Kapitel 42

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Gegen halb Sieben lagen wir dann in unserem Familienzimmer. Anni hatte sich an meine Brust gekuschelt und schlief tief und fest, genau, wie unsere Tochter. Ich hingegen bekam kein Auge zu, ich war voller Adrenalin und voller Glückshormone. Ich hatte schon eine Nachricht an den engsten Kreis geschickt, aber das Geschlecht hatte ich immer noch für uns behalten. Irgendwann schlief ich dann aber wohl doch ein, denn ich wurde wach, als jemand in unser Zimmer kam. Ich öffnete meine Augen und sah mich um. Eine Schwester stand am Bett und unterhielt sich mit Anni, welche am Stillen war. „Na klar, sobald die Visite durch ist, werden sie entlassen.", sagte die Schwester und war auch schon wieder weg. „Guten Morgen, Papa.", lächelte Anni dann und gab mir einen kurzen Kuss. „Hallo Mama.", schmunzelte ich und setzte mich auf. Ich ging kurz ins Bad und packte dann schonmal unsere Sachen. „Zu Hause muss ich erstmal Duschen.", brummte Anni, während sie die Kleine wickelte.

Ich war der glücklichste Mann der Welt, als ich mit meiner Frau und meiner Tochter das Krankenhaus verließ. Gut, wir waren so gesehen schon seit ein paar Wochen Eltern, aber nach der Geburt war das Gefühl irgendwie nochmal ein anderes. Vor dem Krankenhaus wartete schon Nele, welche Anni sofort in die Arme schloss. „Sei mir nicht Böse, aber ich will einfach nur nach Hause.", sagte sie leise und ließ sich erschöpft auf den Rücksitz fallen. Ich schnallte die Babyschale an und setzte mich dann auf den Beifahrersitz. Nele fuhr uns schweigend nach Hause und verabschiedete sich dann direkt. Ich half Anni bis zum Sofa und kümmerte mich dann um unsere Tochter. „Ich würde sie jetzt nochmal stillen und dann muss ich irgendwie duschen. Wann bringt deine Mutter Fynn?", fragte Anni und sah mich erwartungsvoll an. „Keine Ahnung, ich hab mit ihr noch nicht weiter gesprochen.", murmelte ich und reichte ihr unsere Tochter. „Rufst du sie mal an? Ich will einfach beide Kinder hier haben und unsere ersten Tage als Familie genießen.", sagte sie leise und wandte ihren Blick ab. Irgendwas stimmt doch hier schon wieder nicht. Ich nickte nur noch und ging auf die kleine Terrasse, um meine Mutter anzurufen.

A: „Wincent, endlich!"

W: „Sorry Mum, es ist alles gut, die Kleine ist da und..."

A: „Ein Mädchen? Wie heißt sie?"

W: „Julith. Mama, pass auf. Anni geht es glaube ich nicht ganz so gut. Sie möchte Fynn hier haben und ihre Ruhe. Magst du ihn so in anderthalb Stunden vorbei bringen? Du darfst deine Enkelin die nächsten Tage ganz viel sehen, aber ich glaub gerade wäre das nicht so gut."

A: „Alles gut mein Junge. Ich bring euch Fynn nachher und hau dann sofort wieder ab. Wenn etwas ist ruft ihr einfach an."

W: „Danke Mama."

A: „Immer und das weißt du."

Wir legten auf und ich ging wieder rein. Anni stillte Julith und sah gedankenverloren in den Raum. Nachdem sie fertig war, gab sie mir unsere Tochter sofort wieder. Ich legte diese in ihr Kinderbettchen und ging dann zu Anni. „Willst du Duschen?", fragte ich leise und sie nickte einfach nur. „Brauchst du irgendwie Hilfe?", fragte ich weiter und Anni nickte wieder leicht. Wir gingen also ins Bad und ich holte Klamotten für Anni, während sie sich auszog und unter die Dusche stellte. Als sie fertig war wickelte ich sie in ein Handtuch und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ich seh einfach aus, wie ein Hängebauchschwein.", murmelte sie und ließ sich auf den Badewannenrand sinken. „Schatz, du hast gerade ein fast drei Kilo schweres Kind bekommen, natürlich zehrt das an deinem Körper. Die Kleine ist noch keine zwölf Stunden auf der Welt und du beschwerst dich über dein Aussehen?", fragte ich und kniete mich vor sie. „Ich weiß, aber ich fühl mich einfach nur beschissen.", flüsterte sie und begann zu weinen. Oh nein, die Hormone schon wieder. „Hey, das ist nach einer Geburt normal. Du ziehst dich jetzt an und dann kuscheln wir uns mit unseren Kindern ins Bett, okay?", flüsterte ich. Anni nickte leicht und stand auf. Ich ließ sie einen Moment im Bad alleine und bereitete das Bett schonmal vor. Stillkissen, Kuscheldecken, Tee, Wasser, Süßigkeiten, alles, was das Herz gerade begehren könnte. „Das sieht ja süß aus.", lächelte Anni dann, als sie in der Tür stand. „Leg dich hin, ich geh die Kleine holen.", lächelte ich und verschwand kurz aus dem Schlafzimmer. Als ich wiederkam hatte sich Anni schon eingekuschelt und sah ziemlich müde aus. Ich legte Julith im Beistellbettchen ab und legte mich dann zu Anni ins Bett. „Ich liebe dich.", flüsterte ich und gab ihr einen vorsichtigen Kuss. „Ich dich auch.", erwiderte sie sofort und kuschelte sich ein bisschen an mich. Anni döste weg, während ich endlich mal eine richtige Nachricht an alle Freunde und Verwandten fertig machte. Als Anni wach war las sie sich alles durch und dann verschickten wir die Nachricht. Jetzt wussten also alle, dass wir Eltern einer kleinen Tochter geworden waren. Bevor unsere Handys explodierten stellten wir sie stumm und konzentrierten uns auf unsere Kleine, die schon wieder wach wurde. Anni stillte gerade, als es an der Tür klingelte. „Das wird meine Mum sein, ich hol schnell Fynn.", sagte ich und war schon fast aus dem Zimmer. „Bitte sie wenigstens kurz rein, ich will nicht die böse Schwiegertochter sein, die ihr ihr Enkelkind vorenthält.", murmelte sie. „Anni.", rollte ich mit den Augen. Diese ganzen Selbstzweifel hatte sie doch früher nicht. Ich konnte dazu gerade nichts sagen, sondern ging einfach runter und öffnete meiner Mum die Tür. „Hey mein Großer.", lächelte sie und schloss mich in die Arme, bevor sie mir die Babyschale mit Fynn übergab und wieder zum Auto ging. „Mum, nicht so schnell.", rief ich. „Ich hol doch nur was.", antwortete sie. Wenig später stand sie mit ein paar Schüsseln vor mir. „Ich hab euch was für die nächsten Tage vorgekocht.", lächelte sie und ging an mir vorbei um alles in die Küche zu räumen. „Du bist die Beste.", flüsterte ich und umarmte sie nochmal. „Anni denkt übrigens sie ist eine schlechte Schwiegertochter, weil sie meinte sie will keinen Besuch.", sagte ich dann. Ich musste einfach mit irgendwem reden.

Zwischen Dir und Mir // Wincent Weiss FanfictionGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt