"Ich weiß nicht, ob ich das kann", murmelte ich. Meine Stimme ging in dem Grölen der Gäste unter, die zu dieser späten Stunde ungesund viel Bier intus hatten. Ich wusste auch nicht, was ich mir dabei gedacht hatte, hierher zu kommen, aber noch vor einer Stunde war mir alles besser vorgekommen, als alleine mit meinen Gedanken Zuhause zu sitzen. Auch die Gesellschaft von besoffenen alten Säcken. Nunwäre ich doch lieber wieder Zuhause.
Zerstreut drehte ich einen Untersetzer zwischen meinen Fingern umher und fragte mich, was ich überhaupt meinte nicht zu Können. Weiter für die Parkers arbeiten oder wohl oder übel wieder auf Alex zu treffen. Wäre nur eine Sache von beiden mies gelaufen, könnte ich die andere vielleicht wegstecken, aber so? Wer garantierte mir, dass Mr und Mrs Parker trotz ihrer Entschuldigungen nicht in alte Verhaltensmuster verfielen? Und wer, dass Alex nicht wieder alles ruinieren würde? Früher oder später würde ich ihn wiedersehen und ich wusste nicht, ob ich das überstehen konnte.
Mit einem tiefen Seufzen strich Noemi mir über den Arm. „Ich weiß es auch nicht", gab sie zu. „Spontan würde ich sagen, dass es keine gute Idee wäre. Von dem, was ich alles von dir mitbekommen habe... Andererseits-"
Vier volle Bierkrüge landeten scheppernd vor meiner Nase. „Tisch vier", sagte Chris, der heute den Barkeeper machte, und Noemi warf mir einen entschuldigenden Blick zu.
„Bin gleich wieder da." Geübt schon sie ihre Hände zwischen jeweils zwei Henkel und brachte sie an den richtigen Tisch.
„Und du willst sicher nichts haben?", fragte Chris mich zum zweiten Mal an diesem Abend.
Ich schüttelte den Kopf. Wenn ich jetzt irgendetwas trank, würde das nur meine Heulschwelle sinken lassen und ich konnte sie schon so kaum unter Kontrolle halten.
„Okay, falls du deine Meinung noch änderst, sag einfach Bescheid. Geht auch aufs Haus."
Ich rang mir ein Lächeln ab. „Danke."
Chris wandte sich weiteren Bestellungen zu und Noemi brachte ihm kurz darauf noch mehr, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder mir widmete.
„Wenn das alles nicht so scheiße gelaufen wäre, würde ich das Angebot allerdings direkt annehmen. Dass sie dir das überhaupt gemacht haben, heißt ja, dass sie einen neuen Start wagen wollen. Ich meine, die könnten doch wahrscheinlich jede Nanny haben, aber sie wollen dich. So scheiße werden sie dich also nicht finden! Und das Gehalt?" Noemi verzog neidvoll ihren Mund. „Wer kann da schon nein sagen?"
Ich lächelte schwach, als Noemi in einer Geste andeutet, sich mit Dollarscheinen Luft zuzufächeln. Dann legte sie sanft eine Hand auf meinen Oberschenkel.
„So eine Gelegenheit kriegst du vielleicht nie wieder und du solltest sie dir nicht von so einem Arschloch nehmen lassen."
Ich schluckte, weil Noemi irgendwie immer das Richtige sagte.
„Du kannst mit dem Geld vielleicht sogar fürs Collage oder so sparen."
„Dafür müsste ich wahrscheinlich sogar bei denen jahrelang arbeiten, und dann bin ich irgendwann zu alt, um noch irgendetwas zu studieren." Missmutig fuhr ich den Rand des Untersetzers nach.
Unsere Eltern hätten wahrscheinlich einfach einen Kredit aufgenommen, aber die Chancen, dass wir es tun konnte, waren so gut wie aussichtslos. Keine Bank würde arbeitslosen, jungen Erwachsenen so hohe Summen auszahlen. Charlie und ich würden wohl oder übel nacheinander studieren müssen, damit einer von uns den Kredit für den anderen mit dem ersten Job im Rücken aufnehmen konnte.
In meinen Vorstellungen war das Charlie, obwohl ich ihm diese finanzielle Last absolut nicht auflegen wollte. Aber ich wollte ihm das normale Leben bieten, dass er verdiente, und das beinhaltete nun mal den Wechsel zum Collage nach der High School.
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Sommergewitter
RomansaWo strahlender Sonnenschein auf eiskalte Wellen trifft, schneidender Wind auf gespannte Segel und High Society auf urige Fischerdörfchen kollidieren die Herzen von Brooke und Alexander wie Donner in einem Sommergewitter. Drei Wochen als Kindermädche...
