bei den beiden stehen und fragte, was passiert sei.

„Wir hatten letzte Nacht alle Hände voll zu tun", erzählte der Assistenzarzt und blies kurz die Backen auf. „Ja, wir hatten eine junge Dame in der Notaufnahme, laut Zeugenbericht war sie auf die Straße gefallen, jemand hatte versucht, sie festzuhalten, doch keine Chance", erklärte der Sanitäter in leichter Besorgnis. „Was hat sie?", fragte Law interessiert und nickte auf die Akte, welche Leif in der Hand hatte, doch dieser drückte sie näher an sich, um anzudeuten, dass Law sie nicht sehen durfte. „Ein paar Prellungen, Schürfwunden. Ihre Milz ist beschädigt und ihr Kopf ist auch verletzt. Im Rettungswagen hat sie wohl kurz ihre Augen aufgemacht, das war ein gutes Zeichen. Wir haben sie dann schnell versorgt und in die Not-OP gesteckt, und jetzt liegt sie auf der Intensiv und wird wohl morgen oder übermorgen geweckt." erklärte der Assistenzarzt wieder. Er wirkte besorgt, doch gab nichts weiter zum Besten. Er wusste, wer die Frau war, über die sie gerade sprachen, doch hielt er es für das Beste, dass Law vorerst nicht erfuhr, dass es sich um Kiara handelte. Außerdem wollte er sicher gehen, dass der Schwarzhaarige zumindest für heute seinen Job so gut ausführte wie immer, er mochte ihn und wie ambitioniert er war. Eine wahre Bereicherung für das Krankenhaus, wenn er nach seinen Examen zurück zu ihnen kam. Gewissermaßen sah er ihn als seinen Schützling an und ihm tat es leid, dass Law anscheinend keine Information darüber hatte, was mit seiner Freundin passiert war. Doch schnell schob er das schlechte Gewissen weg. Job war Job. „Künstliches Koma?", fragte Law nur. Seine Gegenüber nickten. „Aber nicht lang, sie wird engmaschig überwacht. So wie es bisher aussieht, hat ihr Gehirn keinen größeren Schaden genommen und wenn sie genesen ist, wird sie wahrscheinlich keine Einschränkungen haben." erklärte Leif ausführlicher und Erik sah ihn kurz eindringlich an. Law fiel das auf und langsam nickte er. „Okay", sagte er nur kurz, „wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid." bot er an. „Diesmal nicht, ich hab noch einen Haufen Büroarbeit, die ich dir aufs Auge drücken muss." grinste Leif und Law verdrehte genervt die Augen. „Das gehört dazu, es kommen bessere Tage, versprochen, und nun flieg ab, sonst kommst du nicht pünktlich nach Hause.", ermahnte Leif ihn dann schließlich ernster und Law ging weiter in das Büro des Assistenzarztes, wo er ebenfalls einen kleinen Schreibtisch bekommen hatte.

So brachte er also die nächsten Stunden damit zu, Patientenberichte zu kontrollieren, Hausärzte anzurufen, um den Medikamentenplan des einen oder anderen vergangenen Notfalls zu besprechen.
In seiner Pause am frühen Nachmittag hatte der Schwarzhaarige immer noch nichts von Kiara gehört. Vielleicht hatte sie auch den ganzen Tag mit ihren Freundinnen verplant. Da kam es meistens dazu, dass sie sich erst spät meldete. Denn er wusste, dass sie es für unhöflich hielt, nicht bei der Sache zu sein, wenn sie mit ihnen unterwegs war. Für den Moment ließ er sie also einfach ihr Leben und die Unbeschwertheit genießen. Mit ihm war es schließlich anstrengend genug.
Und wenn er darüber nachdachte, fiel ihm auf, dass er Kiara am Wochenende auch nicht sehen würde.

Can't fight the moonlightWo Geschichten leben. Entdecke jetzt