Freude - Glück

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Viele haben sich Gedanken darüber gemacht, was Glück eigentlich sei - oder Freude. Für mich beginnt Glück mit der grundlegenden Freude, darüber, dass man da ist, über die eigene Existenz, dieser stille Lobgesang des eigenen Körpers und jeder Zelle in diesem Körper, darüber - noch immer zu sein. Denn alles Leben ist ein Wunder. Es ist das größte Wunder, das ich kenne.

Die Freunde über das pure Sein, Sein-Dürfen, Sein-Können habe ich schon bei den einfachsten sichtbaren Lebewesen beobachtet, nicht immer, aber immer dann, wenn sie ungestört und umgestresst leben können. Ich seh es an ihren Bewegungen, an der eleganten, stillen Zuversicht, mit der sie ihren Wegen und Beschäftigungen nachgehen. Ich glaube, so richtig bewusst geworden ist mir das, als mir ein Weberknecht erlaubt hat, ihm bei seinen akrobatischen Netzbau-Aktivitäten zuzusehen. Da dachte ich mir: Das ist ein absolut glückliches Tier, dass sein Leben gerade in vollen Zügen genießt.

Ich habe diese Szene inzwischen einige Male erleben dürfen. Es war jedes Mal ein großer Genuss. Akrobatik, schöner, feiner, zarter als Menschen zu Stande bringen. Und war jedes Mal in Verbindung mit Pflanzen. Weberknechte lieben Pflanzen. Zwischen ihren Zweigen herum zu turnen, ist für sie Wonne und ein absolut entspanntes ihrer Art gemäßes Leben.

Bevor ich all die Pflanzen hatte, kannte ich Weberknechte eigentlich nur in zwei System-Zuständen: Angespannt mit ihren 8 Beinen weit auseinander und nur leicht angewinkelt ausgebreitet. Das ist aus meiner Sicht quasi die Habacht-Stellung. Oder der Kopf hängt weit unter den Enden der Beine, die zusammen gefaltet sind wie ein Schirm. Das ist die Schlaf- oder Faulenz- Position. Doch seit ich viele Pflanzen habe, sehe ich eine Vielzahl von Haltungen, die so viel spannender, natürlicher, zufriedener aussehen. Ich glaube nicht, dass die anderen, die keine Pflanzen haben, absolut unglücklich sind. Ich habe mal einen Weberknecht kennen gelernt, der den ganzen Tag faul in seiner Ecke hing und abends seine Runde drehte, um sich die Füße zu vertreten. Aber ich schätze, seine Artgenossen in den Pflanzen waren noch glücklicher.

An Pflanzen ist mir das Glück, die Freude zu sein immer dann begegnet, wenn sie nicht gestresst waren. Dann breiten sie sich aus und entwickeln Muster der Haltung und Entfaltung, die nach purer Lust aussehen - und Eleganz.

Bei Menschen ist mir diese Lust zu sein immer wieder begegnet. Das waren oft stille Menschen mit ganz eigener Ausstrahlung, zuversichtlichen Bewegungen und einem leisen Lächeln, wenn ihnen etwas gelang oder gefiel. Sie machten nicht viel Aufhebens von sich. Sie waren einfach da und packten an. Das war ihnen genug. Lange hatte ich für diese Sorte Mensch keine Beschreibung. Ich spürte sie, begeisterte mich für sie. Aber mir fehlten die Worte. Erst als mein eigener Körper vor Freude über das eigene Sein zu singen begann, fing ich an zu verstehen. Das ist es also, das Fest des Lebens, das sich im Menschen manifestiert. Wer dieses Fest nicht kennt, daran nicht teilnimmt, weil sie oder er es in sich nicht spürt, tut sich schwer mit dem Glück und letztlich auch mit dem Leben.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Aug 14 ⏰

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