Kapitel 49

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Sicht Anni

Ein paar Tage nach unserer Verlobung und Wincents und meinem Gespräch beantragte ich die Fortsetzung meines Referendariats und nach ein paar weiteren Wochen ging es los. Ich war echt super aufgeregt so an meinem ersten Tag. Ich hatte schlecht geschlafen und am Morgen war Julith auch noch total unruhig. „Nun geh.", lächelte Wincent, welcher beide Kinder auf dem Arm hatte. „Ich weiß nicht, ob das richtig war.", murmelte ich. „Das war richtig. Du gehst jetzt los und rockst das, während ich auf die zwei Rabauken hier aufpasse. Ich liebe dich.", sagte Wincent und küsste mich nochmal, bevor er mich einfach aus der Tür schob. Ich atmete nochmal tief durch und holte dann mein Fahrrad aus dem Keller, um zur Schule zu radeln. Dort angekommen kamen die Kinder auf dem Schulhof direkt auf mich zu. „Sind sie jetzt wieder da?" „Wann haben wir wieder mit ihnen Unterricht?" Und all sowas prasselte auf mich ein. Ich redete ein wenig mit den Kindern und ging erst rein, als es wirklich Zeit wurde. Ich meldete mich bei der Schulleitung und bekam meinen neuen, sehr mamafreundlichen Stundenplan. Da mein Kind nach Auffassung der Schulleitung noch ziemlich klein war, hatte ich jeden Tag nur zwei bis drei Unterrichtsstunden und den Mittwoch wie immer für meine Seminare frei. „Schön, dass du wieder da bist.", lächelte Ole, als er mich im Lehrerzimmer erblickte. „Und heute hast du mich auch noch den ganzen Vormittag gewonnen.", grinste ich und schob ihm meinen Stundenplan rüber. „Sehr cool. Da hab ich dich ja noch öfter, als ich mir erhofft habe.", sagte er. „Erzähl das nicht meinem Mann.", lachte ich und zog meinen Stundenplan zurück. „Ne oder? Verlobt seid ihr auch noch?", fragte er und sah sich meinen Ring an. „Jap, hab ich dir voll vergessen zu erzählen.", erwiderte ich. Wenig später standen dann auch schon viele andere Kollegen im Lehrerzimmer und wollten zum ersten Kind gratulieren. Sollte ich vielleicht die Bombe platzen lassen, dass wir zwei Kinder haben? „Was ist es denn jetzt geworden?", fragte die Schulleiterin. „Ja... tatsächlich habe ich sowohl ein Mädchen, als auch einen Jungen zu Hause. Fynn haben wir aus familiären Gründen aufgenommen und Julith ist unsere leibliche Tochter.", erklärte ich und die verwirrten Blicke waren schonmal der Knüller. Ich erklärte noch ein wenig, bevor es klingelte und ich mit Ole zu seiner Klasse ging. Auch hier freute sich, zumindest der Großteil der Schüler, mich wiederzusehen. Ich beantwortete ein paar Fragen und gerade, als Ole mit dem Unterricht loslegen wollte, wurde es nochmal brenzlich. „Herr Koch, wann geben sie denn endlich mal zu, dass sie und Frau Neumann ein Paar sind und dass das ihre Kinder sind.", fragte eine Schülerin und Ole und mir klappte vermutlich zeitgleich die Kinnlade runter. „Was? Nein.", sagte Ole und stand einfach wie erstarrt da. „Sie brauchen das nicht mehr leugnen.", bestätige noch ein weiterer Schüler. „Okay Leute. Herr Koch ist nicht mein Freund oder Mann und auch nicht der Vater meiner Kinder. Der Vater meiner Kinder sitzt gerade zu Hause und jongliert wahrscheinlich mit Fläschchen.", sagte ich ernst. „Wirklich?", fragte nun die erste Schülerin wieder. „Ja, ich bin erstaunt, dass ihr auf solche Ideen kommt, aber schaut.", sagte ich und zeigte ihnen mein Hintergrundbild. Darauf sah man Wincent, wie er mit beiden Kindern auf dem Boden schlief. Man sah keine Gesichter, aber man sah sehr deutlich, dass es nicht Ole war. „Das... das tut uns leid.", murmelten einige gleichzeitig. „Schon gut, aber sprecht bei sowas doch das nächste Mal schon früher mit mir.", lächelte Ole und startete dann wirklich seinen Unterricht.

Meine ersten Wochen waren ganz schön anstrengend, während Wincent sich so gut als Hausmann schlug, dass ich mich fast wie eine Rabenmutter fühlte. Er hatte alles im Griff und manchmal hatte ich fast das Gefühl, er würde ohne mich besser klarkommen, als wenn ich immer dazwischen funkte. Wenn wir so weiter machen, werden beide totale Papa-Kinder. Heute hatte Wincent allerdings einige Online-Meetings und ich war mit Ole verabredet. Wir quatschten bei einem Kaffee, beziehungsweise Tee und sprachen auch über meine nächsten Unterrichtsbesuche. „Und du hast am Anfang gezweifelt, dass du nicht beide Kinder gleich lieben kannst.", schmunzelte er, während ich Julith auf dem Arm hatte und Fynn dabei beobachtete, wie er das Wohnzimmer unsicher machte. „Was hat sie?", erklang dann Wincents Stimme hinter uns und Ole biss sich augenblicklich auf die Lippe. „Hast du uns belauscht?", fragte ich. „Nein, ich bin gerade fertig geworden und wollte mich zu euch gesellen, als ich höre, was für Ängste du scheinbar hattest. Warum weiß ich sowas nicht und er schon?", wurde Wincent direkt relativ laut. „Nicht vor den Kindern.", zischte ich. „Dann kommst du jetzt mit hoch.", sagte er streng. „Nein.", erwiderte ich hartnäckig. „Anni, komm.", brummte Wincent. Ich wusste, dass es eskalieren würde, egal, was ich tat. Also stand ich auf und folgte Wincent, aber garantiert nicht mit gesenktem Haupt. Ole blieb einfach sitzen und nahm mir nur noch meine Tochter ab. An Wincents Körperhaltung erkannte ich, dass er sauer war, sehr sauer, aber vorrangig verletzt. 

Zwischen Dir und Mir // Wincent Weiss FanfictionGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt