Shift

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'Shift' heißt das letzte Buch von Bernard Lietaer. Er starb 2019 mit 77 an Krebs. Das Buch wurde von Freunden, Mitarbeitern, Schülern fertig gestellt. Es gilt als sein Vermächtnis.

Ich bin auf Lietaer zuerst im Kontext von Komplementär-Währungen gestoßen, wo er sowohl Forschungen als auch Experimente durchgeführt hat. Doch bei meiner Suche nach seinen Veröffentlichungen stoße ich auch auf eine Analyse von Finanz-, Währungs- und Schuldenkrisen. In 'Money and Sustainability' erklärt er, dass diese Krisen auf die Struktur der Finanzmärkte zurück gehen und nicht nur nicht aufhören, sondern sich in Häufigkeit und Härte steigern werden, wenn sich - so würde ich es heute formulieren - an der Verknüpfungslogik des Systems nichts ändert.

In 'Money and Sustainability' erfahre ich also, dass das Problem in der Struktur des Systems liegt, aus der sich sein Verhalten ergibt - und in den Wechselwirkungen zwischen Finanzmärkten, staatlichem Handeln und Wirtschaft. Lietaer kannte sich offenbar nicht nur mit Währungen, sondern auch mit Finanzmärkten und dem Wechselspiel zwischen Wirtschaft, Finanzmärkten, Politik und Gesellschaft aus. Und er rückt diesen System-Zusammenhängen mit mathematischen Modellen zu Leibe. Sein Ansatz ist systemisch, nicht statistisch.

In 'Money and Sustainability' erfahre ich zum ersten Mal etwas über eine neue Richtung der ökonomischen Forschung mit dem Namen 'ökologische Ökonomie'. Es geht Lietaer dabei um einen systemischen Ansatz, der Wirtschaft, Finanzmärkte und Währungen ähnlich betrachtet wie die Ökologie Ökosysteme untersucht.

Funktionale Integration:

Der Begriff 'funktionale Integration' kommt bei Lietaer, soweit ich mich erinnere, nicht vor. Aber er dürfte ihm nicht fremd gewesen sein. Denn, so erfahre ich aus 'Shift' und dem Wikipedia Artikel über Lietaer, seine Karriere begann nicht mit der Ökonomie, sondern als Elektroingenieur. Zumindest hat er das Fach studiert. 1967 bis 69 war er dann Lehr- und Forschungsassistent am MIT und BA-Student an der Business School.

Mein Verdacht ist daher, dass er das Denken in Funktionen und Systemen von seinem ersten Studium mitgebracht hat. Später finden wir ihn dann mal als Assistent Professor für internationales Finanzwesen, mal als Angestellten der belgischen Zentralbank wieder und als jemand, der maßgeblich an der Entwicklung des ECU, also der digitalen europäischen Verrechnungseinheit, die dem Euro voraus ging, beteiligt war. Dann sehen wir ihn als überdurchschnittlich erfolgreichen Manager eines Hedgefonds (Shift) oder Währungsfonds (Wikipedia). Er war Berater von multinationalen Konzernen und von Regierungen und hat - so scheint es - überall die System-Zusammenhänge erkundet.

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