Kapitel 2

1.8K 54 3
                                        

Sicht Angela

Nach Wincents Anruf war ich total alarmiert und fuhr sofort zur Schule. Das Bild, was sich mir dort bot hätte ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. Viele Schüler saßen weinend auf dem Boden, überall waren Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter, keiner hatte ein Ohr für mich. Irgendwann kam ein Mann mit meiner Tochter im Arm raus und ich stürmte auf die beiden zu. „Shayenne!", rief ich und zog sie sofort in meine Arme. Meine Tochter zitterte am ganzen Körper und mir standen bei diesem Anblick die Tränen in den Augen. „Sind sie ihre Mutter?", fragte mich der Mann jetzt. Ich nickte nur schnell und sah wieder zu meiner Tochter. Sie stotterte die ganze Zeit irgendwas von Anni und Tot vor sich hin und ich sah den Mann fragend an. „Kennen sie Anni?", fragte er. „Ich bin die Mutter von ihrem Freund.", antwortete ich. „Ich bin Ole Koch, ein Kollege und der Mentor von Anni. Sie wird gerade oben noch versorgt.", erklärte er. „Also ist sie verletzt?", brachte ich nur leise hervor. Er nickte nur noch, blieb aber bei uns stehen. Irgendwann brachten sie Anni raus und legten sie auf eine Trage. Schneller, als wir gucken konnten war sie im Rettungswagen verschwunden. Wenig später kam auch ein Sanitäter zu uns und wollte Shayenne mit ins Krankenhaus nehmen. Ich sollte mit dem Auto hinterherfahren, doch ich war total aufgewühlt. „Wenn sie wollen, kann ich sie mitnehmen. Anni ist mir ziemlich wichtig. Haben sie Wincent schon informiert?", quatschte mich der Typ zu. Ich griff nach meinem Handy und folgte ihm einfach nur.

W: „Mum, was ist los?"

A: „Fährst du?"

W: „Nein. Mum, sag, was los ist."

A: „Anni ist schwer verletzt, deine Schwester steht wahrscheinlich nur unter Schock."

W: „FUCK. Wir sind in einer Stunde da."

A: „Fahrt bitte weiter vorsichtig."

W: „Machen wir."

Im Krankenhaus angekommen, traf ich auch auf Magrit und ihren Mann. Anni wurde gerade operiert und keiner konnte uns irgendwas sagen. Dieser Ole saß die ganze Zeit neben uns. Zu meiner Tochter durfte ich auch noch nicht, da sie gerade untersuchte wurde.

Wenig später stürmte ein vollkommen fertiger Wincent den Gang entlang und lief mir sofort in die Arme. „Wir wissen noch nichts.", sagte ich leise und spürte, wie angespannt er war. Er begrüßte kurz Annis Großeltern und widmete sich dann Ole. „Warst du dabei, was ist mit dem Baby?", fragte er ihn schnell und stockte dann. Irritiert sahen wir alle zu Wincent.

Sicht Wincent

Im Krankenhaus angekommen stürmte ich durch die Gänge, bis ich bei meiner Mum und Ole ankam. „Warst du dabei, was ist mit dem Baby?", fragte ich Ole hektisch, stockte aber am Ende. Ich spürte die Blicke auf mir, aber ich konnte nicht antworten. „Ich weiß nichts, aber sie hatte auf jeden Fall eine Wunde am Oberkörper.", sagte Ole zu mir. Ich starrte ihn an und spürte die Blicke der anderen immer noch in meinem Rücken. „Ja, Anni und ich bekommen ein Kind.", gab ich dann genervt von mir und marschierte im Gang auf und ab. Ich wollte die Reaktionen nicht hören, bevor ich nicht wusste, ob wir wirklich noch ein Kind bekommen. Irgendwann spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und drehte mich langsam um. „Die beiden werden das schaffen.", sagte Ole und ich nickte deprimiert. Wir gingen wieder zu meiner Mum und Annis Großeltern und ich setzte mich hin. Wenig später kamen endlich Ärzte auf uns zu. „Wer von ihnen gehört zu Frau Neumann?", fragten sie und ich sprang sofort auf. Annis Oma kam mit mir, während Ole und ihr Opa bei meiner Mum blieben. „Was ist mit ihr, was ist mit unserem Kind?", ratterte ich drauf los. „Herr?", sah mich der Arzt an. „Weiß, er ist der Freund meiner Enkelin.", sagte Magrit und ich nickte. „Okay Herr Weiß, Frau Neumann. Wir haben Frau Neumann operiert, ihr zustand ist nicht lebensbedrohlich. Sie hatte eine Schussverletzung im Oberbauch, dem Embryo ist aber nichts passiert. Ihre Freundin ist schon ziemlich weit in der Schwangerschaft, gibt es einen Mutterpass?", fragte der Arzt. „Nein, wir wissen das auch noch nicht so lange.", antwortete ich leise. „Gut, sie wollen sicher zu ihr. Sie liegt gerade im Aufwachraum, da darf immer nur eine Person zu ihr. Danach würden wir sie auf die Normalstation verlegen. Da wir ein erhöhtes Patientenaufkommen haben, können wir es aber nicht unbedingt vermeiden, dass sie mit Schülern in ein Zimmer kommt.", erklärte der Arzt. „Können sie vielleicht schauen, dass sie mit Shayenne auf ein Zimmer kommt, das ist seine Schwester.", mischte sich Magrit ein. Die Schwester, die ebenfalls im Raum war, nickte und forderte mich dann auf mitzukommen. 

Zwischen Dir und Mir // Wincent Weiss FanfictionGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt