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Lena's P.o.V.

Prasselnd läuft das Wasser über mein Gesicht. Seufzend verteile ich das Duschgel auf meiner verschwitzen Haut. Auch, wenn ich vom Fußball total geschafft bin, bin ich so glücklich.
Es war so ein schöner Abend.

Natürlich kam ich als zweite an der Treppe an, somit dusche ich gerade nach Philipp und musste eine halbe Stunde warten, bis der Lahmarsch endlich fertig war.
Vorhin ging ich mit Philipp sofort aus dem Haus, rief bloß laut durch den Flur, dass wir Fußball spielen gehen. Philipp sollte Dad schließlich nicht in die Arme laufen.
Wir gingen die Straße runter bis zum Fußballplatz und dort spielten wir zwei Stunden nur Fußball und ich habe jede einzelne Sekunde so genossen. Es ist Ewigkeiten her, dass ich mit meinem Bruder Fußball spielte. Danach saßen wir im Tor und redeten. Wir redeten so lange und beobachteten dabei den Sonnenuntergang. Er erzählte mir viel von Elena und seinem Studium. Auch ein wenig von den ersten Tagen, die er hier zu Hause verbrachte, nachdem Mum ihm erzählte, dass Dad sie betrog und sie aber schwanger ist. Er sagte, dass es echt hart war. Mum lag in ihrem Bett und weinte noch nicht mal. Sie war zu traurig zum weinen. Sie starrte nur vor sich hin. Nach ein paar Tagen fing sie dann an zu weinen, was meinen Bruder etwas beruhigte, denn er machte sich ziemlich Sorgen um Mum. Er wetterte zudem über Dad und dass er sich ja nicht trauen soll, auch nur einen Fuß ins Haus zu setzen. Als er das sagte, fühlte ich mich so unwohl, denn Dad war bereits mit mehr als nur einem Fuß im Haus und das schon ziemlich lange. Ich wechselte daraufhin schnell das Thema und erzählte ihm von Harry, den Jungs und der Tour. Es tat gut wieder eins unserer langen Gespräche zu führen. Als uns kalt wurde und wir halb am verdursten waren, weil wir uns kein Wasser mitnahmen, gingen wir nach Hause. Ich jagte meinen Bruder sofort hoch, so dass er nicht in die Wohnküche konnte, wo ich Mum mit Dad vermutete. Als er dann oben war, schlich ich aber in die Wohnküche um zu sehen, wie es bei meinem Eltern läuft. Sie saßen mit einer Flasche Wein und in Pullis auf der Terrasse und redeten. Mum sah dabei in die Ferne, während Dad sich zu ihr gebeugt hat und ihr etwas erklärte. In dem Moment breitete sich ein ungutes Gefühl in mir aus, weil ich ja auch nicht hören konnte, was Dad ihr sagte. Ich sah lediglich die Körpersprache der beiden. Doch gerade, als ich nach oben gehen wollte, sah ich, wie Mum anfing zu lachen. Sie lachte so richtig. Aus vollem Herzen. Ein riesiges Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus, weil ich in dem Moment wusste, dass alles nur besser werden kann. Dass wir eventuell wieder eine Familie werden.

Ich spüle das Duschgel von meinem Körper und das Shampoo aus meinen Haaren, ehe ich aus der Dusche steige. Ich greife nach meinen Handtüchern und schlinge mir eins um meinen klitschnassen Körper. Das andere binde ich auf meinem Kopf zu einem Turban zusammen. Schnell schminke ich mich ab, rubbel meine Haut trocken und schlüpfe in meine Klamotten, bevor ich das Badezimmer verlasse und in mein Zimmer schlendere. Es fühlt sich an, als ob ich von Zuhause nie weggewesen wäre, doch zugleich ist es so komisch ohne Harry und die anderen zu sein und das Leben zu leben, was ich früher hatte. Auch wenn es in ein paar Tagen vorbei ist und ich wieder an meiner Karriere pfeile. Wobei ich damit jetzt vielleicht schon anfangen sollte, schließlich wartet Simon auf ein neues Lied von mir für Justin Bieber. Nachdenklich öffne ich meine Zimmertür und gehe rein. Ich nehme mein nasses Handtuch vom Kopf und hänge es zum trocknen über meinen Schreibtischstuhl, ehe ich mir meine Gitarre, mein Liederbuch und einen Stift nehme. Ich werde mich jetzt in den Garten setzen und sehen, ob mir eine Melodie, geschweige denn ein Text einfällt.
Motiviert grinsend laufe ich den Flur entlang und springe die Treppenstufen runter. Vor der Wohnküche bremse ich ab und luge vorsichtig um die Ecke, falls meine Eltern noch auf der Terrasse sitzen. Ich will sie jetzt nicht stören. Doch die Terrasse ist leer. Es stehen bloß noch ihre ausgetrunkenen Weingläser auf dem Tisch und ihre Decken liegen auf den Stühlen. Ich runzle meine Stirn.
Wo sind meine Eltern denn bitte hingegangen? Naja, egal.
Hauptsache sie sprechen sich aus.
Ich zucke kaum merklich mit den Schultern und setze meinen Weg zum Garten fort.

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