Song: You've Got The Love - Florence + The Machine
◇ ◇ ◇
Alexander trieb Servietten als Taschentuchersatz in einer der Küchenschubladen auf, nachdem ich ihm unter Tränen das Problem geschildert hatte. Er hatte keine Miene verzogen, als das Wort Verhaftung gefallen war, also hatte er entweder ein verdammt gutes Pokerface oder ich mir umsonst Sorgen gemacht.
Ziemlich erfolglos versuchte er mich zu beruhigen und ließ mich keine fünf Minuten später erneut, wenn auch widerwillig, zurück, um mit seinem Vater und Mrs Parker zu reden. Er wollte mir wenigstens zwei Tage verschaffen, in denen ich nach Savannah fliegen konnte. Auch, wenn ich mir nicht vorstellen konnte, dass er erfolgreich sein würde, war ich ihm unfassbar dankbar, dass er diese Sache für mich übernahm. Währenddessen stopfte ich in meinem Zimmer wahllos Klamotten in meine viel zu kleine Tasche, schmiss die nötigsten Kosmetikartikel in meine Kulturtasche und fürchtete, der Reißverschluss meiner Tasche würde reißen, als ich ihn mit Gewalt zuzerrte.
Erst, als ich zurück ins Wohnzimmer kam, wo Alexander mich wieder treffen wollte, bemerkte ich, dass ich noch immer das elegante Kleid trug, aber in dem Moment traf Alexander wieder zu mir und ich beschloss, dass das Kleid mein kleinstes Problem war. Er hatte er die Lippen zu einer schmalen Linie zusammengepresst und mir rutschte das Herz in die Hose.
„Bist du bereit?", fragte er.
Irritiert blinzelte ich. „Haben sie es erlaubt?"
Das Letzte, was ich wollte, war einfach abzuhauen, weil ich Alexander eine Lüge abgekauft hatte. So, wie er gerade aussah, hatten Mr und Mrs Parker nämlich absolut nicht zu meinen Gunsten entschieden.
Alexander deutete lediglich auf meine Tasche. „Hast du alles dabei? Reisepass, Portemonnaie, Handy?"
In meinem Magen rumorte es. „Alexander, haben sie es erlaubt? Ich gehe nicht, bevor ich kein eindeutiges Okay habe!"
Er atmete aus und sah mir in die Augen. „Ja, haben sie. Es ist was anderes." Er nahm mir die Tasche aus den Händen. „Komm mit. Heute Abend geht noch ein Flug und wenn du den erwischen willst, müssen wir jetzt los."
Verwirrt folgte ich ihm aus dem Wohnzimmer durch einige Türen und schmale Flure in eine riesige Garage, in der zwei schwarze Range Rover und ein Oldtimer-Cabrio geparkt waren, das neben den riesigen SUVs schon fast bescheiden wirkte.
Alexander steuerte einen der beiden Range Rover an, entriegelte ihn und schob meine Tasche auf die Rückbank, zog sich das Sakko aus und warf es achtlos hinterher. Dann schlug er die Tür zu und kletterte vorne hinters Steuer.
„Du fährst mich?" Zögerlich folgte ich ihm ins Auto, als das Garagentor vor uns langsam nach oben fuhr und den Raum Stück für Stück mit hellem Tageslicht flutete. Kaum hatte ich die Beifahrertür zugezogen, startete Alexander den Motor.
„Ja." Er trat viel zu hart aufs Gas und das Auto machte einen unsanften Satz nach vorne und mit ihm mein Herz. Reflexartig zuckte mein Arm vor, um mich am Armaturenbrett abzufangen, doch so heftig war der Ruck dann doch nicht. Trotzdem hämmerte mein Herz in meiner Brust, während ich nach dem Sicherheitsgurt tastete.
„Wann geht der Flug, dass das sein musste?", warf ich ihm vor, noch ehe der Gurt einklickte.
Alexander atmete geräuschvoll aus, dann warf er mir einen kurzen Blick zu. „Sorry. Kim hat nur... schon wieder Scheiße am Laufen. Ich will nicht wissen, wohin das dieses Mal führt. Aber ist ja auch egal, sie ist erwachsen."
Mit verhärtetem Kiefer starrte er durch die Windschutzscheibe, die Finger fest um das Lenkrad geschlossen. Es war ihm offensichtlich nicht egal, aber ich hatte gerade andere Sorgen als mir auch noch einen Kopf um Kimberley zu machen.
DU LIEST GERADE
Sommergewitter
RomanceWo strahlender Sonnenschein auf eiskalte Wellen trifft, schneidender Wind auf gespannte Segel und High Society auf urige Fischerdörfchen kollidieren die Herzen von Brooke und Alexander wie Donner in einem Sommergewitter. Drei Wochen als Kindermädche...
