Alex war die ganze Zeit Zuhause gewesen.
Ich hatte keine Ahnung, wie ich es nicht hatte bemerken können, aber das Haus war schließlich groß und ich zu sehr mit Lillian oder meinen Gedanken beschäftig, um zu mitzubekommen, wie er sich wahrscheinlich heimlich Essen aus der Küche geholt und das benutzte Geschirr auf dem freien Kinosessel in der ersten Reihe neben sich gestapelt hatte.
Er machte sich nicht die Mühe den Ton des Actionfilms, der auf der großen Leinwand lief, stummzuschalten oder gar zu pausieren. Er sah mich nicht einmal an, als ich den dunklen Raum betrat, nachdem er mir wortkarg per Handy mitgeteilt hatte, dass er im Heimkino war.
Die ohrenbetäubenden Schüsse von Maschinengewehren, das Reifenquietschen, Gebrüll von Menschen und die Explosionen waren kaum auszuhalten. Es kam mir vor, als wären sie für mich bestimmt. Als würde Alex seine Wut durch sie auf mich hetzen und unbeteiligt hinnehmen, wie jeder Knall mir mehr Schmerzen bereitete.
Alles in mir sträubte sich dagegen, mich auf den Platz auf der anderen Seite seiner Geschirrablage zu setzen, aber trotzdem tat ich es. Der kalte Ledersitz war viel zu groß für mich, die breiten Armlehnen viel zu weit auseinander, um beide Arme gleichzeitig darauf betten zu können. Der Actionstreifen war ein James Bond Film. Daniel Craig verfolgte im Designeranzug einen Bösewicht auf einem fahrenden Zug und bestieg in diesem Moment einen Bagger, der rein zufällig auf einem der Waggons transportiert wurde.
Mich hätte nicht weniger interessieren können, wie er seinen Feind zur Strecke brachte, dennoch starrte ich ebenso konsequent auf die Leinwand, wie Alex. Ich würde keinen Gesprächsversuch starten, solange er den Film nicht leiser stellte, auch wenn das bedeutete, dass ich ihn möglicherweise bis zum bitteren Ende gucken musste.
Daniel Craig fuhr mit dem Bagger über einige Autos, die ihm auf dem Waggon im Weg standen, während sein Gegner einen Zugteil vor ihm den Zug mit ein paar Schüssen entkoppelte. Daraufhin rammte der Agent lediglich die Baggerschaufel in den vorhergehenden Waggon und kletterte – natürlich ohne zu fallen – über den Arm seinem Feind weiter hinterher. Ich verdrehte die Augen, als er unbeschadet das Zugabteil erreichte, seinen Anzug richte und an kaum verwunderten Fahrgästen vorbeischritt, obwohl in ihrem Waggon ein riesiges Loch klaffte.
Was für ein unrealistischer Schwachsinn. Warum hielt dieser Zug nicht an? Als ob der Lokführer von der Zerstörung seines Zuges nichts mitbekam. Und wer war überhaupt diese Frau, die neben den Gleisen in einem Jeep mitheizte? Warum schaltete der Bösewicht sie nicht aus? Er hätte mit Leichtigkeit ein paar Schüsse auf sie abfeuern können.
Urplötzlich blieb das Bild mit der Ansicht eines nahenden Tunneleingangs stehen und mit ihm schwand der Lärm und die spannungsreiche Musik. Eine gespenstische Stille füllte den Raum, die mein Herz schlagartig daran erinnerte, warum ich hier war.
„Du wolltest reden?"
Alex' kühler Ton ließ mich erschaudern. Er versetze mich zurück in die Zeit, in der er mich wie ein lästiges Kaugummi unter seiner Schuhsohle behandelt hatte. Nach allem, was wir seitdem durchgemacht hatten, traf mich seine Abweisung jetzt noch viel härter als damals.
Mein „Ja" entsprach eher einem gekrächzten Laut. Es war erbärmlich, wie schnell er mich aus der Fassung brachte, obwohl ich mich genau auf diese Reaktion eingestellt hatte. Wenn ich eins gelernt hatte, dann, dass Alex ungemütlich wurde, sobald es nicht mehr leicht war. Vielleicht lag das daran, dass er kriegen konnte, was er wollte und zickig wurde, wenn etwas mal nicht nach seiner Nase tanzte.
Er lief seinen Problemen davon, anstatt sich ihnen zu stellen. Er mied seinen Vater zum x-ten Mal in diesem Urlaub und mich zum zweiten. Aber ich würde ihn nicht damit durchkommen lassen, weil ich mir sicher war, dass er auch anders konnte.
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Sommergewitter
RomanceWo strahlender Sonnenschein auf eiskalte Wellen trifft, schneidender Wind auf gespannte Segel und High Society auf urige Fischerdörfchen kollidieren die Herzen von Brooke und Alexander wie Donner in einem Sommergewitter. Drei Wochen als Kindermädche...
